Ein Akteur wird nicht für eine Auswahl berücksichtigt - offenbar eine mächtig erschütternde Tatsache. Christian Wörns spielt in den Planungen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann keine WM-Rolle mehr, dem Akteur passt das nicht, er keilt kräftig gegen den Coach aus. Das ist die Ausgangslage.

BVB: Wörns-Fall spaltet - Wann explodiert Lehmann?

OG
04. März 2006, 11:53 Uhr

Ein Akteur wird nicht für eine Auswahl berücksichtigt - offenbar eine mächtig erschütternde Tatsache. Christian Wörns spielt in den Planungen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann keine WM-Rolle mehr, dem Akteur passt das nicht, er keilt kräftig gegen den Coach aus. Das ist die Ausgangslage.

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Ein Akteur wird nicht für eine Auswahl berücksichtigt - offenbar eine mächtig erschütternde Tatsache. Christian Wörns spielt in den Planungen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann keine WM-Rolle mehr, dem Akteur passt das nicht, er keilt kräftig gegen den Coach aus. Das ist die Ausgangslage. Verstehen kann man die brodelnde Magensäure des Routiniers ohne Zweifel, schließlich mutet die Argumention von Klinsmann dürftig an. Einmal soll Leistung ausschlaggebend sein, die Wörns zweifelsfrei brachte und bringt, Spielpraxis soll entscheidend sein, die der Dortmunder auch hat. Beides Aspekte, die Christoph Metzelder und Robert Huth nicht reklamieren können und sich - durchaus peinlich berührt - um Statements winden. Ähnlich wie Ex-Bundeskanzler Konrad Adenauer interessiert "Klinsi" sein "Geschwätz" von gestern nicht mehr, oder wie Wörns sagte: "Gesabbel". Wie auch immer...
Klar ist, es wäre für Wörns, 34 Jährchen auf dem Buckel, das letzte große Turnier gewesen, weshalb sein Zorn nachvollziehbar erscheint. Nach dem verbalen Auskeilen allerdings von Rücktritt zu sprechen, ist genau so lächerlich, weil es den kaum geben wird, schließlich wurde ihm die Tür vor der Nase zugeknallt.
Eine facettenreiche Diskussion, die schon am Sonntag-Morgen während des passend "boulevaresk" dominierten DSF-Stammtisches Kapriolen schlug. Trainer-Ikone Udo Lattek fing fast jeden Satz bei Charakterstudien mit den Worten "ich kenn ihn nicht gut, aber..." an, oder startete Lageanalysen mit der Wortwahl "ich weiß es nicht genau, aber...". Trotzdem erklärte der "alte Wolf" Moderator Jörg Wontorra die weite Fußball-Welt. Die sich medial nicht jedem erschließt, einige Chronisten standen Anfang der Woche der Diskussion hilflos gegenüber, weil sie zu keinem der Pole Zugang hatten.
Was man dann schon einmal - offenbar tief betroffen und hochgradig beleidigt - in Kollegenschelte ausarten ließ, Nachfragen zum Beispiel bei Wörns als Fähnlein im Wind auslegte, einem Wörns "beste Kontakte" vorwarf. Übersetzt: Meinungsmache durch Instrumentalisierung der journalistischen Feder. Letztendlich hat sich Wörns jede lobende mediale Erwähnung in den letzten Wochen verdient, sein Fehler war, nicht die Faust in der Tasche geballt zu haben oder wie der Schalker Kevin Kuranyi - ein temporärer Schicksalsgenosse - jedes Mikro mit inhaltslosem Blick zu bedienen. Wenn man böse wäre, könnte man vermuten, Wörns ist Klinsmann voll in die gestellte Falle gelaufen, der ihn gewissermaßen bis auf das Blut reizte, so dass Wörns explodierte und verbal auch entgleiste.
Wer hat wirklich daran geglaubt, ein Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack und ein Oliver Kahn würden sich wirklich für Wörns stark machen. Eine revolutionäre Theorie, die beim Stammtisch breitgetreten wurde, Gedanken an die Beckenbauersche WM 1974-Muskelspiele erwachen ließ und für Klinsmann, ohnehin ob seiner nachvollziehbar notwendigen Strukturumwälzungen in multiplen Visieren erfasst, schon ansatzweise eine Art Abschuss-Szenario durch kickende Machtergreifung prognostizierte. Kahn und Ballack distanzierten sich mittlerweile - natürlich - vom Kollegen. Denken wir doch einmal weiter: Was wohl Torhüter Jens Lehmann sagen wird, wenn Kahn am 9.Juni in der Münchner Allianz Arena beim Eröffnungsspiel gegen Costa Rica im Kasten steht und nicht der - im Vergleich zu Wörns - schon lange auf kleiner Flamme geröstete Akteur von Arsenal London. Und mal im Ernst, wer zweifelt wirklich daran?

Autor: OG

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