Doll wird trotz Krise nicht "angst und bange"

09. September 2006, 19:58 Uhr

Den Bundesliga-Saisonstart verpatzt, im DFB-Pokal heftig blamiert, und auch in der Champions League droht
dem Hamburger SV in dieser Verfassung gegen den letztjährigen
Finalisten FC Arsenal Unheil:

Die Mannschaft von Trainer Thomas Doll ist nach zuletzt drei sieglosen Bundesligaspielen in Serie und
dem selbst verschuldeten 3:4 (2:3/3:3) nach Verlängerung gegen den
Regionalligisten Stuttgarter Kickers in der ersten Pokalrunde vor
dem Auftakt in der `Königsklasse´ am Mittwoch in eine tiefe Krise
gestürzt.
`Wir waren viel zu arrogant. Das hatte nichts mehr mit Fußball
zu tun. Wir haben unsere Chancen leichtfertig vergeben, und niemand
hat in der zweiten Halbzeit Verantwortung übernommen. Da muss man
sich nicht wundern, wenn man noch den Ausgleich bekommt´, meinte
ein erboster Doll. Die Hanseaten, die gegen die Kickers 1987 das
Finale mit 3:1 gewonnen hatten, scheiterten damit im DFB-Pokal
bereits zum vierten Mal gegen einen Drittligisten: In der Spielzeit
1974/75 1:2 beim VfB Eppingen, zehn Jahre später 0:2 beim SC
Geislingen, 2004 2:4 im Skandalspiel beim SC Paderborn und nun bei
den Kickers.
Vehement bestritt Doll allerdings, dass seine über weite
Strecken völlig lethargisch auftretende Mannschaft bereits die
Partie gegen Arsenal im Kopf gehabt hätte: `Von meinen Spielern
hatte keiner der Champions League im Hinterkopf.´ Verteidiger
Bastian Reinhardt, der wie sein Defensivkollege Joris Mathijsen
einen rabenschwarzen Tag erwischte, wollte die Pleite gegen den
Tabellenführer der Regionalliga Süd ebenfalls nicht überbewerten:
`Uns wird nicht angst und bange, wenn wir an Arsenal denken. Nach
dem 0:2 sind wir sensationell zurückgekommen. Aber wir haben die
nötige Konsequenz halt in der Kabine gelassen.´
Dass am Mittwoch nicht ein Angreifer wie der zweifache
Stuttgarter Torschütze Christian Okpala, sondern der französische
Star-Angreifer Thierry Henry auf das Doll-Team wartet, scheint dem
HSV trotz einer derzeit wackeligen Hintermannschaft mit einem
unsicheren Keeper Sascha Kirschstein nicht zu beunruhigen. `Das
wird natürlich ein anderes Spiel. Ich werde gegen Arsenal eine
starke Mannschaft aufs Feld schicken´, meinte Doll.
Während der HSV die Pleite so schnell wie möglich vergessen
wollte, feierten die Kickers die erfolgreiche Revanche für die
Erstrunden-Niederlage im Vorjahr noch bis in die Abenstunden. Dabei
waren die Stuttgarter nach dem frühen 2:0 durch Recep Yildiz (5.)
und Christian Okpala (6.) bis zur Halbzeit durch die HSV-Treffer
von Boubacar Sanogo (28.), Danijel Ljuboja (36.) und Guy Demel (44.
) bereits auf der Verliererstraße. Der Last-Minute-Treffer von
Yildiz (90.) und der verwandelte Foulelfmeter von Okpala (96.) in
der Verlängerung versetzte die 10.500 Fans im Stadion noch in
Ekstase.
`Was hier in der Verlängerung abging, das war der Wahnsinn´,
meinte der völlig aufgelöste Kickers-Coach Robin Dutt. Überraschen
konnte der starke Auftritt der Schwaben aber nicht wirklich, denn
auch in der Regionalliga legten die Stuttgarter mit 16 Punkten aus
sechs Spielen einen Traumstart hin. `Der Schlüssel zum Sieg war
mein geiles Tor zum 3:3. Als der Ball im Netz war, habe ich
gedacht, ich träume´, sagte Doppeltorschütze Yildiz.

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