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RWE-Trainer über BVB-Coronafälle: "Das alles lässt schon ein paar Fragen offen"

Christian Neidhart, Trainer von Rot-Weiss Essen, will mit seiner Mannschaft den BVB II noch überholen.
Foto: Thorsten Tillmann

Fußball-Regionalligist Rot-Weiss Essen reist am Samstag (14 Uhr, RevierSport-Liveticker) zum Wuppertaler SV. Das Spiel haben die positiven Coronafälle und die damit verbundene Quarantäne des Tabellenführers BVB II etwas in den Schatten geworfen. Klar: Auch RWE, als ärgster BVB-II-Verfolger, lassen die Nachrichten aus Dortmund nicht kalt.

Normalerweise sprechen wir vor jedem Spiel mit dem RWE-Trainer über den kommenden Gegner, die Stärken, Schwächen des Kontrahenten, die eigene Verfassung und die Personallage. Das ist Usus bei einem Vorbericht für ein Ligaspiel. Doch diesmal ist die Ausgangslage eine andere.

Auch Christian Neidhart und seine Essener haben natürlich am Donnerstag mitbekommen, dass Borussia Dortmund II und seine Corona-Fälle, [article=520700]inklusive neun Spielern in der Quarantäne[/article], das große Gesprächsthema sind. Und der 52-jährige Erfolgscoach der Essener hat da seine eigene Meinung zu, die er auch preisgibt: "Zunächst einmal gönne ich die Situation keiner Mannschaft, keinem Menschen. Ich hoffe, dass alle schnell wieder gesund werden. Die Gesundheit steht über allem. Aber ich will auch ehrlich sein und sage das, was in den Gedanken kreist", erklärt Neidhart.

Er führt aus: "Das alles lässt schon ein paar Fragen zu. Wenn man über Borussia Dortmund spricht, dann geht man davon aus, dass sie ein gutes Hygienekonzept haben, das auch greift. Sie trainieren auf der gleichen Anlage wie die Bundesligamannschaft und müssten deshalb noch vorsichtiger sein. Trotzdem frage ich mich, wie das passieren kann. Es ist ja auch nicht so, dass alle neun Fälle infiziert sind. Manche sind "nur" in Quarantäne. Wir haben auch positive Fälle gehabt und sie aus dem Verkehr gezogen. Unsere Spiele gegen Düsseldorf II und Aachen haben wir dann auch absolviert. Ich kann es einfach nicht nachvollziehen, wie jedes Gesundheitsamt seine eigenen Regeln aufstellen kann. Dann brauchen wir auch kein Hygienekonzept mehr. Denn wenn nur ein oder zwei Spieler infiziert sein sollten, dann kann man diese Jungs isolieren und spielen. Warum geht das in Dortmund nicht?"

Neidhart kritisiert die Regionalliga-Aufstiegsregelung

Neidhart sieht die Dortmunder in der aktuellen Lage bevorteilt. Die Spannung an den letzten Spieltagen, an denen in jeder Liga eigentlich die Spiele zeitgleich stattfinden, ist genommen worden. "Auch, wenn niemand etwas dafür kann", betont er. "Aber Fakt ist", so Neidhart: "Ein fairer sportlicher Wettbewerb sieht im Saison-Endspurt anders aus."

Überhaupt ärgert sich der Ex-Profi und ehemalige Meppen-Trainer über das Wörtchen "fair" in Bezug auf die Saison 2020/2021. "Ich sehe hier keine sportliche Fairness. Das muss ich auch mal sagen: Wenn ein Nordost-Meister nach elf Spielen aufsteigen kann, aber kein Stadion besitzt, im Norden immer noch nicht geklärt ist, wer in der Relegation spielen darf und auch in Bayern nach gefühlt zwei Jahren ohne Spiele eine Aufstiegsrunde gespielt wird, dann frage ich mich, wo da die Fairness ist? Der Südwesten und die West-Staffel spielen die komplette Saison, reißen sich den Arsch auf, beziehen keine Kurzarbeitergelder und kämpfen um das Überleben, am Ende dürfen aber vielleicht Vereine in die 3. Liga aufsteigen, die keine zehn Saisonspiele bestritten haben", wird der Fußballlehrer deutlich.

RWE kann an den nächsten beiden Spieltagen die Tabellenführung übernehmen

Rot-Weiss Essen liegt fünf Spieltage vor Schluss vier Punkte und zwei Tore hinter Borussia Dortmund II. Da die nächsten BVB-II-Spiele gegen Rödinghausen und Bergisch Gladbach ausfallen und wahrscheinlich auch die Straelen-Partie am 22. Mai nicht stattfinden wird, kann RWE mit Siegen gegen Wuppertal und Aachen die Tabellenführung übernehmen.

"Das ist jetzt auch unser Ziel. Wir wollen alles ausblenden und uns nur auf uns konzentrieren. Wir müssen weiter unsere Hausaufgaben machen und die Spiele gewinnen. Wir wollen Druck auf Dortmund aufbauen und dann müssen wir einfach schauen, wie das alles ausgeht", betont Neidhart.

Dass es am Samstag im Stadion am Zoo nicht so einfach wie beim 6:1-Hinspiel-Sieg wird, das weiß auch der Essener Trainer. Er erwartet hoch motivierter Wuppertaler. Neidhart: "Marco Königs hat es im RevierSport gesagt, dass er lieber in der nächsten Saison gegen Essen vor tausenden von Zuschauern als gegen den BVB II spielt. So denken doch 99,9 Prozent der Beteiligten in der Liga. Damit müssen wir klar kommen. Wir wissen, dass uns alle in der Liga behalten wollen und dagegen werden wir uns auf dem Rasen wehren."

Fragezeichen hinter Engelmann-Einsatz

Bleibt abzuwarten, ob bei der RWE-Mission "Sieg in Wuppertal" auch Torjäger Simon Engelmann (muskuläre Probleme) mit dabei sein wird. Der Essener 27-Tore-Mann konnte in dieser Woche nur an einer Trainingseinheit teilnehmen. Das Abschlusstraining soll Gewissheit bringen. Definitiv ausfallen werden Alexander Hahn, Marcel Platzek, Jan-Lucas Dorow und Joshua Endres.

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