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Hiesfeld-Trainer coacht im Angler-Dress

03. Juni 2019, 12:32 Uhr

Foto: Markus Joosten

Der TV Jahn Hiesfeld steht seit einiger Zeit als Absteiger in die Landesliga fest. Vor drei Wochen macht der Klub mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Eine Antwort gab es jetzt vom Trainer - in Form seines Outfits.  

Bei Jahn Hiesfeld geht es seit Wochen drunter und drüber. Präsident Dietrich Hülsemann war von der gebotenen Leistung bei der 1:2-Heimniederlage gegen den SC Velbert so sehr entsetzt, dass er das aktuelle Trainerteam um Cheftrainer Markus Kay und Teammanager Thomas Drotboom via WhatsApp zum Saisonende entließ. Nun hat sich Kay beim letzten Saisonspiel eine ganz besonders charmante Art der Provokation einfallen lassen. 

Sie geht zurück auf ein Zitat von Hiesfelds Präsident Hülsemann nach der Pleite gegen Velbert. Via NRZ machte er sich damals verbal Luft: "Da war kein Einsatz, kein System, gar nichts. So kann man nicht weitermachen. Ich habe hinter dem Tor gestanden und die Bälle geholt, die ins Aus gingen. Dabei saßen fünf Spieler auf der Bank. Von denen hat sich keiner gerührt. Und unsere Trainer sitzen regungslos auf ihren Campingstühlen. Ich wollte denen schon eine Angel in die Hand drücken.“

Gesagt, getan: Kays Outfit beim letzten Saisonspiel (es setzte eine deftige 1:5-Pleite gegen Meerbusch) war an den Worten des Präsidenten ausgerichtet. Die Zuschauer staunten nicht schlecht, als sie sahen, wie modisch gewagt Kay sein Team beim letzten Oberliga-Auftritt coachte. Campingstuhl, Hut, Sonnenbrille und eine Angel. Für diese Modeaccessoires hatte er sich am Samstag entschieden. 

Angler-Outfit eine Retourkutsche an den Hiesfelder Präsidenten

Eine Retourkutsche in Richtung des Präsidenten, für die der Sportliche Leiter Gerd Ott kein Verständnis hatte. Laut NRZ sagte er nur: "Was soll das?" Kann man auch in Richtung des Präsidenten fragen, der seine Angestellten auf sehr bescheidenem Niveau entließ. Übrigens galt das neben Kay auch für Kevin Corvers, den Kapitän der aktuellen Mannschaft, der die Nachfolge Kays antreten sollte.

Daher ist es auch kein Wunder, dass nicht alle Blumensträuße im Rahmen der Verabschiedung an den Mann gebracht werden konnten. Abdoullaye Sakho, Joshua Kudu und Jan Luka Husmann waren gar nicht mehr ins Stadion gekommen. Das Trainerteam mit Markus Kay, Teammanager Thomas Drotboom und Torwart-Trainer Uwe Roscher lehnte die Blumen ab - wie die NRZ berichtet. 


RS erreichte Kay am Montag. Gegenüber dieser Redaktion begründete er seine Aktion: „Es war eine Art stiller Protest. Nachdem Herr Hülsemann diese Aussagen bezüglich Campingstuhl und Angel gemacht hatte, hat sich das schnell zu einem Running Gag innerhalb der Mannschaft entwickelt. Ich habe einfach gegen diesen unwürdigen Abschied protestiert. Obendrein hat innerhalb der letzten drei Wochen kein einziges persönliches Gespräch zwischen uns und Herrn Hülsemann stattgefunden, es wurde immer nur mittels Handy kommuniziert. Er hat sich auch nicht mehr blicken lassen, selbst nicht am Samstag beim letzten Heimspiel.“ 


Wie es für Kay sportlich weitergeht, ist offen: „Es ist natürlich schwierig, so kurzfristig einen neuen Verein zu finden. Gerade jetzt im Juni planen die meisten Vereine natürlich längst oder haben die Planungen abgeschlossen. Aber ich habe Lust, weiter einen Trainerposten zu übernehmen und würde meine Arbeit auch gerne im Leistungsbereich fortsetzen. Aber mehr als lose Gespräche führe ich momentan nicht.“

Autoren: Ole Linder / Christian Brausch

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Kommentieren

04.06.2019 - 05:59 - Jünther, Jötz und Jürgen

Andere schalten Juristen bis zum Abwinken ein um arbeitsrechtliche Dinge zu klären, andere finden eben in der Ironie eine passende Antwort.
Das nennt man Kreativität. Was sinnfrei ist, bestimmt eben jeder für sich.

03.06.2019 - 17:47 - zivilpolizei

Tief im Westen ist wohl Ironie ein Fremdwort.

03.06.2019 - 15:04 - Tief_im_Westen

Da habe ich auch nichts anderes erwartet, schließlich geht es völlig sinnbefreit gegen einen Vorstand. Würden die Kleeblätter so eine Saison liefern und die Arbeit wie Trainer und Team verweigern, ich würdet randalierend zum Gespräch bitten, wenn auch am letzten Spieltag eigene Fans, Gegner und der Fußball allgemein verarscht werden. Dann ist es sicher was anderes, schließlich geht's dann um den eigenen Rumpelclub.

03.06.2019 - 14:15 - RWO-Oldie

Ich finds auch kreativ.

03.06.2019 - 13:46 - Tief_im_Westen

Gott sei Dank hat Niveau diverse Level, der eine findet es geil und kreativ, der andere fragt sich, was daran kreativ ist, wenn man trotzig seine Arbeitsverweigerung verteidigen möchte.

03.06.2019 - 13:39 - Jünther, Jötz und Jürgen

Geile Nummer. Sehr kreativ. Spieler und Trainer hatten ja bei diesem Vorstand in den letzten Wochen nicht viel Spaß.

03.06.2019 - 13:19 - Tief_im_Westen

Als Verantwortlicher würde ich einen solchen Sportsfreund nicht holen, denn in erster Linie trifft er damit nicht den Präsidenten, sondern den Gegner, für den das evtl ein Punktspiel und keine Witzveranstaltung eines getroffenen Egos war. Wenn man Größe besitzt, bringt man entweder die saison vernünftig zu Ende, anders als die Person die man kritisiert oder reicht die Kündigung ein, sollte der Vertrauensbruch zu groß sein. Auf der einen Seite wird hier regelmäßig, auch von der Redaktion, so getan als sei dieser Ligenbereich schon im Profisektor angesiedelt, auf der anderen Seite wird es mehr oder weniger gefeiert, wenn es schlimmer als beim schlimmsten Dorfclub zugeht.

Wenn eine einzelne Person diese Macht im Verein hat und per WhatsApp Leute entlassen kann, sollte sich vor allem mal die Basis des Vereins hinterfragen, allerdings auch ein Trainer, der zuvor bereit war, einem Menschen mit Allmacht zu dienen. Solange der Rubel rollt, scheint es ja keine Charakterfragen zu geben.