Fußball-Großmacht gegen Zwergstaat, Weltranglisten-Neunter gegen den 191., Millionäre gegen Amateure:

Löw erwartet `großen Torhunger´

05. September 2006, 14:26 Uhr

Fußball-Großmacht gegen Zwergstaat, Weltranglisten-Neunter gegen den 191., Millionäre gegen Amateure:

Fußball-Großmacht gegen Zwergstaat, Weltranglisten-Neunter gegen den 191., Millionäre gegen Amateure: Die Vorzeichen vor dem zweiten EM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft bei den No-Name-Kickern von San Marino am Mittwoch (20.45/live im ZDF) im gerade mal 5000 Zuschauer fassenden Provinzstadion von Serravalle waren selten so deutlich. `Wir wollen gewinnen, wir werden gewinnen, und wir werden uns nicht blamieren, da bin ich mir sicher´, erklärte ein entspannter Bundestrainer Joachim Löw voller Selbstsicherheit einen Tag vor dem Angriff auf die Tabellenspitze im Urlauberparadies Rimini an der Adriaküste, wo viele Akteure des WM-Dritten am Vormittag bei hochsommerlichen Temperaturen einen ausgedehnten Shoppingbummel unternahmen.
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Trotz dieses Freizeitprogramms in Italiens Touristenhochburg machte Löw aber klar, dass sich die Vorbereitung auf das Spiel gegen den vermeintlichen Prügelknaben der Gruppe D nicht von anderen unterscheidet. Von einem Betriebsausflug könne keine Rede sein. `Es ist so, dass wir jedem Gegner auf unserer Reise durch Europa den nötigen Respekt zollen. Deshalb bereiten wir uns genauso professionell vor wie immer´, sagte der 46-Jährige, der vor dem Abschlusstraining am Dienstagabend im Stadio Olimpico seinem Team noch ein Videostudium verordet hatte. DFB-Chefscout Urs Siegenthaler hatte die wichtigsten Szenen aus der Partie zwischen Belgien und den San Marinesen (8:0) zusammengeschnitten. `Natürlich werden wir uns mit San Marino nicht so ausführlich beschäftigen wie mit Gegnern anderen Kalibers. Aber es gibt schon, einige Dinge, auf die wir achten müssen´, sagte Löw, der einräumte, `dass es nicht so einfach ist, die Spieler emotional auf eine solche Aufgabe einzustellen.´ Das könne man nicht mit der WM vergleichen, `aber ich werde die richtigen Worte finden, damit jeder weiß, um was es geht.´ Durch einen klaren Sieg könnte der dreimalige Welt- und Europameister Tabellenführer Slowakei, der gegen den Zweiten Tschechien spielt, von Rang eins verdrängen. Während der Bundestrainer dem Bremer Mittelfeldspieler Tim Borowski bereits am Dienstag eine Einsatzgarantie gab, da er sich durch `gute Leistungen im Training´ aufgedrängt habe, ließ er andere Personalien noch offen. `Ich weiß noch nicht, wer für Borowski raus muss. Es kann auch sein, dass wir noch weitere Veränderungen vornehmen. Es gibt in diesem Spiel aber keine erste oder zweite Garnitur´, meinte Löw, der möglicherweise Torsten Frings eine Pause gönnt.

Mit veränderter Aufstellung, aber mit dem eingespielten 4-4-2-System wolle man gegen die Gastgeber möglichst schnell in Führung gehen, kündigte der Badener an. `Ich erwarte, dass die Mannschaft einen großen Torhunger entwickelt´, fügte der Bundestrainer hinzu, der von einer möglichen Rekordjagd aber nichts wissen wollte: `In erster Linie geht es um drei Punkte, aber wir wollen uns natürlich vor einem Millionenpubikum vor den Fernsehschirmen gut präsentieren.´ Dass die deutsche Elf möglicherweise im Hinterkopf hat, den bisherigen Rekordsieg von 16:0 gegen Russland beim olympischen Fußball-Turnier 1912 in Stockholm einzustellen oder zu toppen, um sich damit in den Annalen zu verewigen, wurde von den Protagonisten verneint. `An so etwas denken wir nicht´, meinte Bastian Schweinsteiger, der das Match gegen San Marino mit den typischen DFB-Pokalspielen zwischen Kleinen und Großen verglich, in denen der Favorit immer höllisch aufpassen müsse.

Und auch die Rekordmarke von Gottfried Fuchs, der bei dem Kantersieg gegen die Russen zehnmal traf, spielt für die aktuellen Torjäger Miroslav Klose und Lukas Podolski angeblich keine Rolle. `Mit so etwas beschäftige ich mich nicht´, bemerkte Klose, der sich aber ebenso wie Kapitän Michael Ballack am Mittwochabend in die Top Ten der ewigen Torjägerliste der DFB-Auswahl schießen kann. Sowohl England-Legionär Ballack vom FC Chelsea als auch der Fußballer des Jahres von Werder Bremen belegen derzeit mit je 31 Treffern gemeinsam mit Ernst Lehner den 11. Rang. Auf Position 10 steht Klaus Fischer mit 32 Treffern. 54-er Weltmeister Fritz Walter (33) und Ulf Kirsten (34) sind ebenfalls in Reichweite, während der frühere DFB-Kapitän und heutige Teammanager Oliver Bierhoff als Achter mit 37 Treffern wohl kaum eingeholt werden dürfte.

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