06.01.2017

Herne

Wer kann Westfalia die Hallenkrone streitig machen?

Foto: Stefan Bunse

Deutschland ist Fußballland, und hier im Revier liegt sein Zentrum. Doch die Versuche, das Fußballfieber im Winter auch unters Hallendach zu verfrachten, sind mehr oder minder gescheitert.

Die Profis haben längst andere Märkte entdeckt, die es zu bedienen gilt, und auch bei Amateuren und Jugendlichen hat der Budenzauber an Reiz verloren. Geblieben sind vielerorts nur die besten Turniere – so wie das Manfred-Gall-Gedächtnisturnier des SV Sodingen, das an diesem Wochenende bereits zum 28. Mal ausgetragen wird und als inoffizielle Herner Hallenfußball-Stadtmeisterschaft gilt.

Zwei Tage lang wird die Westringhalle zum Sammelplatz der heimischen Fußballszene, treffen sich Fans und Ehemalige zum kurzen Plausch bei Bier und Bockwurst, während unten in der Halle die Aktiven aus 16 Vereinen fleißig die Netze ausbeulen. Rund 17 Stunden rollt die Kugel, und bis am Sonntag gegen 17.15 Uhr der Sieger feststeht, werden erfahrungsgemäß etwa 150 Tore gefallen sein.

Erstmals seit einigen Jahren sind diesmal wirklich alle Herner Topteams am Start – beide Westfalenligisten, beide Landesligisten und alle fünf Bezirksligisten. Komplettiert wird das Feld durch fünf starke A-Ligisten und zwei B-Ligisten, die sich als gute Nachbarn des Ausrichters ihre Einladung verdient haben.

Der Sieger kann einen Scheck über 750 € und den Wanderpokal mit nach Hause nehmen, Platz zwei wird mit 400 €, Rang drei immerhin noch mit 300 € honoriert. Der beste Feldspieler darf sich über 100 Euro, der bestc Torwart über ein neues Paar Handschuhe freuen.
Aber es geht nicht nur um attraktive Preise, es geht auch ums Prestige. Das weiß auch Tim Eibold, Sportlicher Leiter des Ausrichters, der sein eigenes Turnier nur 1996 und 1997 gewinnen konnte und nach 20 Jahren eigentlich mal wieder dran wäre. „Unser Ziel ist es schon, das Finale zu erreichen, auch wenn es sehr schwer wird“, macht Eibold die Sodinger Ambitionen deutlich. Und wenn man dann im Finale stehen sollte? „Dann wollen wir es natürlich auch gewinnen“, so Eibold.
Doch da werden einige andere etwas dagegen haben. Zum Beispiel Christian Knappmann, der Trainer des Titelverteidigers SC Westfalia. „Wir freuen uns auf das Turnier und nehmen es sehr ernst. Wir wollen erneut für Furore sorgen. Schließlich sind wir Titelverteidiger, und die Stadtmeisterschaft ist immer eine prestigeträchtige Angelegenheit“, betont der SCW-Coach. Was ihn allerdings nicht daran hindert, an diesem Wochenende zwei weitere Hallenturniere zu beschicken: Am Samstag misst sich der SCW in Osnabrück auf Kunstrasen unter anderem mit dem Drittligisten SF Lotte sowie den U23-Teams von Werder Bremen, VfL Osnabrück und AZ Alkmaar, am Sonntag spielt Westfalia beim Hallenturnier in Erle.

Knappmann teilt den Kader auf

Für Knappmann ist das kein Problem. Er hat einen großen Kader, und fast alle Spieler sind so heiß auf Hallenfußball wie er selbst. Für Osnabrück hat er einige ausgewiesene Hallenspezialisten nominiert, die dann am Sonntag das Unternehmen Titelverteidigung am Westring zu Ende bringen sollen. Dass seine Jungs auch ohne Ferati, Zaskoku, Onucka und Co. die Vorrunde in Herne überstehen, steht für Knappmann außer Zweifel. Schließlich scheidet aus jeder Vierergruppe nur der Letzte aus.

Als ärgster Widersacher des SCW im Kampf um den Turniersieg gilt neben dem Ausrichter der zweite heimische Westfalenligist, der DSC Wanne-Eickel. Im Vorjahr nicht dabei, will der Sieger von 2014 diesmal wieder an frühere Erfolge anknüpfen, ohne dabei ins Risiko zu gehen. Langzeitverletzte wie Dieckmann, Sprenger, Preissing oder Stondzik kommen für einen Einsatz in der Halle noch nicht in Frage. „Wir schicken die Jungs ins Rennen, die auch beim Mitternachtscup einen guten Ball gespielt und nur um ein Tor den Gruppensieg verpasst haben“, kündigt Trainer Holger Flossbach an.

Die heutige Vorrunde sollte der DSC ebenso wie alle übrigen Mitfavoriten überstehen können. Auch in der Zwischenrunde am Sonntagmorgen (ab 10.30 Uhr), die in vier Dreiergruppen ausgetragen wird, lässt sich ein Ausrutscher noch verschmerzen. Richtig ernst wird es dann aber in den K.o.-Spielen (ab 14.30 Uhr). Tim Eibold wünscht, dass dann auch noch die eine oder andere Überraschungsmannschaft im Rennen ist. „Das ist doch das Salz in der Suppe, wenn ein Außenseiter die Großen ärgert“, hofft der Sportliche Leiter des SVS auf einen spannenden Turnierverlauf.

Autor: Wolfgang Volmer

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