Am Samstag spielt in Duisburg der türkische Verein SV Genc Osman gegen die jüdische Auswahlmannschaft von Makkabi Deutschland.

Genc Osman

Im Zeichen der Völkerverständigung

Miguel Thome
24. Juli 2015, 15:03 Uhr
Foto: Michael Ketzer

Foto: Michael Ketzer

Am Samstag spielt in Duisburg der türkische Verein SV Genc Osman gegen die jüdische Auswahlmannschaft von Makkabi Deutschland.

Dabei steht das Sportliche nicht unbedingt im Vordergrund. Der SV Genc Osman wurde zuletzt mehrfach für seine sozial-integrative Arbeit im Jugendtreff "Respekt" gelobt und ausgezeichnet, unter anderem bedachte der Deutsche Fußballbund das Projekt mit dem DFB-Integrationspreis. Das Jugendzentrum im Keller der Moschee Genc-Osman bietet täglich bis zu 80 Kindern jeder Herkunft einen Rückzugsraum, für viele fungiert es neben einer sportlichen vor allem als gesellschaftliche Heimat. Die Kinder haben dort neben Freizeitbeschäftigungen wie Billiard, Kicker, einer Playstation und natürlich dem Fußballspielen auch die Möglichkeit, ihre Hausaufgaben zu erledigen oder in dem Gründer und Schirmherr, Erkan Üstünay, eine Ansprech- und Vertrauensperson aufzusuchen.

Jetzt setzt der Klub aus dem Norden Duisburgs ein weiteres dickes Ausrufezeichen in Sachen Integration und sorgt für ein Novum. Nach Aussagen von Nissim Beniesch, dem Trainer der jüdischen Auswahlmannschaft von Makkabi Deutschland, sei es das erste offizielle Spiel zwischen einer türkischen und einer jüdischen Fußballmannschaft in Deutschland. "Das ist natürlich eine feine Sache und birgt einen besonderen Reiz", erzählt Beniesch, der mit Vereinen wie Yurdumspor Köln oder dem VfL Rheinbach bereits einige Jahre Oberliga-Erfahrung als Trainer sammeln konnte.

Man kann auch gewinnen, ohne drei Punkte zu bekommen.
Ilyas Basol, Trainer Genc Osman

Der Kontakt kam über den Co-Trainer der Duisburger, Ali Boyacilar, zustande. "Er ist sehr engagiert und privat viel unterwegs", schwärmt sein Kollege und Chefcoach Ilyas Basol, der sich mit seinem Team inmitten der Vorbereitung auf die kommende Bezirksliga-Saison befindet. Das sportliche Geschehen rückt für den Samstag allerdings in den Hintergrund, wichtiger ist nicht, was auf, sondern was neben dem Platz passiert: nach dem Freundschaftsspiel ist noch ein gemeinsames Essen geplant.
"Wir sind sehr, sehr glücklich darüber, ein derartiges Zeichen setzen zu können und zu dürfen. Als ausländischer, stark engagierter Verein steht das Ergebnis für uns an zweiter Stelle. Man kann auch gewinnen, ohne drei Punkte zu bekommen", begeistert sich Basol für die Begegnung und spricht von "Völkerverständigung".

Selbstredend geht der sportliche Wert der Partie neben der Symbolik aber nicht gänzlich unter. Für das Team von Makkabi Deutschland ist es der letzte Test vor den am 27. Juli in Berlin startenden Europäischen Makkabi Spielen 2015, kurz: Makkabiade. Das alle vier Jahre ausgetragene Turnier ist die größte internationale jüdische Sportveranstaltung des Kontinents und ähnlich aufgebaut wie die Olympischen Spiele. Erstmals finden diese nun in Deutschland statt. Bemerkenswert ist mit dem Berliner Olympia-Gelände die Wahl des Veranstaltungsortes, denn dort wurden 1936 die jüdischen Sportlerinnen und Sportler durch die Nationalsozialisten von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. "Das hat eine weiter reichende Bedeutung für uns. Es zeigt, dass wir hier in Deutschland sind und, dass wir gerne hier in Deutschland sind", weiß Urgestein Beniesch, der als Spieler und Trainer an 15 Makkabiaden in 32 Jahren für Makkabi Deutschland teilgenommen hat, um diese Bedeutung. In der Gruppenphase trifft man auf Dänemark, Schweden und Mexiko, das als nicht-europäisches Team dennoch willkommen ist. Ein Highlight stellt das Let's Play Together-Projekt am 2. August dar, in dem DFB-Allstars und Makkabi-Spieler in gemischten Teams aufeinander treffen, unter anderem haben sich Oliver Reck und Oliver Neuville angekündigt.
Die 14. Europäischen Makkabi Spiele finden vom 27. Juli bis zum 5. August in Berlin statt, mehr als 2300 Athleten aus 36 Ländern treten in 19 verschiedenen Sportarten gegeneinander an.

Autor: Miguel Thome

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