Uwe Krupp hat die Qual der Wahl bei der Benennung des Olympia-Kaders. Zu den Gewinnern des Deutschland-Cups  stehen dem Eishockey-Bundestrainer noch elf NHL-Profis zur Verfügung.

Krupp beobachtet NHLer

Heißer Kampf um Olympia-Tickets

sid
09. November 2009, 14:58 Uhr

Uwe Krupp hat die Qual der Wahl bei der Benennung des Olympia-Kaders. Zu den Gewinnern des Deutschland-Cups stehen dem Eishockey-Bundestrainer noch elf NHL-Profis zur Verfügung.

Nach dem überraschenden Turniersieg beim Deutschland-Cup hat Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp die Qual der Wahl. Bis zum 30. Dezember muss er den 23-köpfigen Kader für die Olympischen Spiele in Vancouver benennen. Keine leichte Aufgabe, denn zusätzlich zu den Spielern, die in München auf überzeugende Art und Weise das WM-Debakel von Bern vergessen gemacht haben, stehen dem früheren NHL-Star elf Nordamerika-Profis für Vancouver zur Verfügung.

In den nächsten Tagen will Krupp nach Übersee fliegen und sich vor Ort ein Bild vom Leistungsstand seiner Olympia-Kandidaten machen. "Das wird eine sehr schwere Reise", mutmaßte Franz Reindl, Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), und prophezeite "eine harte Entscheidung". Der Bundestrainer kündigte bereits an, dass es für die Nordamerika-Profis "keinen Freifahrtschein" gebe.

Die NHL-Profis Christian Ehrhoff (Vancouver Canucks), Marco Sturm (Boston Bruins), Dennis Seidenberg (Florida Panthers), Jochen Hecht (Buffalo Sabres), Christoph Schubert (Atlanta Thrashers), Marcel Goc, Alexander Sulzer (beide Nashville Predators) und Thomas Greiss (San Jose Sharks) dürften ihren Platz im Flieger sicher haben. Bei den AHL-Profis Robert Dietrich (Milwaukee Admirals), Philip Gogulla und Felix Schütz (beide Portland Pirates) könnte es anders aussehen.

"Nur weil man in Nordamerika spielt, heißt das nicht, dass man automatisch besser für unsere Nationalmannschaft ist als ein Spieler in Deutschland", sagte Krupp. Zumal sich in München einige in den Vordergrund spielten, die bislang noch nicht auf dem Olympia-Zettel standen.

Rückkehrer Thomas Greilinger, der bei der B-WM 2000 als Jahrhunderttalent aus der Oberliga in die erste Sturmreihe der Nationalmannschaft gestürmt war und schon als neuer Dieter Hegen galt, ehe er böse abstürzte und als 24-Jähriger seine Karriere beendete, überzeugte im Paradesturm. 30 Kilo hat der heute 28-Jährige abgespeckt ("Wenig essen und viel trainieren"), der wegen seiner unprofessionellen Einstellung als "vergeudetes Talent" galt.

"Ich habe mir überlegt, ob ich lieber im Büro sitzen oder Eishockey spielen wollte", sagte Greilinger, "Eishockey macht mehr Spaß." Beim ERC Ingolstadt nutzte er seine letzte Chance - und plötzlich wurde er den Vorschusslorbeeren gerecht. Mit 30 Punkten führt er nach 17 Spielen die Scorerwertung der Deutschen Eishockey Liga (DEL) an und begeisterte in der DEB-Auswahl auch seinen Sturmkollegen Michael Wolf: "Er ist ein begnadeter Eishockey-Spieler. Ich freue mich sehr, dass er zurückgekommen ist."

[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/000/115-117_preview.jpeg Jakub Ficenec (Foto: firo).[/imgbox]
Gute Chancen auf ein Olympia-Ticket darf sich auch der gebürtige Tscheche Jakub Ficenec ausrechnen, der Krupp "mit seiner Ruhe in kritischen Phasen" überzeugte. Werbung in eigener Sache machte auch der Deutsch-Kanadier Travis Mulock (Berlin). Als Krupp ihn als Zweitligaspieler zur WM in der Schweiz mitnahm, wurde er dafür heftig kritisiert. "Damals bin ich belächelt worden", sagte der Bundestrainer nicht ohne Genugtuung, "jetzt sehen alle, wie gut er ist."

Mit 15 Punkten ist der 24-Jährige der drittbeste Scorer der Eisbären, an das höhere Tempo in der DEL hat er sich längst gewöhnt. "Mit den Punkten, die ich jetzt habe, wäre ich sogar am Ende der Saison zufrieden", sagte der Deutsch-Kanadier, der beim Deutschland-Cup als bester Stürmer ausgezeichnet wurde. Im Tor hat sich Krupp schon festgelegt. NHL-Profi Greiss und der Ingolstädter Dimitri Pätzold sind für Vancovuer gesetzt, um den dritten Platz streiten sich der Augsburger Dennis Endras und Debütant Rob Zepp (Berlin).

Zeit, seine Mannschaft aus DEL-Spielern und Nordamerika-Profis einzuspielen, hat der Bundestrainer nicht. "Du triffst dich, sitzt im Flieger und spielst", sagte Krupp, "Vorbereitung haben wir nicht. Das ist überhaupt nicht vergleichbar mit einer anderen Mannschaftssportart in Deutschland." Beim Test am 10. Februar in Frankfurt gegen Lettland fehlen noch die NHL-Profis, erst im Auftaktspiel am 17. Februar gegen Olympiasieger Schweden stehen alle erstmals gemeinsam auf dem Eis.

Autor: sid

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