Beim BVB sollte er 2016 durchstarten und irgendwann seiner Reputation als

"Charakterliche Bedenken"

Der rasante Absturz von Ex-BVB-Talent Emre Mor

Chris McCarthy
16. Januar 2020, 19:55 Uhr

Foto: dpa

Beim BVB sollte er 2016 durchstarten und irgendwann seiner Reputation als "türkischer Messi" gerecht werden. Vier Jahre später wird Emre Mor von einem Zweitligisten abgewiesen. Wie konnte es dazu kommen?

Durch rasante Tempodribblings, einen feinen linken Fuß und eine große Portion Spielwitz erntete Emre Mor den Spitznamen "türkischer Messi". Schon als 18-Jähriger reiste er im Sommer 2016 mit der türkischen Nationalmannschaft zur Europameisterschaft und absolvierte zwei Spiele. Mor schien eine Bilderbuchkarriere bevorzustehen.

Eines dieser Kapitel sollte in Dortmund erzählt werden. Direkt nach der EM wechselte der in Dänemark geborene Sohn türkischer Eltern für knapp 10 Millionen Euro vom FC Nordsjaelland zum BVB. Damals kommentierte Sportdirektor Michael Zorc den Transfer mit den Worten: „Emre Mor ist ein hochveranlagter und in der Offensive vielseitig einsetzbarer junger Spieler mit riesigem Entwicklungspotenzial." 

Schon bald wurde klar, dass diese Entwicklung Geduld erfordern würde. Das erkannte auch der damalige Trainer Thomas Tuchel: "Er muss den ganzen Beruf auf dem höchsten Niveau erst einmal lernen". Es war ein erstes Warnsignal für Mor, der 2016/2017 nur 18 Mal in allen Wettbewerben zum Einsatz kam und sein Talent dort nur phasenweise aufblitzen lassen konnte. 

Nach nur einem Jahr war Mors Geduld offenbar überstrapaziert, sodass er einen Wechsel forcierte. Der BVB legte ihm keine Steine in den Weg, machte bei seinem Verkauf an den spanischen Klub Celta Vigo sogar ein Transferplus in Höhe von 3 Millionen Euro. 

In Spanien wurde schnell klar, wieso der BVB dem Abgang des so hoch gepriesenen Technikers nicht sonderlich nachweinte. 

"Er lügt uns alle immer wieder an"

Schon bald sorgte Mor bei Celta Vigo für Schlagzeilen, allerdings für keine sportlichen. In seinen zwei Spielzeiten bei den Nordspaniern stand er 39 Mal auf dem Rasen, erzielte einen Treffer und bereitete drei weitere vor. 

Abseits des Platzes dagegen häuften sich die Meldungen über Verspätungen und Auseinandersetzungen mit Mitspielern, ehe er im Januar 2019 sogar suspendiert wurde. Daraufhin strebte Mor im Sommer 2019 einen erneuten Tapetenwechsel an, allerdings in Eigenregie.

Der mittlerweile 22-Jährige initiierte offenbar ohne das Wissen seines Beraters Transferverhandlungen mit den Istanbul-Klubs Galatasaray und Besiktas. Dabei behauptete er, trotz Vertrag bis 2022 bei Celta Vigo, ablösefrei zu sein. Sein Berater Erik Alonso erklärte damals gegenüber Radyospor: "Er lügt uns alle immer wieder an. Das war ein völlig inkonsequentes und unprofessionelles Handeln." 

Mor erhielt dennoch seinen Wunsch und schloss sich bis Saisonende Galatasray Istanbul per Leihe an. Doch auch hier wusste er nicht zu überzeugen, steuerte in 17 Spielen keinen einzigen Scorerpunkt bei und fiel, wenn überhaupt, durch brotlose Kunst auf. Seit diesem Winter versucht der türkische Klub, das Arrangement vorzeitig zu beenden.

Charakterliche Bedenken

Da Mor auch bei Celta Vigo nicht erwünscht zu sein scheint, dürfte der einzige Ausweg ein erneuter Wechsel sein. Medienberichten zufolge besteht auch Interesse an seinen Künsten, vor allem aus der englischen zweiten Liga.


Wie die dänische Zeitung BT berichtet, hat einer dieser Interessenten, der Drittplatzierte Brentford, allerdings bereits Abstand von einer Verpflichtung genommen. Demnach habe die dänische Connection des englischen Klubs, bestehend aus Trainer Thomas Frank und einer Handvoll Spieler, nach Recherchearbeit charakterliche Bedenken geäußert. Jegliche Bemühungen um einen Transfer wurden eingestellt. 

2020 sind es nämlich leider nicht mehr die Tempodribblings, der feine linke Fuß oder der Spielwitz, die die Fußballwelt mit Emre Mor in Verbindung bringt. 

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Kommentieren

17.01.2020 - 16:26 - Vok

Klingt nach einem Berufsschüler in einer Ausbildungsvorbereitenden Maßnahme....

17.01.2020 - 10:04 - Tief_im_Westen

Er liegt nicht am Boden, er hat sogar den nächsten dummen Verein gefunden. So ganz nebenbei ist es Eigenverschulden oder soll man ihm jetzt die Müdigkeit absprechen? Berater, Vereine, Freunde haben ihm alle gesagt, dass das nicht funktioniert, er wusste es besser.

17.01.2020 - 09:45 - RWO84

Das er am "Boden" liegt ist doch absoluter quatsch. Man erntet was man säht^^

17.01.2020 - 08:35 - Kuk

Berichte, die auf am Boden liegende Menschen draufhaut, widern mich an.

16.01.2020 - 20:56 - Tief_im_Westen

Talent ist das eine, Hirn und Demut das andere. Hätte er in seinem Leben nur drei Sekunden die wenigen Synapsen genutzt, wäre er heute sicher eine große Nummer. Er ist aber lieber abgehoben und lebt in seinem Paralleluniversum. Irgendwann werden wir sicher von Drogen, Alkohol oder kriminelle Machenschaften lesen, weil er irgendwann keine Station mehr findet und er hart in der Realität landet. Selbst schuld.