Prominente Namen im Gladbacher Trainer-Roulette

28. Oktober 2004, 15:09 Uhr

Zwar hat Rudi Völler bereits abgewunken, doch im Gladbacher Trainer-Roulette werden bereits zahlreiche prominente Namen gehandelt: Lothar Matthäus, Ottmar Hitzfeld oder Winni Schäfer.

Die Trainersuche beim abgestürzten Traditionsverein Borussia Mönchengladbach ist noch gar nicht richtig in Gang gekommen, da hagelt es bereits Absagen von prominenten Kandidaten. Sowohl Ex-DFB-Teamchef Rudi Völler als auch Christoph Daum zeigen an einem möglichen Engagement beim fünfmaligen deutschen Fußball-Meister kein Interesse - gehandelt werden indes rund um den Borussia-Park weiter ausnahmslos hochkarätige Namen, egal wie unrealistisch sie auch sind. Von Jupp Heynckes, von Lothar Matthäus, oder gar von Ex-Bayern-Erfolgscoach Ottmar Hitzfeld ist nach der Demission von Holger Fach die Rede.

"Der Name spielt eine Rolle, aber auch keine entscheidende. Wichtig ist seine Qualifikation. Wir wollen ein langfristigen Mann, keine kurzfristige Sache, wir wollen hier keine Job-Hoppelei, sondern Kontinuität", erklärte Präsident Rolf Königs zur Trainer-Diskussion.

Köppel als Platzhalter

Doch vorerst soll Platzhalter Horst Köppel, ein alter Bekannter aus besseren Gladbacher Tagen, den freien Fall in den Tabellenkeller der Bundesliga stoppen. Der bisherige Borussia-Amateurcoach wird am Samstag (15.30 Uhr/live beim Premiere) ausgerechnet gegen den deutschen Rekordmeister Bayern München nach über zwölf Jahren wieder in der Bundesliga auf dem Trainerstuhl Platz nehmen.

"Die Entwicklung war rasend schnell. Ich konnte ja schlecht nein sagen. Mir blieb doch gar nichts anderes übrig. Ich mache das nun erstmal - wie lange, wird man sehen", meinte Köppel bei seiner Vorstellung am Donnerstag und sieht sich eher nicht als Dauerlösung. Vereinschef Königs stellt klar: "Das ist für Köppel ein Trainer-Job auf Zeit, bis wir mit dem Neuen klarkommen."

Völler winkt ab

Als Nachfolger von Fach kommt auch Völler nicht in Betracht, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht. "Bis Ende des Jahres mache ich eine Pause, egal ob im Trainer- oder Management-Bereich. Das habe ich mit meiner Familie so abgesprochen. Ich bin nicht kaputt, aber mir fehlt die Frische", sagte der 42-Jährige dem Sport-Informations-Dienst (sid). Im Sommer war Völler nach dem Vorrunden-Aus bei der EM erst als Teamchef und wenige Monate später auch von seinem nur 26-tägigen Engagement als Trainer des AS Rom zurückgetreten.

Kandidanten-Liste noch nicht erstellt

Derweil wollen MG-Boss Königs und Sportdirektor Christian Hochstätter die Trainersuche intensiv vorantreiben. Neben der "großen Lösung" sind wohl auch Jürgen Röber oder Hochstätter-Kumpel Armin Veh durchaus Kandidaten. "Gespräche hat es noch keine gegeben. Die Wunschliste ist noch nicht erstellt", meinte Königs.

Dass Hochstätter an der Trainersuche überhaupt noch beteiligt ist, sorgt dabei in Gladbach für einige Verwunderung. Hatte Königs vor einem Jahr noch von der Schicksalsgemeinschaft Fach/Hochstätter gesprochen, war davon jetzt keine Rede mehr. "Wir sind der Überzeugung, dass Hochstätter gute Arbeit leistet. Eine Entlassung ist für uns kein Thema", begründete Königs tags zuvor im sid-Gespräch seine Entscheidung.

Als "Bauernopfer" musste damit lediglich Fach herhalten. Nach 13 Monaten war für den 42-Jährigen, unter dessen Regie die Borussia elf Siege, elf Unentschieden und 16 Niederlagen verbuchte, die erste Entlassung im Profifußball perfekt. Den Schlusspunkt hatte dabei die 0:3-Niederlage beim VfL Bochum am Dienstag gesetzt.

Die Ergebnisse seien laut Hochstätter für die Trennung ausschlaggebend gewesen, das soll nun unter Köppel anders werden. Doch seine Aufgabe ist schwer genug. Die Borussia steht auf einem Abstiegsplatz, am Samstag geht es gegen den Erzrivalen Bayern, dann folgt das schwere Auswärtsspiel beim Aufsteiger Mainz 05. "Vielleicht sind die Bayern jetzt der richtige Gegner. Da ist die Erwartungshaltung nicht so groß", meinte der frühere Assistent von Franz Beckenbauer bei der deutschen Nationalmannschaft.

Neuville gegen Bayern wieder dabei

Immerhin kann Köppel gegen die Bayern auf einige Leistungsträger wieder zurückgreifen. "Handballer" Oliver Neuville kehrt nach seiner zweiwöchigen Sperre ebenso wie der zuletzt verletzte Kapitän Christian Ziege ins Team zurück. Die Mannschaft zeigt indes wenig Verständnis für die Entlassung von Fach. "Ich war total erstaunt und fand es schade. Damit habe ich nicht gerechnet. Wir hatten eigentlich ein gutes Verhältnis", sagte Mittelfeldspieler Thomas Broich stellvertretend.

Um 10.00 Uhr am Donnerstag übernahm Köppel vor rund 500 Schaulustigen erstmals das Training der Profimannschaft. Dabei hatte der gebürtige Schwabe, der als Spieler mit der Borussia fünfmal Meister und zweimal UEFA-Cupsieger wurde, im Sommer 1992 nach seiner Entlassung bei Fortuna Düsseldorf eigentlich mit dem Kapitel Bundesliga schon abgeschlossen.

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