RL

Hombergs Trainer über den Transfer-Wahnsinn

11. Juni 2019, 15:53 Uhr

Foto: Carsten Klein

Aktuell genießt Stefan Janßen die Sonne im spanischen Marbella. Abschalten kann und will er aber auch nicht so richtig. Denn die Kaderplanung des VfB Homberg ist noch nicht abgeschlossen.

"Wir suchen noch vier bis fünf Spieler. Dann kann es am 23. Juni losgehen. Die Vorfreude steigt stündlich auf die tolle Regionalliga-Saison", berichtet Janßen. Der 49-jährige Homberger Erfolgstrainer sucht noch zwei Innen- einen Rechtsverteidiger, einen Mann für die Flügel und einen offensiven Mittelfeldspieler. 

Ob das gesuchte Quintett bis zum Trainingsstart am 23. Juni verpflichtet werden kann, ist noch unklar. Einfacher wäre es für Janßen und den VfB Homberg, wenn sich in der Beraterbranche weniger schwarze Schafe tummeln würden. Denn manch ein Agent verärgert den ehemaligen Dritt- und Viertligaspieler Janßen doch sehr.

"Ich habe in meiner Karriere viele nette und seriöse Berater kennengelernt, mit denen ich gerne zusammenarbeite. In dieser Transferperiode habe ich aber auch negative Erfahrungen gesammelt, die ich mal loswerden will", betont Janßen und schildert ein aktuelles Beispiel: "Ein Berater hat mir zwei junge Spieler angeboten, die zusammen auf 100 Regionalliga-Minuten kommen. Einen davon fand ich so interessant, dass ich ihn auch ohne Probetraining genommen hätte. Doch da gab es plötzlich keine Rückmeldung mehr. Der andere Spieler hat bei uns mittrainiert und sich sehr schlecht benommen. Da kam es zu einer Situation, in der der 19-jährige Probespieler einen unserer erfahrensten Leute nach einem Fehler zusammengestaucht hat. Da frage ich mich: Wo bleibt da der Anstand dieses jungen Menschen? Was hat er schon erreicht, dass er sich so bei einem Gast-Auftritt benimmt? Das gibt es doch gar nicht. Und da sehe ich auch die Berater in der Pflicht. Sie wissen ja, dass ihr Schützling ein Probetraining absolviert und da sollte sich der Spieler von seiner besten Seite zeigen. Nicht nur sportlich. Der Junge kann froh sein, dass ich so tolle und nette Spieler habe, die es verbal geklärt haben. Zu meiner Zeit hätten wir diesen jungen Kerl auf dem Platz am offenen Herzen operiert."

Natürlich wird Janßen diesen Heißsporn nicht verpflichten. Auch andere fielen letztendlich in Homberg durchs Sieb. Denn nach dem Regionalliga-Aufstieg scheint der eine oder andere Berater zu glauben, dass es beim VfB gutes Geld zu verdienen gibt. "Ich kenne Spieler, die mir monatelang erzählt haben, wie wichtig es für sie wäre in der Regionalliga zu spielen und sich mit diesen vielen attraktiven Vereinen zu messen. Diese Spieler feilschen dann mit uns um ein paar Euros am Tisch - Wahnsinn. Da verliere ich wirklich den Glauben an deren Worte", nennt Janßen, zweimaliger Trainer des Jahres in Duisburg, ein weiters Beispiel für seine Erfahrungen in der aktuellen Transferperiode.

Janßen erklärt weiter: "Diese Spieler werden nie erfahren, was es bedeutet, wenn tausende von tollen Fußballfans ihre Mannschaften nach vorne peitschen und man sich dagegen aufbäumen muss. Sie werden sich dort nie zeigen können. Und das nur, weil sie ein paar Euros mehr verdienen wollen. Dann sollen sie lieber in der Ober- oder Landesliga spielen."

Janßen bricht eine Lanze für die VfB-Verantwortlichen

Damit es auch der letzte Spieler, aber allen voran auch Berater verstanden hat, betont Janßen nochmals. "Nur weil der VfB Homberg jetzt Regionalligist ist, braucht niemand zu glauben, dass ein Goldesel am Rheindeich campiert. Ich bin sehr froh und dankbar darüber, dass es seitens des VfB-Vorstands keine Gedanken gibt, die Sparkasse in Homberg zu überfallen, nur weil einige Spieler und deren Berater bestimmte Forderungen haben. Wir sind geerdet und machen den Wahnsinn nicht mit. Weil wir es nicht können, aber auch nicht wollen!"

Mehr zum Thema

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren

11.06.2019 - 21:46 - Ballaballa52

Spricht mir aus der Seele der Mann...
Das geht mir schon in den letzten 20 Jahren immer mehr aus dem Ruder und ''auf den sack"...
Zum Teil auch bei den Amateuren, wobei die profisheute auch keine guten Vorbilder mehr sind...wenn ein gündogan wirklich vor einiger Zeit als grossverdiener(!) mal gesagt haben soll, das Gehälter junger Spieler begrenzt werden müssten, ist das selbstherrliche Ignoranz pur...
Hauptsache mir selbst geht's gut...
Diese denke nehmen sich aber viele zum Vorbild...um was geht's eigentlich? Ist doch nur Fußball oder was??

11.06.2019 - 19:30 - davidjung186

So wie man ihn kennt. Geradlinig, ehrlich und genau richtig im Verhalten von Stefan und vom vfb. Ein Verein der sich über die Jahre zu einem echten Schwergewicht in Duisburg hochgearbeitet hat. Es zahlt sich am ende eben aus wenn Fachleute einen Verein führen. Viel Erfolg in der RL

11.06.2019 - 16:44 - Frankiboy51

Sehr gut der Mann.
Hat mir schon als Trainer unserer RWO Jugend gefallen.
Herr Stefan Janßen, bleiben sie so bei sich !