Bundestrainer Jürgen Klinsmann will sich nach der Rückkehr aus dem Iran um die neusten Unruhen, vor allem durch Torwarttrainer Sepp Maier, im Umfeld der Nationalmannschaft kümmern.

Klinsmann bleibt noch diplomatisch

cle
09. Oktober 2004, 11:43 Uhr

Bundestrainer Jürgen Klinsmann will sich nach der Rückkehr aus dem Iran um die neusten Unruhen, vor allem durch Torwarttrainer Sepp Maier, im Umfeld der Nationalmannschaft kümmern. "Das ist auf Dauer kein Zustand."

Auf dem Flug in den Iran hat sich Bundestrainer Jürgen Klinsmann diplomatisch zu den neuesten Personalquerelen geäußert. Klärenden Gespräche zur Attacke von Bundestorwarttrainer Sepp Maier gegen Jens Lehmann, zum "Torwart-Krieg" an sich oder den Querschlägern von Werder Bremen in Richtung der neuen Führung der deutschen Nationalmannschaft soll es erst nach der Rückkehr geben.

Absprache mit Bierhoff und Löw

"Wir registrieren alles ganz genau, aber man muss Prioritäten setzen. Nach der Rückkehr aus dem Iran haben wir genug Zeit, um die Dinge bis zum nächsten Länderspiel gegen Kamerun zu klären", erklärte der 40-Jährige, der bekanntlich auch vor unpopulären Entscheidungen nicht zurückschreckt. Dass ihm die Angriffe von Maier gegen Lehmann nicht gefallen haben, ist unverkennbar, konkret will er sich dazu aber noch nicht äußern.

"Ich werde in aller Ruhe mit Oliver Bierhoff und Jogi Löw die Dinge besprechen. Klar ist, das dies auf Dauer kein Zustand ist", sagte der Bundestrainer, der zwar seine beiden wichtigsten Vertrauten mit in die Diskussion einbezieht, sich aber das letzte Wort vorbehält: "Wenn am Ende etwas nicht klappt, muss ich dafür auch den Kopf hinhalten."

Mündige Spieler

Klinsmann versteht sich ohnehin als demokratischer Diktator. Teammanager Bierhoff und Trainer-Assistent Löw sind seine wichtigsten Ansprechpartner, aber auch die Meinung der Profis ist ihm wichtig. "Natürlich bespreche ich mit der Mannschaft alle Dinge und höre mir die Meinung der Spieler an. Das sind alles erwachsene Leute, auch die Jungen. Das Gerede von der Playstation-Generation ist Quatsch. Deshalb will ich wissen, was sie sich vorstellen, ob im Training, Spiel oder organisatorischen Bereich", berichtete Klinsmann. Ein Beispiel: "Hätte die ganze Mannschaft die Fitnesstests mit den amerikanischen Spezialisten als Unsinn abgetan, hätte ich mir sicher meine Gedanken gemacht. Aber genau das Gegenteil war der Fall."

Auch die Entscheidung, während der Länderspiele Hotels mitten in der City zu beziehen oder die improvisierte Stadtrundfahrt in Teheran am vergangenen Freitag habe er zuvor mit dem Team besprochen. "Klinsmann und der gesamte Trainerstab suchen den Dialog. Sie binden die Mannschaft sehr stark ein, was wir als absolut positiv empfinden", sagte Michael Ballack, "und das spiegelt sich auch in der Leistung wieder".

Letztes Wort beim Bundestrainer

Für Klinsmann eine Selbstverständlichkeit: "Ich erwarte ein Feedback von der Mannschaft. Ich will nicht mit aller Gewalt meine Ideen umsetzen, finde es aber gut, wenn ich die Mannschaft mit meinen Argumenten überzeugen kann." Dennoch sagt der Bundestrainer letztendlich, wo es langgeht: "Letztlich entscheide ich. Einer muss schließlich den Kurs bestimmen, dafür trage ich ja auch die Verantwortung."

Autor: cle

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