SGW: "Terra" kann sich keinen besseren Verein vorstellen

tt
03. Januar 2006, 10:57 Uhr

Mike Terranova geht als Kapitän voran und zeigt auch in der schwierigen Situation Flagge. "Ein Wechsel", erklärt der 29-jährige Dribbelkünstler, "ein Wechsel ist für mich kein Thema." Vor wenigen Wochen trat ein Regionalligist aus dem Norden an "Terra" heran, doch der Offensiv-Mann will seine Zelte an der Lohrheide nicht noch ein Mal abbrechen.

Mike Terranova geht als Kapitän voran und zeigt auch in der schwierigen Situation Flagge. "Ein Wechsel", erklärt der 29-jährige Dribbelkünstler, "ein Wechsel ist für mich kein Thema." Vor wenigen Wochen trat ein Regionalligist aus dem Norden an "Terra" heran, doch der Offensiv-Mann will seine Zelte an der Lohrheide nicht noch ein Mal abbrechen.

"Ich wohne in Gelsenkirchen, benötige drei, vier Minuten zum Training. Eigentlich kann ich mir keinen besseren Verein als die SG 09 vorstellen. Ich fühle mich hier richtig wohl und will noch möglichst lange für Wattenscheid auflaufen, am liebsten bis zum Karriere-Ende."

Allerdings weiß auch der Führungsspieler, dass ohne Moos nichts los ist. "Die Hälfte unseres Gehalts ist gestundet worden, nach dem die Probleme mit der Steuer-Nachzahlung bekannt wurden. Wir wollten dem Verein so etwas Luft verschaffen, damit er sich um neue Sponsoren kümmern und die Probleme beheben kann." "Terra" grübelt: "Wenn irgendwann gar kein Geld mehr fließt, müsste man sich natürlich etwas überlegen, aber ich vertraue unserem Vorstand, dass er die Sache in den Griff bekommt. Die Signale sind positiv. Ich glaube nicht, dass es hier den Bach runtergeht."

Für Mike Terranova ist eine angespannte wirtschaftliche Situation bei einem Fußball-Verein kein absolutes Neuland. Vor Jahren in Gütersloh wurde "Terra" Opfer des Konsolidierungs-Konzepts und musste im Winter nach Nordhorn transferiert werden. "Als es nicht mehr lief, bin ich verkauft worden", erinnert er sich, "aber danach ging es in Gütersloh doch weiter. Für mich war der Wechsel deswegen schade, weil ich mitten in der Lehre zum Steuerfachgehilfen gesteckt habe."

Terranova musste abbrechen und in Nordhorn die Sparte wechseln. "Die gleiche Berufs-Richtung konnte man mir bei der Eintracht nicht anbieten, ich habe dann eine Lehre zum Industrie-Kaufmann gemacht." Anschließend ging es über Wuppertal zurück ins Revier, "Terra" half in der vergangenen Oberliga-Saison maßgeblich mit, den Wattenscheider Sprung zurück in die dritte Liga zu schaffen.

"Der Aufstieg war das sportlich Schönste, was ich bisher überhaupt erlebt habe", ist die Jubel-Arie fest im Gedächtnis eingebrannt. Doch nach dem Erfolg musste die SG Wattenscheid in der rauen Regionalliga-Luft einige Nackenschläge verkraften, bis zum Winter sackten die Schwarz-Weißen gefährlich nahe Richtung Gefahrenzone ab. "Dass wir zum Jahreswechsel über dem Strich stehen, ist sicherlich positiv", findet der Kapitän, "aber nach den Verläufen der letzten Spiele kann man sicherlich nicht zufrieden sein." In Zahlen drückt sich das so aus: "Vier, fünf Punkte mehr hätten es schon sein können. Wir haben gegen Emden 2:0 geführt, am Ende nur einen Punkt behalten. Das war schon ärgerlich. Eigentlich hatten wir nur ein Mal richtig Glück, als wir in Köln erst in der Nachspielzeit das 1:1 erzielt haben."

Der Dampfmacher, dessen beste Leistung zu zwei Treffern und einem 2:2-Remis gegen den großen Nachbarn RW Essen führte, stellt fest: "Wir betreiben zu viel Aufwand, müssten an sich viel cleverer sein. Da bin ich auch mit beteiligt, man versucht immer etwas nach vorne zu machen, anstatt sich fallen zu lassen und den Gegner kommen zu lassen. Da müssen wir uns einfach noch schlauer verhalten. Vom Engagement her kannst du bei uns niemandem einen Vorwurf machen. Das ist wirklich vorbildlich."

Für Mike Terranova ist die neue Rolle als Spielführer kein zu schweres Bündel, was er mit durch die Saison schleppt. Trainer Georg Kreß wollte durch die Maßnahme erreichen, dass "Terra" noch mehr Präsenz zeigt, noch deutlicher in Erscheinung tritt. "Mich ehrt das Kapitäns-Amt", sagt der Techniker, "ich empfinde das nicht als Belastung, es beflügelt mich eher." Was seine eigene Formkurve anbelangt, zeigt sich der ehemalige WSVer selbstkritisch: "Zum Ende des Jahres war meine Leistung wieder besser, aber insgesamt fehlte die Konstanz. Bei uns war insgesamt das Problem, dass immer verschiedene Leute gut drauf waren und wir nicht über Wochen hinweg auf einem Level gespielt haben."

Autor: tt

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