Als am 4. Oktober Uhr das Spiel zwischen dem FC Schalke und dem 1. FC Köln angepfiffen wurde, träumten die begeisterten Fans der Königsblauen von einer überragenden Saison.

Schalke

Die vier wichtigsten Fragen vor dem Winter-Endspurt

Andreas Ernst
30. November 2015, 09:20 Uhr
Foto: firo

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Als am 4. Oktober Uhr das Spiel zwischen dem FC Schalke und dem 1. FC Köln angepfiffen wurde, träumten die begeisterten Fans der Königsblauen von einer überragenden Saison.

Mit einem Sieg hätte S04 am achten Spieltag den großen Rivalen BVB vom zweiten Platz verdrängt und sich ein Fünf-Punkte-Polster bis zum Tabellenvierten zugelegt.

Acht Wochen später ist die Sommer-Euphorie einer Herbst-Tristesse gewichen. Schalke unterlag Köln verdient mit 0:3, holte aus den vergangenen sechs Bundesligaspielen sogar nur fünf Punkte, erzielte lediglich acht Tore und rutschte auf den achten Platz ab. Den BVB sehen die Schalke-Fans nur mit dem Fernglas - sechs Plätze, elf Punkte und 23 Treffer liegen zwischen den Ruhrgebiets-Rivalen.

Die Fans murren trotz der Tabellen-Talfahrt nicht. Im Gegenteil: Die Stimmung ist so gut wie seit Jahren nicht. Der ehrgeizige Trainer André Breitenreiter muss aber im Dezember zeigen, dass er seine Mannschaft aus der Ergebniskrise führen kann. Die kommenden Gegner sind die Kellerkinder Hannover 96 (Freitag, 4. Dezember, 20.30 Uhr), FC Augsburg (Sonntag, 13. Dezember, 15.30 Uhr, in Augsburg) und 1899 Hoffenheim (Freitag, 18. Dezember, 20.30 Uhr) - alle drei Aufgaben sind lösbar.

Schwankende Leistungen, Formschwächen der Routiniers, rhetorische Patzer von Breitenreiter, die Manager-Suche, stockende Vertragsverhandlungen mit Joel Matip - Baustellen gibt es genug auf Schalke. Wir stellen die vier wichtigsten Fragen vor dem Winter-Endspurt.

1. Kann Breitenreiter Schalke zu überzeugenden Siegen führen?
Nach der Länderspielpause Anfang Oktober gewann Schalke von neun Pflichtspielen nur zwei - und keins davon überzeugend. Die Königsblauen besiegten Hertha BSC (2:1) trotz langer Überzahl erst in allerletzter Sekunde. Auch das 1:0-Siegtor gegen den international zweitklassigen Gegner Apoel Nikosia in der Europa League fiel unmittelbar vor dem Schlusspfiff. Breitenreiter spricht gern von "Entwicklungsprozessen" seiner Mannschaft - aber jeder Prozess sollte wenigstens in jedem zehnten Spiel zu einem überzeugenden Sieg führen.

Fazit: Mannschaft und Trainer sind begabt, der Trend ist positiv, wie das 1:1 in Leverkusen zeigte. Sieben Punkte aus den drei Bundesliga-Spielen im Dezember sind realistisch, dann wäre ein guter Tabellenplatz am 17. Spieltag garantiert. Sollte Schalke aber bis Weihnachten sieglos bleiben, dürfte Breitenreiter eine ungemütliche Winterpause erleben - bei aller Fan-Geduld. Denn klar ist: Schalke kann sich finanziell ein Jahr ohne internationales Geschäft nicht ohne Spielerverkäufe erlauben. Schalke muss mindestens Sechster werden - das spricht aber niemand offen aus.

