Reinhard Rauball wurde bei der emotionalen Jahreshauptversammlung des Bundesligisten Borussia Dortmund mit der Rekordzahl von 1745 Mitgliedern fast einstimmig zum Präsidenten gewählt.

Rauball fast einstimmig gewählt

14. November 2004, 17:08 Uhr

Reinhard Rauball wurde bei der emotionalen Jahreshauptversammlung des Bundesligisten Borussia Dortmund mit der Rekordzahl von 1745 Mitgliedern fast einstimmig zum Präsidenten gewählt.

Borussia Dortmund hat einen neuen Präsidenten: Reinhard Rauball wurde bei der fast sechstündigen Jahreshauptversammlung mit der Rekordzahl von 1745 Mitgliedern in der Dortmunder Westfalenhalle per Handzeichen fast einstimmig und wie erwartet gewählt. Nie zuvor in der Geschichte von Borussia Dortmund wurde eine Jahreshauptversammlung in einer derart emotionalen Atmosphäre geführt. Die Bewältigung der jüngsten unrühmlichen Vergangenheit des mit 118,8 Millionen Euro verschuldeten börsennotierten Bundesligisten fand ihren Tiefpunkt in dem bereits angekündigten Rücktritt von Niebaum.

Der Jurist Rauball führte die Borussia bereits von 1979 bis 1982 und 1984 bis 1986. Niebaum trat als bisher dienstältester Präsident der Bundesliga nach 18 Jahren aufgrund wachsender Kritik zurück.

Niebaum nahm Abschied

Mit tränenerstickter Stimme und einer emotionalen Rede nahm Niebaum Abschied von seinem Amt und den anwesenden Mitgliedern. "Ich stelle nach den Vorkommnissen mein Amt auch zur Verfügung, um mein Privatleben und meine Familie zu schützen. Denn irgendwo ist jeder auch nur ein Mensch", erklärte der 56-Jährige nach den persönlichen Attacken gegen seine Person in den vergangenen Monaten. Es folgte lang anhaltender Beifall und die Würdigung seiner Verdienste durch Wegbegleiter.

Der Versuch von Niebaum, zugleich Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA (Vertrag bis 2006), der Versammlung zu Beginn mit einer persönlichen Erklärung die Brisanz zu nehmen, verfehlte jedoch seine Langzeitwirkung. Er wolle in einer sportlich und wirtschaftlich belasteten Situation des Klubs den Weg frei machen, um Neuwahlen zu ermöglichen. "Schläge gegen den Präsidenten waren auch immer Schläge gegen den Verein", sagte Niebaum bezüglich der zuletzt harschen Kritik. Sein Schritt solle bewirken, "dass der Verein zur Ruhe kommt und nicht weiter Schaden nimmt".

Schwere Vorwürfe prasselten anschließend auf Niebaum und Manager Michael Meier, in Personalunion ebenfalls Geschäftsführer der KGaA, bei der Aufarbeitung der jüngsten wirtschaftlichen Entwicklung nieder. Mit Standing Ovations honorierten die Mitglieder die Vorwürfe des ehemaligen NRW-Ministers Hermann Heinemann, der dem Führungsduo unverantwortliche Risiko- und Informationspolitik, eine schlechte Außendarstellung des Vereins sowie Entscheidungen mit mangelnder Weitsicht vorhielt. Den Tränen nahe wehrte sich Meier: "Wer ein Risiko geht, hat auch Chancen. Jetzt müssen wir uns dafür schlagen lassen. Es ist nicht einfach diese Situation zu überstehen - auch persönlich."

Zweifel am Konsolidierungsprogramm

Erhebliche Zweifel der Versammlung begleitet das am vergangenen Freitag vorgestellte Konsolidierungsprogramm mit Einsparungen in allen Unternehmensbereichen. Danach soll der BVB erstmals 2006 wieder schwarze Zahlen schreiben, nachdem ein Verlust von 67 Millionen Euro allein im vergangenen Geschäftsjahr Niebaum und dessen Finanzpolitik in die Schusslinie rückte. "Mein Ehrgeiz und Ziel als Geschäftsführer ist die Konsolidierung und Restruktuierung des Vereins", erklärte Niebaum und appellierte auch an die Profis: "Wichtiger als Aktien ist die Bindung an Borussia Dortmund, denn es ist mehr als nur ein Verein, es ist ein Lebensgefühl."

Kompetente Hilfe könnte der BVB aus der Politik erhalten. So haben SPD-Verteidigungsminister Peter Struck und CDU-Wirtschaftsexperte Friedrich Merz ihre Bereitschaft erklärt, einen Posten im Wirtschaftsrat zu bekleiden.

Trotz aller Bemühungen, die Diskussionen auf einer sachlichen Ebene zu halten, wurde auch die anwesende Mannschaft nicht verschont, die angesichts von zuletzt drei Niederlagen mit dem Pokal-Aus und der Talfahrt in die Nähe der Bundesliga-Abstiegsplätze mit Pfiffen und Buh-Rufen empfangen. Für Beifall sorgte lediglich die Nachricht von der Vertragsverlängerung des dauerverletzten Nationalspielers Christoph Metzelder bis 2007.

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