14.09.2018

WAZ- und Stauder-Talk

Mill und Lorenz erinnern sich an RWE-Zeit

Foto: Michael Gohl

Viele interessante Einblicke in die Geschichte von Rot-Weiss Essen gaben am Donnerstagabend die Gesprächsgäste des Fußballtalks der WAZ und der Privatbrauerei Stauder.



Es war wohl der größte Lacher des Abends, als das Moderatoren-Duo Ralf Wilhelm und Martin Herms zum Fußballtalk im „Schalander“ der Privatbrauerei Stauder luden. Eine fußballerische Zeitreise durch die Geschichte von Rot-Weiss Essen sollte das Thema sein, doch einen der 150 anwesenden Fans bewegte bei der abschließenden Fragerunde etwas ganz anderes: Warum es bei Karstadt Sport keine Rabatte nach Siegen von Rot-Weiss mehr gäbe, wollte er wissen. RWE-Vorsitzender Marcus Uhlig, der sich das Grinsen selbst nicht verkneifen konnte, antwortete cool: „Ich würde so gerne aus dem Nähkästchen plaudern, aber das darf ich noch nicht. Wir werden jedoch bestimmt bald etwas dazu vermelden können.“

Der Abend geriet dann zu einer Art Potpourri aus Geschichten der Vergangenheit und Plänen für die Zukunft. So berichtete der 80-Jährige Dr. Claus Stauder darüber, wie er die Meisterschaft von 1955 erlebt habe. „Am Radio“, erzählte er, denn zum letzten, entscheidenden Spiel durfte er nicht hin: „Das war ein schlechter Tag, denn meine Eltern haben eine Bestrafung für mich gesucht und entschieden, dass ich nicht hindurfte. Stattdessen ist mein Bruder Rolf, der zuvor noch nie ein Fußballspiel gesehen hatte, nach Hannover gefahren.“ Bei der Meisterfeier einen Tag später war Dr. Stauder, der auch danach noch „unendlich viele Spiele“ gesehen habe, jedoch wieder mittendrin: „Das bleibt unvergesslich.“

Unvergesslich war die Zeit auch für Frank Mill an der Hafenstraße. Der Stürmer wurde vom damaligen Trainer Ivica Horvath in die erste Mannschaft geholt, spielte zeitweise gleichzeitig dort und in der A-Jugend. Der „Kellerfenster-Fußballer“, wie er sich selbst bezeichnete, verriet dann auch noch gleich das Erfolgsgeheimnis, wie er in der Saison 1980/81 auf 40 Treffer kam. Dies hatte mit einer geheimen Taktik mit Horst Hrubesch zu tun: „Er hat zu mir gesagt: ‚Lauf immer hinter mir rein. Da fällt immer etwas runter.‘ Da hatte er Recht.“


"Diese extreme Rot-Weiss-Essen-Note fehlt"

Ähnlich redselig gab sich dann auch Stefan Lorenz, der heute im Vertrieb bei Stauder arbeitet: „Die Zeit hat mich geprägt. Ob es der Aufstieg gewesen ist mit 20.000 Zuschauern auf dem Rasen oder die beiden Abstiege.“ Besonders positive Erinnerungen habe er an das alte Georg-Melches-Stadion: „Das war phänomenal, wie drei Tribünen einen solchen Lärm erzeugen konnten. Ich glaube, wir können heute auch nicht meckern, aber diese extreme Rot-Weiss-Essen-Note fehlt.“

Essens heutiger Vorsitzender scheint diese bestimmte Note jedoch wieder an die Hafenstraße gebracht zu haben. Nicht umsonst ist Uhlig selbst schon seit Kindesbeinen Fan des Vereins, auch wenn er sich vor einigen Jahren etwas anderes vorgenommen hatte: „Nach meiner Zeit in Bielefeld habe ich mir eigentlich geschworen, nie wieder in die erste Reihe eines Fußballvereins zu gehen“, gestand er und schob nach: „So hat sich für mich aber ein Kreis geschlossen.“

Fast ein Jahr ist der gebürtige Rheinberger mittlerweile im Amt. In seinem ersten vollständigen Jahr bei Rot-Weiss ist die Mannschaft so gut in die Saison gestartet, wie schon lange nicht mehr: „Das freut mich. Die Erwartungshaltung war klar, dass wir sportlich den nächsten Schritt gehen müssen. Sportliche Stagnation geht auf Dauer nicht gut. Sowas funktioniert aber auch nicht von heute auf morgen.“

Ob im besagten „Morgen“ die Erfolge der Vergangenheit wiederkehren, wissen nur die Götter. Zumindest der Siegesrabatt bei Karstadt Sport scheint bald wieder da zu sein.

Autor: Stefan Loyda

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