2. Kommen die erfahrenen Spieler aus ihrem Leistungsloch?
Schalke suggeriert gern, dass die Leistungsschwankungen der Mannschaft vor allem mit den jungen Spielern zusammenhängen. Die Wahrheit ist aber: Leon Goretzka (20), Max Meyer (20), Leroy Sané (19) und Joel Matip (24) sind die konstantesten Feldspieler der Königsblauen. Vielmehr schwächeln die Routiniers. Kapitän Benedikt Höwedes (27) sucht nach einer langen Verletzungspause noch seine Form. Im Spielaufbau zeigt er Schwächen, leistete sich zudem gegen den FC Bayern (1:3) und in Leverkusen (1:1) böse Stellungsfehler, die zu Gegentoren führten. Auf ein überragendes Spiel von Linksverteidiger Dennis Aogo (28) wartet Schalke seit Wochen. Klaas-Jan Huntelaar (32) hatte in dieser Saison noch keine gesundheitlichen Beschwerden, vergibt aber ungewöhnlich viele Chancen. Der aus Bremen geholte Stürmer Franco Di Santo (26) hat in der Bundesliga noch gar nicht getroffen.

Fazit: Nur wenn die erfahrenen Spieler zu ihrer Form zurückfinden, kann Schalke im Dezember erfolgreich sein.

3. Drückt sich Trainer Breitenreiter künftig etwas geschickter aus?
Offen, ehrlich, direkt - Breitenreiter ist bei den Schalke-Fans beliebt. Seine Formulierungen sind aber manchmal etwas ungeschickt. Damit eckt der Trainer innerhalb des Vereins an. Als er zum Beispiel vor dem Revierderby bei Borussia Dortmund von einem "Bonusspiel" sprach, kam das einigen ambitionierten Sponsoren der Königsblauen gar nicht gut an. Schalke bat zu einer Pressekonferenz, damit Breitenreiter diese und weitere missverständliche Aussagen korrigieren konnte. Am Mittwoch wollte Breitenreiter am Tag vor dem Nikosia-Spiel zu einer Medienschelte ausholen, als es um den ramponierten Arena-Rasen ging. "Wir haben gesehen, dass es kein Schuhproblem ist, wie es in den vergangenen Wochen unterstellt wurde", erklärte Breitenreiter. Was er offenbar nicht wusste: Das Schuh-Thema hatte allein Manager Horst Heldt angestoßen. Aus einer Medien- wurde eine Manager-Kritik.

Fazit: Breitenreiter ist ein junger Trainer, der die Wirkung seiner Sätze offenbar manchmal unterschätzt. Kein Erfolg und fehlerhafte Kommunikation - das ist auf Dauer eine gefährliche Mischung.

4. Kommt der Mainzer Manager Christian Heidel für Horst Heldt?
Noch-Manager Heldt hat zwar angekündigt, seinen Vertrag bis zum Saisonende erfüllen zu wollen. Damit hat er die Manager-Diskussion aber nicht beendet. Denn Schalke benötigt weiter einen Mann, der die kommende Saison plant. Das ist akut vor allem für die Vertragsverlängerung mit dem momentan unverzichtbaren Joel Matip wichtig. Matips Berater Alexander Schütt legte die Verhandlungen auf Eis. "Er will die Entwicklung abwarten", sagte Heldt neulich. Schütt meint damit nicht nur die sportliche Entwicklung. Er will wissen, mit wem er überhaupt verhandeln soll. Eine Entscheidung, ob Wunschkandidat Christian Heidel aus Mainz kommt, muss deshalb schnell fallen.

Fazit: Heldt, Heidel, Mainz und Schalke haben ein Interesse an einer schnellen Antwort. Das weiß Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies, der die Verhandlungen mit Heidel im Alleingang vorbereitete. Tönnies muss im Dezember eine Entscheidung liefern. Kommt die nicht, ist eine unruhige Vorbereitung im Januar 2016 vorprogrammiert. Das wäre ein weiterer Grund, warum der vor allem bei den "Ultras" umstrittene Tönnies im Sommer 2016 um seine Wiederwahl fürchten müsste.

Autor: Andreas Ernst

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