120 laue Minuten fanden ein dramatisches Ende. Mit 8:7 besiegte Borussia Dortmund am gestrigen Mittwochabend den FC Schalke 04 im Endspiel um den Westfalenpokal und zog damit in die Hauptrunde auf DFB-Ebene ein.

DORTMUND - SCHALKE 04 8:7 i.E / BVB schon wieder Derbysieger

Herrlicher Abschied für Heiko

hb
08. Juni 2007, 10:45 Uhr

120 laue Minuten fanden ein dramatisches Ende. Mit 8:7 besiegte Borussia Dortmund am gestrigen Mittwochabend den FC Schalke 04 im Endspiel um den Westfalenpokal und zog damit in die Hauptrunde auf DFB-Ebene ein. "Wir haben mit 52 Punkten und dem dritten Platz eine gute Saison gespielt. Das war jetzt der krönende Abschluss", strahlte BVB-Coach Heiko Herrlich, der von seinen Spielern nach dem Abpfiff auf Schultern getragen und mit Iso-Getränken geduscht wurde.

"Ich freue mich besonders für die Jungs, die sich dieses Finale verdient haben", lachte der Ex-Profi. Während die Königsblauen in der Bundesliga West noch mit 4:0 in Dortmund triumphiert hatten, jubelten nun die Schwarz-Gelben knapp vier Wochen nach dem Derby-Sieg der Profis über den abermaligen Erfolg gegen den Nachbarn.

Dabei hätten eigentlich die Schalker, wenn einer den Sieg in der schwachen Partie verdient gehabt hätte, nach der regulären Spielzeit oder spätestens der Verlängerung mit einem Grinsen im Gesicht nach Hause fahren müssen. Doch S04-Kapitän Benedikt Höwedes, der ab Sommer dem Profikader angehören wird, sowie Nedim Hasanbegovic scheiterten kurz nach dem Seitenwechsel mit einer ersten Doppelchance. Acht Minuten vor dem Ende später vergab Tayfun Pektürk aus aussichtsreicher Position, auch der eingewechselte David Loheider konnte den Ball im zweiten Anlauf nicht im Netz versenken. Auf der anderen Seite verfehlte Sebastian Tyrala mit einem Freistoß aus 25 Metern knapp den Kasten von Mo Amsif, der von seiner Rippenprellung aus dem Köln-Spiel schon wieder genesen war.

So ging es in die Nachspielzeit, in der Christopher Nöthe zum zweiten Mal in der gesamten Spielzeit gefährlich für die Borussen nach vorne kam. Erneut Loheider verpasste in der 119. Minute nach einer Flanke von Dominique Wassi aus acht Metern die vorzeitige Entscheidung. "Wir haben das Spiel über 120 Minuten dominiert und sind leider gegen eine äußerst defensive gegnerische Mannschaft nicht zum Tor gekommen. Das ist das Einzige, was ich meiner Mannschaft zum Vorwurf machen kann. Ansonsten hat sie eine tolle Leistung abgeliefert", sparte Schalkes Trainer Norbert Elgert trotz der Niederlage nicht mit Lob.

Denn das Nervenspiel entschieden die von über 1.000 Zuschauern angefeuerten Gastgeber für sich. BVB-Torwart Christian Beer war der siegbringende Elfmeter vorbehalten, ehe Schalkes B-Jugendlicher Christopher Nas den Ball über das Netz drosch. "Elfmeterschießen ist nun einmal eine Nerven- und auch Glückssache", atmete BVB-Jugendkoordinator Edwin Boekamp auf. "Vorher war das Spiel eher ausgeglichen mit Vorteilen für Schalke. Schön, dass wir erstmals seit der Reformierung den Westfalenpokal gewonnen haben und so in die Hauptrunde eingezogen sind."

Dortmund: Beer - Lipki (77. Krahn), Heermann, Stratakis, Schmelzer - Nöthe, Dej, Rummenigge, Piossek - Tyrala (108. Schneider), R. Lorenz
Schalke: Amsif - Pachan, Zambrano, Höwedes, M. Lorenz - Gündüz (106. Nas), Latza, Hasanbegovic, Fiore (62. Loheider) - Wassi, Pektürk
Schiedsrichter: Florian Streuer
Elfmeterschießen: Amsif hält gegen Schneider verschießt, Beer hält gegen Höwedes, 1:0 Lorenz, 1:1 Latza, 2:1 Nöthe, 2:2 Pektürk, Amsif hält gegen Rummenigge, 2:3 Pachan, 3:3 Schmelzer, Beer hält gegen Hasanbegovic, 4:3 Heermann, 4:4 Zambrano, 5:4 Stratakis, 5:5 Wassi, 6:5 Dej, 6:6 Loheider, 7:6 Krahn, 7:7 M. Lorenz, 8.7 Beer, Nas schießt übers Tor
Zuschauer: 1.100

Kabinengespräche
Da war der Name Programm. Ganz feucht waren die Augen von Christopher Nas, der den allerletzten Elfmeter über den Dortmunder Kasten gesetzt hatte. "Kein Vorwurf an den Jungen. Alle sind zum Punkt gegangen und haben ihre Sache toll gemacht", war S04-Coach Norbert Elgert trotz der Niederlage positiv auf sein Team gestellt.

Mit "Danke, Heiko" -T-Shirts drückten die BVB-Spieler ihren Wehmut über den bevorstehenden Abschied ihres Trainers Herrlich nach dem Saisonende aus. "Eine ganz starke Aktion der Jungs", freute sich der Ex-Profi, der die BVB-Junioren am morgigen Freitag im finalen Saisonspiel beim Meister Bayer Leverkusen (Heimrecht getauscht) zum letzten Mal betreut.

"Ihr seid Champions!" Das gab Elgert seiner Mannschaft in einer spontanen Rede direkt nach dem verlorenen Elfmeterschießen mit auf den Weg. "Wo kommen wir denn dahin, wenn schon im Jugendbereich nur noch Siege zählen? Die Jungs haben eine ganz großartige Saison hinter sich", betonte der Fußballlehrer.

Auf die teils asozialen Provokationen aus dem BVB-Block hatte Augusto Zambrano eine passende Antwort. Der verletzt am Boden liegende Peruaner wurde von den Fans mit "Steh auf, Du Sau!" verschmäht, worauf Zambrano den Zeigefinger an die Lippe legte. Die Reaktion kam prompt und lautete "Lutscher". Der Schalker Verteidiger ließ sich nicht aus der Fassung bringen und verwandelte später seinen Elfmeter ganz cool.

Faire Geste: Bodo Menze, Nachwuchskoordinator bei den Schalkern, überreichte nachher BVB-Kapitän Marco Dej einen Strauß Blumen - in den Gelsenkirchener Modefarben blau und weiß.

Comeback: Ralf Fährmann, seit vier Monaten mit einem Sehnenriss im Oberschenkel verletzter Jungprofi der Knappen, drückte gestern seiner Schalker Mannschaft, für die er theoretisch noch spielen könnte, die Daumen - vergebens! "Wenn am 25. Juni die Vorbereitung beginnt, dann brennt der Rasen", ist der Keeper heiß auf Fußball.

Autor: hb

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