17.10.2018

VfL-U19

Wittener Sturmtalent trifft auch international

Foto: Michael Gohl

Ömer Uzun schießt für den VfL Bochum in der U19-Bundesliga ein Tor nach dem anderen. Zum Lohn gab es eine Einladung zur türkischen Nationalmannschaft. Beinahe hätte er absagen müssen.

Ömer Uzun war gerade auf dem Weg zum Training, als sein Handy klingelte. Am anderen Ende der Leitung: Niemand geringeres als Senol Ustaömer, Trainer der türkischen U19-Nationalmannschaft. Er würde Uzun gerne zu einem Lehrgang und zwei Testspielen in Kroatien einladen. „Ich war total überrascht“, muss Uzun noch immer grinsen, wenn er an den Anruf vor vier Wochen zurückdenkt.

Dabei war die Berufung bloß der Lohn für die harte Arbeit des 18-jährigen Witteners, der in der U19-Bundesliga beim VfL Bochum auf Torejagd geht. Und dort in dieser Saison einen richtigen Lauf hat: Sechs Tore schoss Uzun in den ersten fünf Partien. Am herausragenden Saisonstart der Bochumer, die zu Beginn fünfmal in Folge gewannen, hatte er somit großen Anteil.

Grammozis ist voll des Lobes

Mit vier Jahren begann Uzun, der in Deutschland geboren ist, beim FSV Witten mit dem Fußball spielen und durchlief dort alle Jugendmannschaften, ehe der VfL Bochum auf den Offensivmann aufmerksam wurde und ihn in der U14 an die Castroper Straße holte. „Da habe ich gemerkt, dass es vielleicht etwas als Fußballer werden könnte“, sagt Uzun, der mit seiner Familie in Annen lebt.

Davon kann sich Dimitrios Grammozis regelmäßig überzeugen. Der ehemalige Bundesligaprofi ist Uzuns Trainer beim VfL und hält große Stücke auf seinen Mittelstürmer: „Ömer hat sich in den Fokus gespielt. Sein Trainingsfleiß hat sich in diesem Jahr noch mal mehr ausgezahlt. Er ist ein richtiger Torjäger“, so der 40-Jährige, der Uzuns Weg schon seit der U15 verfolgt. Er spiele zwar grundsätzlich mannschaftsdienlich, „weiß aber auch, wann er mal egoistisch abschließen muss“.

Qualitäten, die auch dem türkischen Verband nicht verborgen geblieben sind. Doch aus seiner ersten Länderspielreise wäre beinahe nichts geworden. Am Tag der Abreise spielte Bochum im DFB-Pokal noch gegen den VfL Wolfsburg. Uzun verletzte sich am Fuß, musste ausgewechselt werden und sagte dem Verband auch auf Anraten eines Arztes ab. „Ich war natürlich total enttäuscht“, sagt Uzun. Weil Trainer Senol Ustaömer ihn trotzdem unbedingt sehen wollte, entschloss sich der VfL-Angreifer doch dazu, ins Flugzeug nach Istanbul zu steigen. Dort lernte er zunächst das Team kennen, ehe es einen Tag später in die kroatische Hauptstadt Zagreb ging. „Ich wurde super aufgenommen“, gab es laut Uzun keine Anlaufschwierigkeiten. Dass er auch die türkische Sprache gut beherrscht, half ihm dabei sicherlich.

Erneute Nominierung in Aussicht

An Training war aufgrund der Verletzung zunächst jedoch nicht zu denken. Nach zwei Tagen wurde es allerdings besser, sodass er im ersten Duell mit Kroatien nach einer Stunde eingewechselt wurde – und gleich richtig Werbung für sich machte. Nur 13 Minuten brauchte Uzun für sein erstes Länderspieltor. Die 1:2-Niederlage konnte er zwar nicht mehr verhindern, dafür durfte er zwei Tage später im „Rückspiel“ von Beginn an ran. Die Türkei gewann diesmal mit 4:1 – auch weil Uzun erneut und zum zwischenzeitlichen 2:0 traf. „Dass ich direkt zweimal treffe, habe ich nicht erwartet“, sagt er. Eine erneute Nominierung im November, wenn es gegen England, Island und Moldawien um die Qualifikation für die Europameisterschaft 2019 in Armenien geht, dürfte nur noch Formsache sein. „Der Trainer hat mir gesagt, dass er sehr zufrieden mit mir war“, so der Linksfuß.

Nach der aufregenden Woche bei der Junioren-Nationalmannschaft, steht inzwischen aber wieder der VfL Bochum im Fokus. Immerhin setzt sich der ehrgeizige Angreifer ambitionierte Ziele: „Ich will mindestens 20 Tore schießen in dieser Saison.“ Zudem hält er einen der ersten beiden Plätze in der Bundesliga für realistisch – Borussia Dortmund dürfte indes schwer zu schlagen sein.

Uzun will aber liefern, denn sein Ziel ist klar: Nach der Saison kommt er in den Herrenbereich und hofft, weiter beim VfL bleiben zu können. Immerhin durfte er bei den Profis von Robin Dutt schon ein paar Mal im Training hineinschnuppern. Im Test gegen Borussia Mönchengladbach Anfang September spielte er rund 30 Minuten. „Das war ein geiles Gefühl“, lächelt Uzun. Bei diesem Kurzeinsatz soll es für den Wittener nicht bleiben.

Autor: Hendrik Niebuhr

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