Ausverkauftes Haus, viel Brisanz und die nackte Angst um die Existenz.

MSV - Fortuna

Die Ausdauer eines Marathonläufers

Dirk Retzlaff
29. April 2016, 06:07 Uhr

Ausverkauftes Haus, viel Brisanz und die nackte Angst um die Existenz.

Die Zutaten versprechen ein heißes Duell, wenn heute Abend um 18.30 Uhr die Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg und Fortuna Düsseldorf in der Schauinslandreisen-Arena zum Abstiegsderby antreten. MSV-Trainer Ilia Gruev ist heiß auf die Partie, die 30 000 Zuschauer – darunter werden rund 7000 Düsseldorfer Schlachtenbummler sein – verfolgen werden: „Für solche Spiele lebst du.“

Damit der MSV Duisburg in der 2. Bundesliga weiter leben darf, zählt für die Zebras nur ein Sieg. Damit käme der MSV bis auf einen Punkt auf die Landeshauptstädter heran und könnte sogar wieder auf den direkten Klassenerhalt hoffen.

MSV-Sportdirektor Ivica Grlic bediente sich in dieser Woche eines Bildes aus dem Ausdauersport. „Einen Marathonlauf entscheidest du nicht am Anfang, sondern auf den letzten Metern der 42,195 Kilometer.“ Nehmen wir den Rhein-Ruhr-Marathon durch Duisburg als Beispiel, traben die Jungs derzeit von Großenbaum nach Buchholz und haben das Ziel in der Arena schon fast im Blick. Grlic will nur „von Spiel zu Spiel schauen“, trotzdem müssen die Zebras aus den verbleibenden drei Partien gegen Düsseldorf, Sandhausen und Leipzig wohl sieben Punkte einfahren, um künftig weiter zweitklassig kicken zu dürfen.

Funkel lockte Gruev zum MSV

Mit vier Zählern Vorsprung auf Schlusslicht MSV steht Fortuna Düsseldorf nicht zwangsläufig mit dem Rücken zur Wand – im Gegensatz zu den Meiderichern. Für F95-Coach Friedhelm Funkel ist es die Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. Der 62-Jährige will sich heute Abend jedoch nicht mit Sentimentalitäten befassen, sondern punkten.

Für seinen Kollegen Ilia Gruev ist das Treffen mit Funkel eine besondere Geschichte. Friedhelm Funkel scoutete in der Saison 1999/2000 den Bulgaren als Mittelfeldspieler. Er überzeugte ihn, in der Folgesaison bei den Zebras anzuheuern. Als Gruev dann im Sommer 2000 zum MSV wechselte, war Funkel bereits nicht mehr Trainer an der Westender Straße. Nach dem Bundesliga-Abstieg trug Wolfgang Frank die Verantwortung. Für Gruev sollte das keine Nachteile haben, es war der Anfang einer langen Liebe zu den Zebras, die auch heute noch Bestand hat.

Bajic für Hajri

Der 46-Jährige wird heute der Mannschaft vertrauen, die zuletzt das Zebra-Trikot trug. Die einzige Änderung: Für Enis Hajri, der nach seiner Notbremse in Freiburg nur für die heutige Partie gesperrt ist, kehrt Kapitän Branimir Bajic in die Innenverteidigung zurück. Als Doppel-Sechs werden Baris Özbek und James Holland für das Mittelfeldspiel verantwortlich sein, im Angriff ist das nigerianische Duo mit Kingsley Onuegbu und Victor Obinna das Maß der Dinge, wobei sich Obinna nach seinem schwachen Auftritt in Freiburg deutlich steigern muss.

Bei den Gästen ist Trainer Friedhelm Funkel nicht der einzige alte Bekannte. Als Sportdirektor ist – noch – Rachid Azzouzi tätig. Mit Julian Koch und Adam Bodzek gehören zwei frühere Duisburger Leistungsträger dem Kader der Landeshauptstädter an. Vor allem Bodzek profitierte vom jüngsten Trainerwechsel. Nach abgesessener Gelbsperre wird er heute in die Düsseldorfer Innenverteidigung zurückkehren.

Autor: Dirk Retzlaff

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