Erstmals in der Bundesligageschichte wurden keine Karten an Gästefans verkauft. Mehr als 1.000 Kölner sollen aber im Besitz von Hoffenheim-Tickets sein.

Trotz "Auswärtsverbot"

Über 1000 Kölner in Hoffenheim

Maik Thesing
07. April 2010, 16:02 Uhr

Erstmals in der Bundesligageschichte wurden keine Karten an Gästefans verkauft. Mehr als 1.000 Kölner sollen aber im Besitz von Hoffenheim-Tickets sein.

Für die Langenfelderin Silvia Krüger waren die Meldungen vom 23. März nur ein vorübergehender Schock. Seit dem 23.8.1989 hat die 44-Jährige kein Pflichtspiel der Geißböcke mehr verpasst – eine Serie, die kein anderer Anhänger des Klubs vorweisen kann. Nun verdonnerte das Sportgericht des DFB sie zum Zuschauen: Für die Begegnung in Hoffenheim wird es keine Karten für Gästefans geben, lautet das Urteil. Weil die Kölner Anhänger gleich bei mehreren Spielen dieser Saison „auffällig“ waren, soll am kommenden Samstag der Gästeblock leer bleiben.

„Um 15.04 hat mir ein Kollege die Meldung geschickt“, erklärt die Verwaltungsangestellte der Stadt Leverkusen (!), „um 15.13 Uhr hatte ich meine Karte.“ 29 Euro habe die gekostet, 12 Euro sei der eigentliche Wert. „Für einen Stehplatz in der Hoffenheimer Kurve“, erklärt Krüger. „Ich werde nicht als Kölner Fan zu erkennen sein und während des Spiels auch den Mund halten.“ Für sie wäre nichts schlimmer, als erstmals seit 21 Jahren eine FC-Begegnung zu verpassen.

So haben es noch viele weitere Fans gehandhabt. Während des Spiels gegen Hertha geisterten Zahlen über die Ränge. „Locker 1.000“ hörte man dort, „1.200“, meint Krüger. Und sie haben tief in die Tasche gegriffen. Zwischen 50 und 60 Euro ließen sie sich die Karten während der letzten zwei Wochen kosten, nun, in der Woche vor dem Spiel, fällt der Preis sogar wieder.
Möglich machen dies eine Reihe von Kartenagenturen, die es mittlerweile im Internet gibt - mal mehr, mal weniger seriös, mal autorisiert, mal Schwarzhandel. In jedem Fall ist in den letzten Jahren ein Parallelmarkt für Tickets entstanden, der nicht nur die Maßnahmen der Verbands-Rechtsprechung aushebelt, sondern sie sogar ins Gegenteil verkehrt. Im ganzen Stadion verteilte Gästefans sind schließlich weitaus schlechter zu kontrollieren, als solche, die in wenigen Blöcken zusammengeführt werden.

Im der Vorsaison waren noch 3.500 Kölner nach Sinsheim angereist. Lautstarke Pöbeleien gegen Hoffenheim-Gönner Dietmar Hopp sorgten seinerzeit für ein mediales Nachspiel und eine Distanzierung des 1. FC Kölns von seinem Anhang. Insofern glauben viele, dass es den Beteiligten „ganz gut in in den Kram passt“, die Maßnahme der Komplett-Aussperrung erstmals bei genau dieser Begegnung anzuwenden. Damit aber nicht genug der Mutmaßungen: Hinter vorgehaltener Hand wird geäußert, Manager Michael Meier hätte dem Urteil gerne zugestimmt. Schließlich spielt zeitgleich die Regionalliga-Vertretung und fast zwangsläufig wird hier die eine oder andere Eintrittskarte mehr verkauft werden. Das Spiel gegen Waldhof Mannheim wurde bereits, wenn auch mit Hinweis auf die Sicherheitsüberlegungen, vom beschaulichen Franz-Kremer-Stadion auf dem Klubgelände in die Müngersdorfer Arena verlegt.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass für das Fehlverhalten weniger eine ganze Fanszene bestraft wird, sich aber nur teilweise betrafen lässt. Auswärts-Dauerkarteninhaber wie Carsten Ruthe aus Herne-Holthausen erhielten einen frankierten Rückumschlag mit der Aufforderung, ihr Ticket zurückzusenden. Auch er hatte einen anderen Umschlag mit einer neuen, teureren Karte im Briefkasten und wird am Samstag auf der Gegengeraden sitzen. Seine Voraussage: „Es würde mich nicht wundern, wenn in einer ruhigen Minuten im ganzen Stadion Leute aufstehen und kölsche Lieder singen.“

Autor: Maik Thesing

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