Wie der Vater, so der Sohn. Im Hause Klinger ist das nicht anders. Erzeuger Dietmar (49) war bei Rot-Weiss Essen, Sohnemann Mario ist mittlerweile auch dort gelandet, unterschrieb einen Zweijahresvertrag, kommt vom Süd-Regionalligisten Kassel.

RWE: Jetzt zurück auf den heimischen Dachboden

Klinger: "Sofort wieder hoch"

Oliver Gerulat
15. Juni 2007, 15:09 Uhr

Wie der Vater, so der Sohn. Im Hause Klinger ist das nicht anders. Erzeuger Dietmar (49) war bei Rot-Weiss Essen, Sohnemann Mario ist mittlerweile auch dort gelandet, unterschrieb einen Zweijahresvertrag, kommt vom Süd-Regionalligisten Kassel. "Dort war ich zehn Monate", fasst der Defensiv-Allrounder zusammen. In der abgelaufenen Spielzeit absolvierte der 20-Jährige 28 Matches für die Hessen, "nur eines verpasste er wegen Krankheit", erinnert sich der Vater. Zuvor war Mario fünf Jahre beim FC Schalke, wanderte direkt aus der A-Jugend in den Profi-Kader des damaligen Cheftrainers Ralf Rangnick, der dann von Mirko Slomka abgelöst wurde.

"Danach lief es nicht mehr", erinnert sich Dietmar, "so dass sich ein Wechsel anbot." Weil Auftritte in Liga vier - wo er schon einmal auf den defensiven Außenpositionen landete - in der königsblauen Zweitvertretung eher wenig förderlich waren. So dass an einem Freitag in Kassel die Vereinbarung geschlossen wurde, "Samstag lief Mario sofort auf." Der Vater lobt: "Er hat das alles selbst erkannt, er wollte höher spielen, nur stolz auf den schönen Schalker Anzug zu sein, reichte ihm nicht."
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/002/346-2376_preview.jpeg Vater und Sohn Klinger. [/imgbox]
Ab sofort gelten nur noch die rot-weissen Farben. "Vor Kassel standen für mich eigentlich immer nur weite Fahrten mit der Nationalmannschaft an", schunzelt Mario, "jetzt bin ich wieder zuhause." Bei den Eltern in Essen-Stoppenberg, zuletzt nur durch Wochendbesuche beglückt. Mario: "Das ist schon eine Umstellung für mich, in Kassel hatte ich meine eigene Wohnung." Zuhause gehört ihm "der Dachboden, dort hat er satte 50 Quadratmeter, da kommt auch keiner hoch", grinst Dietmar, der als Coach mit dem SV Niederwenigern in die Bezirksliga aufstieg, das Ruder dort aber vor zwölf Monaten an Ex-RWE-Torhüter und "Kumpel" Detlev Schneider übergab.

Der Sprößling: "Ich bin gerne daheim, ich habe zu meinen Eltern ein super Verhältnis. Auch wenn ich bestimmt kein Problem habe, eine eigene Wohnung sauber zu halten." Genau wie in der RWE-Abwehr aufzuräumen. Der Vater, der bei den Kasseler Heimspielen immer dabei war, ist eher pragmatisch: "Soll er doch erst einmal wieder bei uns bleiben, anstatt irgendwo 500 Euro für eine Bude zu zahlen, dafür kann er sich lieber in einem Jahr ein Auto kaufen."

Der Youngster setzt auf die Profi-Karte, nach dem Fachabitur war am Schalker Internat Schicht. "Ich will es probieren." Genau wie der Papa. "Er hat doch die Chance, ist noch jung. Man muss nur erkennen, wann der Absprung wichtig ist." So hatte Dietmar die Möglichkeit, bei der Stadt unterzukommen, "eine Chance, die ich ergriffen habe." Auch Mario blickt über den Tellerrand. "Ich werde mich mit den Club-Verantwortlichen unterhalten, mal schauen, was man nebenbei machen kann." Über Kontakte zu Unternehmen, die gleichzeitig Sponsorpartner sind. Permanent wird der familiäre Ratschlag gesucht: "Ich frage meinen Vater oft, wie er das gemacht hat, schließlich hat er Ahnung vom Fußball. Allerdings haben sich die Zeiten deutlich geändert."

