RWE-Vertrauen für Coach Pleß - Kontnys Chance & Harrys Tanz!

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14. Juni 2003, 20:21 Uhr

Frust macht nicht blind! So scheint es bei Rot-Weiss Essen. Die Verantwortlichen erkannten in den Strukturen das Defizit, man reagierte und schuf den Posten des Sportlichen Leiters.

Frust macht nicht blind! So scheint es bei Rot-Weiss Essen. Die Verantwortlichen erkannten in den Strukturen das Defizit, man reagierte und schuf den Posten des Sportlichen Leiters. Auf der Besetzungscoach nahm Newcomer Frank Kontny Platz. Garantiert ist: Der Mann sieht seine Chance, Ehrgeiz dürfte Programm sein. Das Bindeglied ist da, Rückenstärkung für Coach Harry Pleß, gleichzeitig Kontrollfunktion für den Vorstand. Garantiert ist auch: Kontny ist den Verantwortlichen schon länger bekannt, macht keine Sprüche und hat normalerweise wenig Drang, im Mittelpunkt glänzen zu wollen und dürfte somit keinen Gremiumsvertreter charakterlich hinters Licht führen. Die Bosse dürften nicht wie beim letzten Versuch mit dem Namen Michael Scheike in den Mist gepackt haben. Kontny muss jetzt daran arbeiten, mit Anrufen bei anderen Clubs und Spielern nicht in der Warteschleife zu landen, sondern sofort nach oben durchgestellt zu werden. Marke: "RWE, hallo Herr Kontny, was können wir für Sie tun."
Die Verantwortlichen hatten die Chance, ein komplett neues Gerüst zu schaffen. Die Fraktion "Pro Pleß" setzte sich durch. Intern wurde sich heftig angegangen, Einigkeit besteht bei dieser Frage keineswegs, schwelende Konflikte entwickelten sich zum kräftigen Zoff-Brand, wie der Rücktritt des Aufsichtsrats Manni Sander beweist. Erfolg eint, Misserfolg dividiert auseinander - dazu kommen die Emotionen des Sports. Schulterschluss mit Pleß, wichtig in einer solchen Situation für das Image des Clubs, dass saubere Vereinsarbeit bewahrt bleibt. Kein Sponsor will Theater in den Medien dokumentiert sehen - Stichwort: Imagetransfer. Personal-Entscheidungen - Einstellungen oder Entlassungen - sind Aufgabe des Vorstands, Druck aus dem Aufsichtsrat ist unakzeptabel und nicht im Sinne dieses Gremiums.
Das Team-Gerüst soll weiterhin eine Oldie-Schiene bilden: Heiko Bonan, als zukünftiger Kapitän, Achim Weber sowie der dänische Ex-Nationalspieler Bjarne Goldbaek stehen fest. Darüber kann man streiten. Fakt: Es kann nicht sein, dass die Leistung und der körperliche Zustand eines bald 38jährigen Bonan - die Einstellung steht außer Frage - über Wohl und Wehe des Teams entscheidet, das gilt auch für einen Weber. Genau in dieser Hinsicht muss jetzt der Kader zusammen gestellt werden. Allerdings ist auch Fakt: Erfahrung braucht eine Mannschaft.
Pleß weiß nur zu genau Bescheid. Zweimal ist er hauchdünn im Aufstiegsrennen gescheitert. Wie eng es war, welche Umstände eine Rolle spielten, interessiert jetzt keinen Menschen, auch in der Zukunft wird sich daran keiner erinnern. Die Blicke werden auf dem Fußball-Lehrer nicht ruhen, sie werden auf ihm lasten. Ein zweites Mal wird sich RWE intern nicht leisten können, bei drohendem Misserfolg diese Position nicht anzutasten.
Es wird für Pleß ein Tanz auf der Rasierklinge werden. Die Liga powert - Beispiel Paderborn -, einige Clubs gehen ein Risiko ein, das sich eigentlich überhaupt nicht stemmen lässt. Auf dieses "Va Banque-Spiel" kann man sich einlassen und versuchen, sich wie Osnabrück mit allen Mitteln an die gefüllteren Fleischtöpfe der Zweiten Liga zu retten. Für die, die es nicht schaffen, besteht dann die Gefahr einer Komplett-Diät. Im übrigen: Osnabrück hat die Lizenz noch nicht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Autor: og

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