Ein Sechstligist steht Kopf und glaubt an das Pokal-Wunder gegen den

David gegen Goliath

Neckarelz und die Chance gegen Bayern

Ulrike Weinrich (sid)
29. Juli 2009, 15:51 Uhr

Ein Sechstligist steht Kopf und glaubt an das Pokal-Wunder gegen den "Goliath. Verhandlungen über eine Sensations-Prämie laufen. Motto: "Alles ist möglich".

Beim sechstklassigen Fußball-Zwerg SpVgg Neckarelz ist vor dem Duell mit dem Rekordmeister in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals am Sonntag (17.30 Uhr/live bei Sky) in Sinsheim nichts mehr wie es war. "Für mich hat sich das Leben seit der Auslosung am 27. Juni um 18.00 Uhr verändert. Seit Wochen schlafe ich nur noch fünf Stunden die Nacht. Die Vorbereitungen auf das Spiel der Spiele sind schon enorm, das stellt alles Dagewesene in den Schatten", berichtet SpVgg-Abteilungsleiter Matthias Piringer mit leuchtenden Augen von seinem derzeitigen "Zweitjob".

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/011/676-12127_preview.jpeg Bereitet sich auf den "David" vor: "Goliath"-Coach Louis van Gaal. (Foto: firo)[/imgbox]
Und der 44-Jährige, der in einer Tankstelle und Kfz-Werkstatt arbeitet, macht keinen Hehl daraus, dass er an die Sensation gegen die Bayern glaubt. "Wenn wir bis zur Halbzeit ein 0:0 halten können, dann ist alles möglich", meinte Piringer vier Tage vor dem Duell des Verbandsligisten aus dem 6500-Seelen-Ort gegen die Münchner, die den "David" aus dem Neckar-Odenwald-Kreis offenbar richtig ernst nehmen.

Bester Beweis: Bayern-Scout Egon Coordes hat sich sogar zwei Spiele der SpVgg Neckarelz vor Ort angeschaut. Weil die Amateure den Profis in nichts nachstehen wollten, sah sich eine Delegation um Trainer Peter Hogen und Mannschafts-Kapitän Robert Lang am Mittwochabend die Partie des 14-maligen DFB-Pokalsiegers gegen den AC Mailand im Rahmen eines Turniers (mit Manchester United und Boca Juniors Buenos Aires) in der Münchner Arena live an.

Sogar Bayern-Coach Louis van Gaal zollte Neckarelz auf seine Weise Respekt. Der knorrige Coach bezeichnete die Partien gegen die internationalen Topklubs am Mittwoch und Donnerstag "nur als Vorbereitung auf unser Pokalspiel".

In Neckarelz rüsten sie sich derweil für das "Jahrhundertspiel" im mit 30.164 Zuschauern ausverkauften Ausweichquartier Rhein-Neckar-Arena. Neben der Vorfreude hat sich inzwischen aber auch Nervosität breit gemacht, nicht zuletzt bei einigen Spielern des Außenseiters. "Die stolpern dann bei den Übungseinheiten über Steine, wo gar keine sind", verriet Coach Hogen in der Rhein-Neckar-Zeitung, kündigte gleichzeitig aber selbstbewusst an, dass in den nächsten Tagen vorsorglich schon einmal eine Siegprämie ausgehandelt werden soll.

Allein an TV-Geldern kassiert die Spielvereinigung rund 100.000 Euro. Das Motto ist klar: Respekt vor Mario Gomez & Co. ja, Angst nein. Man wolle gegen das Starensemble durchaus "offensiv agieren", kündigte Hogen an. Dabei wird nichts dem Zufall überlassen. Drei Tage logierte der Verbandsligist in Krumbach in einem Hotel, in dem 1990 auch die Spieler der FV Weinheim wohnten. Diese räumten wenige Tage später die Bayern in der ersten Pokalrunde sensationell aus dem Wettbewerb (1:0). "Wenn wir das schaffen, dann wäre das das Ende meines bis dahin normalen Lebens", meinte Hogen.

Bereits bei der Auslosung hatten Hunderte Fans das Sportheim in Neckarelz, einem Stadtteil von Mosbach, belagert. Die Unterstützung vieler Fans aus ganz Deutschland scheint dem Viertplatzierten der nordbadischen Verbandsliga-Saison 2008/2009 gewiss. In den ersten 15 Stunden nach der Auslosung gab es auf der Internetseite des Underdogs 233 neue Einträge. Zudem erwies sich die Hilfe des Nachbarn 1899 Hoffenheim als Glücksfall. Der Bundesligist organisiert für das Pokalspiel der Neckarelzer in "seiner" Rhein-Neckar-Arena Dinge wie die VIP- und Medienbetreuung. Piringer: "Wie sie uns helfen, das ist sensationell."

Autor: Ulrike Weinrich (sid)

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