Im Finale der Handball-Weltmeisterschaft trifft die deutsche Nationalmannschaft heute (16.30 Uhr/live in der ARD) in Köln auf das Team aus Polen.

DHB-Team will sich gegen Polen die Krone aufsetzen

Folgt gegen Polen die Krönung im "Wintermärchen"?

dst1
04. Februar 2007, 09:15 Uhr

Im Finale der Handball-Weltmeisterschaft trifft die deutsche Nationalmannschaft heute (16.30 Uhr/live in der ARD) in Köln auf das Team aus Polen.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft will die WM im eigenen Land heute mit einem Happy-End abschließen und das "Wintermärchen" mit dem Titelgewinn krönen. "Es ist das wichtigste Spiel unseres Lebens. Wir müssen von Anfang an Vollgas geben und werden niemanden unterschätzen", erklärte Rückraumspieler Pascal Hens vor dem Finale heute in Köln gegen den EM-Zehnten Polen (16.30 Uhr/live in der ARD). Das siebte WM-Endspiel mit deutscher Beteiligung seit 1938 steht dabei unter besonderen Vorzeichen - und das in vielfacher Hinsicht.

"Wir wollen eine Rechnung begleichen"

Ausgerechnet gegen die vom Magdeburger Bundesliga-Coach Bogdan Wenta trainierten Polen hat der Gastgeber in der Vorrunde seine bislang einzige Turnier-Niederlage (25:27) kassiert. "Wir haben noch eine Rechnung offen. Die wollen wir begleichen und den letzten Schritt zum WM-Titel machen", kündigte Rechtsaußen Florian Kehrmann voller Zuversicht an.

Der mittlerweile zum Edel-Fan avancierte Bundespräsident Horst Köhler und 19.000 Zuschauer im seit Monaten ausverkauften Tollhaus Kölnarena sollen im zehnten Spiel binnen 17 Tagen erneut der Garant für eine letzte Energieleistung des Ex-Europameisters sein. "Wir werden noch einmal über uns hinauswachsen müssen", meinte Linksaußen Dominik Klein mit Blick auf den möglichen dritten WM-Titel einer deutschen Auswahl nach 1938 und 1978 und verriet: "Wir haben immer im Hinterkopf, dass wir uns unvergesslich machen können."

Mögliches "Double" für Brand

Vor allen Dingen Bundestrainer Heiner Brand könnte mit einem Sieg am Sonntag in die Handball-Historie eingehen. 29 Jahre nach dem WM-Triumph als Spieler würde der Gummersbacher als Erster in seinem Sport das "Double" holen - und das nur wenige Kilometer von seiner Heimat entfernt und vor den Augen seiner gesamten Familie.

Doch Brand lässt das noch kalt. "Das ist so weit weg, da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", behauptete die "Lichtgestalt", die es seinem fußballerischen Idol Franz Beckenbauer gleichtun könnte. Erst der Titel als Spieler, dann als Trainer. "Natürlich wäre es wunderschön, wenn wir es schaffen", meinte Brand.

Brands Schnauzer in höchster Gefahr

Dann würde sich der 131-malige Nationalspieler wie bereits beim EM-Sieg 2004 auch wieder seinen markanten Schnauzer abrasieren lassen. Ein Sponsor hatte dafür 5000 Euro geboten, die Brand an den Handball-Nachwuchs weitergeben will. Durch den "Heimsieg" würde sich die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) zudem direkt für die Olympischen Spiele 2008 in Peking sowie die nächste WM 2009 in Kroatien qualifizieren.

Mit reichlich Regeneration, Massagen und einem leichten Training an den beiden spielfreien Tagen rüsteten sich die Lokalmatadoren für den großen Wurf, der 100.000 US-Dollar in die Mannschaftskasse spülen würde. DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier hatte bereits bestätigt, dass die Prämie komplett an die Spieler weitergegeben wird. Planungen für eine etwaige Sieger-Party gibt es von Seiten des DHB noch nicht.

"Spiel auf Augenhöhe"

Überhaupt warnt Brand vor dem Überraschungs-Finalisten aus Polen, der nach seinem Halbfinalerfolg gegen den EM-Dritten Dänemark (36:33 n.V.) erstmals in einem WM-Finale steht. "Das haben sie sich redlich verdient. Sie müssen also eine starke Mannschaft haben", mahnte der Bundestrainer und erwartet "ein Spiel auf Augenhöhe".

Ihre Lehren aus der bitteren Niederlage gegen die mit acht Bundesliga-Legionären gespickten Polen haben Kapitän Markus Baur und Co. bereits gezogen. Nachdem Brand seinen Schützlingen als Strafe den Auftritt noch einmal per Video vorgespielt hatte, ließen seine Spieler sechs Siege in Serie folgen. "Dieses Negativ-Erlebnis war vielleicht der Knackpunkt. Danach sind wir immer besser geworden", stellte der Hamburger Hens selbstbewusst fest.

Polen selbstbewusst

Doch auch die Polen sind äußerst zuversichtlich. "Wir wollen noch einmal zeigen, dass wir die bessere Mannschaft sind", kündigte Rückraumspieler Marcin Lijewski von der SG Flensburg-Handewitt an. Besonders großen Respekt hat Brand vor dem Magdeburger Karol Bielecki, der im ersten Duell mit den Deutschen sieben Treffer erzielte.

Autor: dst1

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