Der Wittener Stadtteil Annen, an der Grenze zu Dortmund: Zwei typische Ascheplätze, ein einsames Vereinsheim, in direkter Nachbarschaft zum Wullenstadion, dem einzig vorzeigbaren Spielort der Stadt. Die Zuschauerzahlen bei den Heimspielen des A-Kreisligisten VfB Annen – eher überschaubar. Hier ist die sportliche Heimat von Martin und Michael Pawlitza. „Es macht Spaß“, sagen die beiden im Einklang. Denn hier können Seite an Seite kicken – und das ist ihnen wichtig. Teil 2 der Serie über Brüderpaare im Amateurfußball des Reviers, die wir euch bis Ende des Jahres vorstellen. [i]Das Porträt[/i]

Serie: Brüderpaare im Amateurfußball (Michael und Martin Pawlitza - VfB Annen)

"Wir gehen den Weg gemeinsam weiter"

Felix Guth
27. Dezember 2006, 17:56 Uhr

Der Wittener Stadtteil Annen, an der Grenze zu Dortmund: Zwei typische Ascheplätze, ein einsames Vereinsheim, in direkter Nachbarschaft zum Wullenstadion, dem einzig vorzeigbaren Spielort der Stadt. Die Zuschauerzahlen bei den Heimspielen des A-Kreisligisten VfB Annen – eher überschaubar. Hier ist die sportliche Heimat von Martin und Michael Pawlitza. „Es macht Spaß“, sagen die beiden im Einklang. Denn hier können Seite an Seite kicken – und das ist ihnen wichtig. Teil 2 der Serie über Brüderpaare im Amateurfußball des Reviers, die wir euch bis Ende des Jahres vorstellen. [i]Das Porträt[/i]

In Annen liegen ihre sportlichen Wurzeln, hier begann ihr gemeinsamer Weg. Vor der Saison 1998/1999 entschieden sie sich ganz bewusst, gemeinsam im Mittelfeld die „Abräumer“-Positionen zu besetzen. „Es war immer klar, dass wir irgendwann mal in einer Mannschaft spielen wollen“, sagt Martin, mit 26 der vier Jahre jüngere der beiden Brüder.

Ihre Jugend-Karriere verbrachten sie getrennt. „Ich habe irgendwie versucht, den Traum zu verwirklichen“, erklärt Martin seinen Irrweg durch die Ruhrgebiets-Fußballwelt, auf dem er unter anderem beim VfL Wittten 07, Eintracht Dortmund oder VfL Bochum landete. Michael Pawlitza ging einen anderen Weg. Bis zur B-Jugend spielte er beim SC Neheim, machte dann eine Sportpause und sein Abitur. Erst in Annen fand er als Zivildienstleistender wieder den Draht zum Fußball. Beim ersten Zusammentreffen der beiden Brüder war beim VfB jedoch nur Platz einen - Michael war meist nur Ersatz.[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_204.jpg Martin Pawlitza[/imgbox]

Erst bei der zweiten Mannschaft des SV Herbede erlebten sie wieder das, was sie an ihre Jugend in der polnischen Heimat erinnerte: Mit doppelter Pawlitza-Energie das Beste aus dem Spiel herausholen und das Kämpferherz in die Wagschale werfen. In Herbede konnten sie dabei wie in einem Spiegel den Alltag eines weiteren Wittener Brüder-Paares beobachten. Sie spielten mit den Zwillingen Oliver und Stefan Bosselmann.

Wenn sie sich in Herbede auch „nur“ auf B-Liga-Niveau beweisen konnten: Gemeinsam sind sie stark. „Martin und Michael halten sehr stark zusammen und schützen sich. Fast wie Zwillinge“, sagt ihr heutiger Trainer Günter Weste, der sie in diesem Jahr nach Annen zurück holte.

Familienbande auf dem Fußballplatz – das ist für die beiden auch immer wieder ein Kampf. „Wir sind die besten Kumpel, aber man fordert natürlich mehr vom anderen“, sagt Michael, nach eigener Aussage der „ruhigere Charakter“. Bruder Martin bestätigt: „Man wird schon manchmal ganz schön laut auf dem Platz. Aber selbst wenn mal härtere Worte fallen ist nachher alles wieder in Ordnung.“[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_205.jpg Michael Pawlitza[/imgbox]

Wenn sie auch fußballerisch zu den unauffälligeren Typen gehören, so nehmen die Pawlitzas doch eine wichtige Rolle innerhalb der Mannschaft ein. „Sie tragen viel zum Kollektiv bei, führen den Strafenkatalog und sprechen viel“, sagt Trainer Weste anerkennend. Vor allem Martin ist es dabei wichtig, seine Erfahrungen weiterzugeben. „Ich habe viele Trainer mitbekommen und kann jüngeren Spielern oft Tipps geben.“
Noch einmal selbst den Weg zu einer eigenen kleinen „Karriere“ zu suchen, steht für das Brüderpaar derzeit nicht zur Debatte. „Zu alt“, vermuten beide, zudem stehen sie mitten im Berufsleben – Michael als OP-Krankenpfleger, Martin als frisch diplomierter Ingenieur. „Da ist Sport eher zum Abreagieren da. Ambitionen haben wir nicht.“, sagt Michael.

Sollte jedoch beim VfB, zur Pause Tabellenfünfter der Bochumer Staffel A 3, doch noch einmal der Sprung in höhere Gefilde möglich sein, könnte sich hieran vielleicht etwas ändern. Fest steht in jedem Fall: „Wir gehen den Weg gemeinsam weiter.“

Autor: Felix Guth

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