26.01.2013

Brocker über Schalke

„Früher war es leichter, Meister zu werden“

Die Zeit hat deutlich ihre Spuren hinterlassen an Günter Brockers Meisterring. Doch trotz der vielen Kratzer hat Brocker nicht vor, ihn abzulegen.

Schließlich zeugt er von der letzten Deutschen Meisterschaft einer Schalker Mannschaft. 1958 war das. Doch Brocker erinnert sich an seine Zeit als Schalker Spieler noch immer, als ob sie erst gestern zu Ende gegangen wäre.

Günter Brocker, waren Sie ein Pionier?

Ich war zu meiner Zeit jedenfalls eine neue Art Außenverteidiger. Man kannte nur den defensiven Knüppler, der dem jeweiligen Gegenspieler durch kraftvollen Einsatz den Schneid abkaufte. Ich war aber einer, der neben der Deckungsarbeit sehr viel für die Offensive tat. Deswegen bin ich später auch viel als Mittelläufer und Außenläufer eingesetzt worden.
[infobox-right]Zur Person Günter Brocker (* 24. Mai 1925 in Duisburg) wechselte 1952 vom Duisburger FV 08 zum FC Schalke 04, mit dem er 1958 Deutscher Meister wurde. Nach seinem Karriereende arbeitete Brocker als Trainer für den 1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen, Schalke 04 und Rot-Weiß Oberhausen. Heute lebt er mit seiner Frau in Duisburg.[/infobox]
So wurden Sie im Alter von 27 Jahren für Schalke interessant.

Damit war wirklich nicht zu rechnen. Es gab kein Radio, kein Fernsehen – wir hatten in Duisburg überhaupt keine Ahnung über die fußballerischen Zustände in Dortmund und Gelsenkirchen. Über das Geschehen in Westfalen waren wir vollständig uninformiert. Wie Schalke da auf mich aufmerksam wurde, habe ich bis heute nicht ganz rausbekommen.

Haben Sie denn einen Verdacht?

Unser Trainer Willy Busch wurde in Duisburg sehr unfreundlich verabschiedet, nicht seinen Leistungen und schon gar nicht seinem Namen entsprechend. Es kann sein, dass er sich gedacht hat: „Das zahle ich euch zurück und hole euch die besten Fußballer weg.“ Das habe ich mir so zusammengereimt, aber ich habe nie danach gefragt.

Wie lief denn die Kontaktaufnahme zu Schalke ab?

Eines Tages standen Ernst Kuzorra und Hermann Eppenhoff vor meiner Tür. Kuzorra war der absolute Weltstar, jedenfalls für alle Deutschen. Er rangierte auf einer Ebene mit Fritz Walter. Damals war er so etwas wie der Heiland. Ich war total ehrfürchtig, aber er meinte nur: „Ab heute bin ich für dich der Ernst.“ Dass der in meiner Wohnung stand, hat mir verständlicherweise niemand geglaubt. Aber er war da. Und ich habe sofort zugesagt, obwohl es da ein Problem gab.

Was war es?

Ich hatte schon beim Meidericher SV unterschrieben. Wie die sich haben erwärmen lassen, mich freizugeben, weiß ich bis heute nicht. Aber wahrscheinlich reichte es, dass Kuzorra ihnen ein Freundschaftsspiel in Aussicht stellte. Und Duisburg 08 hat 8.000 Mark für mich bekommen. Das war schon viel Geld. Der Star des Vereins hatte damals schließlich für drei Biermarken gespielt.

Wie hat es sich angefühlt, vom kleinen Duisburg 08 zum ruhmreichen FC Schalke zu wechseln?

Zunächst einmal habe ich zehn Leute bestellt. Die haben Tag und Nacht auf mich aufgepasst, damit ich vor lauter Freude keinen Herzinfarkt bekomme. Aber ernsthaft: Wir hatten immer noch einen Zeh im Amateurlager. Wir waren nicht so gierig, so vermessen und auskalkuliert wie es in der heutigen Zeit ist.

Auf Seite 2: "Außer Berni Klodt hatten wir keine bekannten Namen"

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