Dietmar, der auch schon mal Scouting-Aufträge für alte Kumpels wie Stefan Kuntz oder Friedhelm Funkel in Angriff nimmt, bestätigt: "Das ist heute deutlich schwerer für einen jungen Akteur. Damals gab es kaum Ausländer, wir hatten bei RWE ständig mindestens drei Jungs dabei, die direkt aus der A-Jugend kamen. Das funktioniert, abgestiegen sind wir auch nicht."
Mario positioniert sich: "Kassel sollte für mich von vornherein ein Sprungbrett sein." Ein langer Verbleib war nicht geplant, auch wenn der KSV alle Register zog, um den Akteur zu halten, selbst die Kapitänsbinde für die kommende Spielzeit wurde ihm zugesichert. Mario: "RWE ist für mich jetzt der nächste logische Schritt, alles muss sich immer um Weiterentwicklung drehen. Ich bin davon überzeugt."

Die Essener Verantwortlichen auch von ihm, sonst hätte man ihn nicht mehrfach beobachtet, sonst wäre ein Olaf Janßen, Essens Sportlicher Leiter, bei den Gesprächen nicht komplett über die Klinger-Spielart aufgeklärt. Zwei weitere Zweitligaangebote gab es, Mario, der früher von seinem Vater bei der Station Polizei SV trainiert wurde, spielte die Karte Hafenstraße. "Ich war bei den Matches gegen Haching und Burghausen dabei. Mensch, das war bitter für mich, als der RWE-Abstieg feststand." Kein Wunder - Dietmar: "Als echter Essener ist das so, auf einen Abstieg wird man doch auch ständig in der Stadt angesprochen. Viele kennen das Gefühl nicht, als ich aktiv war, hatten wir ständig Essener im Kader."
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/002/347-2377_preview.jpeg Sören Pirson (Foto: firo). [/imgbox]
Jetzt sind es - wenn es so bleibt - aktuell zwei "Lokalmatadore": Mario und der neue Keeper Sören Pirson. "Wir sind sogar zusammen zur Schule gegangen", lacht Mario, "er war zwei Jahre über mir." Also alles nicht nur ein Schritt in die Zukunft, sondern auch eine Reise in die Vergangenheit. Zuschauerzuwachs wird der Club auch verzeichnen, schließlich hat der Klinger-Freundeskreis angekündigt, "Dauerkarten und Trikots zu erwerben", feixt Mario, "natürlich mit meinem Namen drauf."

Abzuwarten gilt, ob auch Freundin Stephanie, mit der Mario seit zweieinhalb Jahren leiert ist, auch eines trägt. Rot-weiss angehaucht ist die 21-Jährige, schließlich ist die RWE AG, ein Hauptsponsor, ihr Arbeitgeber. "Für mich ist mein Freundeskreis sehr wichtig", legt sich Mario fest, während Dietmar sich ein Lachen nicht verbeißen kann. "Und zuhause wird die Wäsche gemacht."

Wie gesagt, wie der Vater, so der Sohn. Mario wird alles daran setzten, im Defensivverbund aufzulaufen, dort wo auch Dietmar in 208 Bundesligamatches für Bayer Uerdingen und 231 Zweitliga-Nord-Spielen für RWE und ETB zuhause war. Obwohl - Dietmar: "Ich war auch überall. Gegen Bayern oder Stuttgart war ich im Sturm." Gegen Münchens Norbert Eder und VfBs Karl-Heinz Förster. Andererseits. "Gegen Dieter Hoeneß und Rudi Völler in der Abwehr." Große Namen, die auch für den beidfüßigen Mario ("links arbeite ich intensiv") irgendwann fällig sein sollen. Vier Einsätze in der U19 (zweimal Schottland) und U20 (zweimal Italien) hat er in der Vita.

Die "Sechser"-Rolle ist schon sein Favorit. "Eine Schlüsselposition", lautet seine Definition - nicht falsch. Fähigkeiten in der Luft, am Boden, im Zweikampf sind gefragt, "dazu der konstruktive eröffnende Pass." Sein Fazit: "Man hat immer Einfluss auf das Spiel." Coach Heiko Bonan weiß das auch. "Wir hatten ein Gespräch", bestätigt Mario, "ein junger Trainer, der eine sehr gute Einstellung hat, das Vertrauen war sofort da."

Der bekanntlich nicht unbedingt in Liga drei Wurzeln schlagen will, genau wie Mario. "Man sollte in Essen nicht mehr darüber sprechen, ob der Abstieg hätte vermieden werden können. Das ist durch. Die Atmosphäre der Hafenstraße ist ja legendär. Ich will die Herausforderung, wir sollten nicht rumphilosophieren. Ich bin hier, um sofort wieder hoch zu gehen."

Autor: Oliver Gerulat

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