Champions League

Liverpool trägt Trauer - Klopp vor dem GAU

15. April 2021, 12:27 Uhr
Foto: firo

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Nach dem Aus in der Champions League muss Jürgen Klopp den GAU beim FC Liverpool verhindern - und Platz vier erreichen. Ansonsten fällt der ohnehin erforderliche Umbruch wohl noch schmerzhafter aus.

In ganz Liverpool hingen die Fahnen auf halbmast, an der legendären Anfield Road versammelten sich zahlreiche trauernde Fans. Doch während die leidgeprüfte Stadt einen Tag nach dem schmerzhaften Aus in der Champions League die Opfer der Hillsborough-Katastrophe von 1989 beweinte, hatte Jürgen Klopp seine Angriffslust schon wiedergefunden.

„Wir lieben diesen Wettbewerb, er ist aus verschiedenen Gründen sehr wichtig für diesen Klub“, sagte der Teammanager nach dem Ende seiner zweijährigen Erfolgssträhne und versprach: „Wir wollen in die Champions League, dafür werden wir kämpfen, kratzen, beißen - was immer notwendig ist.“

Nach dem enttäuschenden 0:0 im Viertelfinal-Rückspiel gegen ein äußerst abgezocktes Real Madrid um Toni Kroos muss Klopp den GAU verhindern: Dem amtierenden englischen Meister und Champions-League-Sieger von 2019 droht der Absturz in die ungeliebte Europa League, in den Außenseiter-Cup Conference League oder im schlimmsten Fall: sogar ein Jahr ganz ohne Europapokal.

„Jetzt haben wir die Möglichkeit, uns auf die Premier League zu konzentrieren. Leider. Das ist nicht das, was wir wollten, aber das, was wir jetzt tun“, sagte Klopp kämpferisch. Ein Jahr ohne Königsklasse bedeutet Einnahmeverluste von mindestens 50 Millionen Euro. Der ohnehin nötige Umbruch müsste dann wohl deutlich schärfer ausfallen. Superstar Mo Salah, der zuletzt öffentlich mit einer Luftveränderung kokettiert hatte, wäre nur schwer zu halten.

Sieben Spiele hat der Tabellensechste Zeit, um die drei Punkte Rückstand auf Rang vier aufzuholen. Das scheint machbar. „Ich bin zuversichtlich, aber das heißt nicht, dass wir es schaffen werden“, sagte Klopp. Denn er weiß, dass das Aus gegen Real kein Zufall war, sondern die Blaupause einer verkorksten Spielzeit.

„Madrid hat gestrauchelt, wir hatten sie am Haken“, sagte Klopp, und doch: „Ganz gut spielen, aber trotzdem nicht treffen - das haben wir schon ein, zwei Mal gesehen diese Saison.“ Liverpool macht zu wenig aus seinen Möglichkeiten, er habe teilweise „irrwitzige“ Spiele gesehen, meinte der Coach. So sei seine Elf nie in einen „Flow“ gekommen und habe sich stattdessen „immer aufrappeln“ müssen.

So auch jetzt. Dazu passte die fast gespenstische Atmosphäre am Hillsborough-Gedenktag. Die Rathausglocke schlug zu Ehren der 96 Opfer 96-mal, um 15.06 Uhr Ortszeit sollte die ganze Stadt für eine Schweigeminute stillstehen, an der Gedenktafel an der Anfield Road wurden Kränze niedergelegt.

Klopp bleibt keine lange Zeit zu trauern. „Wir sind nicht dumm, wir wollen das, was wir verdienen“, sagte er, „aber wir müssen es uns auch verdienen.“

So wie sich Real das Halbfinale gegen Thomas Tuchels FC Chelsea verdient hat. „Real Madrid bleibt Real Madrid, selten zu unterschätzen“, sagte Kroos mit einem süffisanten Lächeln bei Sky: „Wir glauben an uns. Wir glauben nicht an das, was draußen gesagt wird. Weder das Positive, noch das Negative.“

Das Duell mit seinen DFB-Kollegen Kai Havertz, Timo Werner und Antonio Rüdiger gehe er „mit einem guten Gefühl“ an: „Wenn wir die Leistung hoch halten, haben wir gute Chancen, ins Finale einzuziehen.“ sid

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