Seit sechs Jahren steht Sakis Papachristos bei TuRa 88 Duisburg als Trainer an der Seitenlinie.

BL NR 5

TuRa 88 steht vor dem Neuanfang

Sven Kowalski
03. Juni 2016, 09:03 Uhr
Foto: Tillmann

Foto: Tillmann

Seit sechs Jahren steht Sakis Papachristos bei TuRa 88 Duisburg als Trainer an der Seitenlinie.

Wie lang es her ist, dass der Traditionsverein aus Neudorf, für den Fußballer wie Thomas Strunz die Schuhe schnürten, zuletzt in der Kreisliga A kickte, kann aber auch er nicht sagen. „Das“, so Papachristos „ist viel zu lange her“. Das Jahr 2016 wird er so schnell nicht vergessen. Denn klar ist, dass er selbst im Sommer der Trainer in der Stunde Null des neuen Kreisliga-Kapitels am Kammerberg sein wird.

Die Vereinschroniken von Pressewart Detlef Zaplata schreiben den Verein bis 1990 zurück mindestens in die Bezirksliga. Dann verwischt sich auch dort die Spur. In die bis dahin noch fünfhöchste Spielklasse schaffte es TuRa seitdem mit dem Aufstieg in die Verbandsliga Niederrhein im Sommer 2008. Doch zwei Jahre später folgte der wirtschaftliche Kollaps – und sportlich der freie Fall bis zurück in die Bezirksliga. Dass sich sein Team dort fünf Spielzeiten trotz fehlender finanzieller Mittel halten konnte, macht Sakis Papachristos „schon ein Stück weit stolz.“ Doch nun steht der Dino aus Neudorf schon vor dem letzten Spieltag als Absteiger fest.

Und dieser Absturz in die fußballerische Bedeutungslosigkeit war für Papachristos nicht nur unnötig. Er kommt genau zum falschen Zeitpunkt, sagt der Trainer, der im Frühling auch den länger vakanten Vorsitz bei TuRa 88 übernommen hat. „Ich ärgere mich ein bisschen, dass ich das nicht schon vor zwei Jahren gemacht habe.“ Bis auf die üblichen Verbindlichkeiten schuldenfrei, die Kommunikation mit der Jugendabteilung auf Zusammenarbeit statt Streuung gestellt, Kompletterneuerung der sanitären Anlagen des Kabinentrakts in der kommenden Sommerpause – und dann sei sogar „endlich mal wieder noch etwas Geld über“, berichtet Papachristos. „Bislang haben wir uns sportlich kaputt gespart.“

Den Abstieg hätte sein Team dennoch verhindern können. „Viele Jungs haben sich gut entwickelt“, sagt der Trainer. „Aber vorne waren wir zu harmlos und hinten haben wir zu viel zu viele Tore kassiert.“ Papachristos macht vor allem in der leichtfertigen Defensive den Schwerpunkt aus. „Manche Spieler meinten, sie wären Beckenbauer. Und dann haben sie uns mit etlichen Ballverlusten mindestens 20 Tore und viele wichtige Punkte gekostet.“

Da will der Trainer in der nächsten Saison ansetzen. „Der Abstieg war vermeidbar, aber jetzt müssen wir ihn hinnehmen und gestärkt daraus gehen. Ich bin sicher, dass wir in der neuen Saison eine sehr gute Truppe haben werden.“ Dazu zählen für den Coach auch Spieler aus der Reserve wie Oliver Palic, laut Papachristos „ein knallharter Innenverteidiger“, oder auch aus der eigenen Jugend wie Stürmer Niklas Bielinski, die auch schon im Abstiegskampf aushalfen.

Karabel soll ins Trainerteam

Unter den 14 Spielern, die aus dem aktuellen Kader bleiben sollen, sind auch „Häuptlinge“ wie Marvin Martin, der seit 18 Jahren am Kammerberg kickt. Und Hakan Karabel, den Papachristos auch in sein neues Trainerteam einbinden möchte. „Er soll die jungen Spieler mitführen. Er kann ihnen viele Tipps geben. Aber wie ich Hakan kenne, wird er sowieso nur selbst rennen“.

Solche Charaktereigenschaften erhofft sich der 57-Jährige auch von den „vier, fünf Neuzugängen“, die ihm schon eine Zusage gegeben hätten. Sicher Wort hält Fotios Papachristos, der wie Verteidiger André Schulz nach sechs Monaten bei der GSG Duisburg an den Kammerberg zurückkehren wird.

Nun gehen Fotios und Stefanos Papachristos wieder gemeinsam auf Torejagd für TuRa 88. Doch ihr Vater Sakis Papachristos ist sich in der Stunde Null des neuen Kreisliga-Kapitels nach ungezählter Zeit sicher: „Diesmal werden wir die Gejagten sein.“

Autor: Sven Kowalski

Mehr zum Thema

Kommentieren