Udo Lattek feiert heute 70. Geburtstag

16. Januar 2005, 08:39 Uhr

Erfolgstrainer Udo Lattek feiert heute seinen 70. Geburtstag. "Ich verschwinde mit meiner Familie, um diesen Tag in Ruhe zu genießen. Auf eine große Feier verzichte ich", sagte Lattek im Vorfeld.

Heute ist es soweit: Udo Lattek wird 70. Der Erfolgstrainer will bei seinem Jubiläum allerdings auf eine große Feier verzichten und möchte den Tag im Kreis seiner Familie verbringen. Lattek ist an einen geheimen Ort verreist, um bewusst den Journalisten zu entkommen. Dies verriet Lattek vor seiner Abreise dem Sport-Informations-Dienst (sid). "Ich verschwinde mit meiner Familie, um diesen Tag in Ruhe zu genießen. Auf eine große Feier verzichte ich", sagte Lattek.

Lattek, der mit 15 Titeln vor Ottmar Hitzfeld (16) lange der der erfolgreichste deutsche Vereins-Coach gewesen ist, flieht bewusst vor dem Rummel, den er ansonsten noch gerne genießt. Als Kolumnist für die Zeitungen Welt und Welt am Sonntag beleuchtet er regelmäßig das Fußball-Geschehen in Deutschland, seine scharfzüngigen Kommentare als DSF-Experte werden gleichermaßen geliebt und gefürchtet. Sein Haus-Sender ehrt das Geburtstagskind heute (13.30 Uhr) mit einer Reportage "70 Jahre Udo Lattek".

"Knapp vor Methusalem"

Die Jobs bei Zeitung und TV möchte er auch in naher Zukunft nach bestem Gewissen erledigen. "Ich mache nur Ein-Jahres-Verträge, und die laufen Ende Juni jeweils aus. Ich will schon gerne bis zur WM 2006 weitermachen. Aber das muss dann natürlich auch die andere Seite wollen. Warten wir mal ab", erklärte der "graue Wolf", dem der Einstieg in das achte Lebensjahrzehnt nicht ganz geheuer ist. "Das ist wohl knapp vor Methusalem. Bei vielen in meinem Alter weißt du doch gar nicht, ob die noch leben", sagte er.

Deshalb ist es dem früheren Coach von Bayern München und Borussia Mönchengladbach auch wichtig, dass er über den Sommer hinaus weiter im Bereich Fußball arbeiten kann: "Sonst wäre ich auf einmal weg vom Fenster, und das möchte ich einfach nicht." Nur eines steht definitiv fest: "Als Trainer werde ich nie mehr arbeiten, auch nicht für wenige Wochen oder Monate wie damals in Dortmund." Im Sommer 2000 hatte er die Borussia als "Rentner" vor dem Abstieg gerettet, drei Jahre später war er sogar noch einmal bei Bayer Leverkusen im Gespräch.

Aber für Udo Lattek, der 2001 eine Gehirntumor-Operation erfolgreich überstanden hat, gibt es auch ein Leben ohne den Fußball. Der Hobby-Handwerker repariert nach wie vor mit Vorliebe alles selbst, was in seinen Häusern in Deutschland, Spanien und den Niederlanden auf Vordermann gebracht werden muss. Zudem erfreut er sich an seiner Rolle als Großvater, verbringt viel Zeit mit seinen Enkelinnen Jil und Pauline. Zudem pflegt er mit Akribie nahezu täglich das Grab seines im Alter von 14 Jahren an Leukämie vestorbenen Sohnes Dirk.

"Solch eine Wunde vernarbt, aber sie heilt nie. Diese wahrhaft schmerzhaften, einschneidenden Erlebnisse relativieren alles", berichtete Lattek, der nach diesem Schicksalsschlag im Jahr 1980 sein Hauptdomizil in Spanien aufgeschlagen hatte.

Der damalige Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Barcelona war zu dieser Zeit eine Flucht, und Lattek ist dem damaligen und heutigen Präsidenten Reinhard Rauball immer noch dankbar, dass der ihn seinerzeit aus einem laufenden Vertrag entlassen hat - was in den 80er Jahren schließlich nicht so üblich war wie heute, wo Verträge darauf angelegt sind, nicht eingehalten zu werden. Nicht zuletzt deshalb sprang der gebürtige Ostpreuße auch Ende der Saison 1999/2000 in die Bresche, um zusammen mit dem damaligen Trainer-Eleven Matthias Sammer die Westfalen vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit zu retten. Jung und Alt feierten am Ende den Klassenerhalt.

Kritiker-Job brachte Lattek nicht nur Freunde

Als Kritiker hat es Lattek sich mit Trainer-Kollegen wie Hitzfeld, Otto Rehhagel und dem früheren DFB-Teamchef Erich Ribbeck, mit dem er mal dick befreundet war, gründlich verscherzt. Aber auch in seiner aktiven Zeit machte er sich nicht nur Freunde. Als designierter Nachfolger von Bundestrainer Helmut Schön wagte Lattek 1970 in einer Art Majestätsbeleidigung, den sicheren Job beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) hinzuschmeißen, um bei den Bayern anzuheuern. Bemerkenswert vielleicht, dass er Uli Hoeneß und Paul Breitner, die er aus den Nachwuchsmannschaften des DFB kannte, zu den Münchnern brachte.

Bemerkenswert auf jeden Fall, dass Udo Lattek nach drei Meistertiteln, einem Pokalsieg und dem Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1974 ein Jahr später nach einem Kurzgastspiel bei Rot-Weiß Essen beim Münchner Erzrivalen Mönchengladbach anheuerte, um dort seine Revanche an den Bayern für die Entlassung nach der Hinrunde 1974/75 zu nehmen und zu beweisen, dass ein Top-Trainer auch aus einem ganz anderen Spieler-Material erfolgreiche Teams schmieden kann.

Nicht nur zwei weitere Meistertitel 1976 und 1977 sowie der UEFA-Cup-Gewinn 1979 mit Gladbach waren der Beweis. Danach der Wechsel nach Dortmund, 1981 Barcelona, wo der Europapokal der Pokalsieger gewonnen wurde: Udo Lattek, der sich gerne als Hans Albers des Fußballs bezeichnete, ist einer der wenigen Trainer, der alle drei Europapokale gewonnen hat (den Europapokal der Pokalsieger gibt es seit 1999 nicht mehr).

Lattek: "Ich habe vieles richtig gemacht"

"Wer in diesem Alter sagt, er würde im Rückblick nicht einiges anders machen, der lügt. Aber ich muss feststellen, ich habe vieles richtig gemacht", erklärte ein zufriedener Lattek, ehe er sich in den "Geburtstagsurlaub" verabschiedete.

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