Wenn schwere Verletzungen im Fußball den Sport blitzartig zur Nebensache werden lassen, beginnt für den Betroffenen meist eine lange Leidenszeit.

Brutale Verletzungen

"Es hat geknallt, dann war ich weg"

Patrick Ryg
22. April 2009, 10:52 Uhr

Wenn schwere Verletzungen im Fußball den Sport blitzartig zur Nebensache werden lassen, beginnt für den Betroffenen meist eine lange Leidenszeit.

RevierSport online hat sich einigen Beispielen gewidmet und nachgefragt: Wie ging es nach der Verletzung weiter? Teil 5: Das Karriereende eines 22-Jährigen nach einer Kieferstarre und einem doppelten Innenknöchelbruch. Große Ambitionen hatte Robin S. In seiner Jugendzeit hatte er sogar in der Regionalliga gespielt, doch nach einer doppelten Innenknöchelfraktur musste der damals 21-Jährige eine lange Pause einlegen. Als er dann bei seinem Comeback als Torhüter bei einem schweren Zusammenprall eine Kieferstarre und weitere Prellungen und Blutergüsse erlitt, entschied sich der junge Sportler endgültig die Schuhe an den Nagel zu hängen.

Der Unfall ereignete sich bei einem Freundschaftsspiel im Oktober 2008. Es geschah Mitte der ersten Halbzeit, als der Gegner einen Ball hoch in Richtung des Tores von BW Essen schlug, das Robin S. an diesem Tag zum ersten Mal hütete. Er eilte heraus und griff sich die Kugel im Fallen. Zwei gegnerische Spieler, die zum Ball wollten, konnten nicht mehr abbremsen und prallten mit voller Wucht gegen das Gesicht von Robin S., der sofort zusammensackte. "Ich habe nur noch die Beine der Beiden gesehen. Dann hat es nur geknallt und ich war weg", beschreibt er die Situation. "Ich war zwar nicht bewusstlos, hatte aber einfach nur unendliche Schmerzen im kompletten Gesicht und habe gemerkt, dass ich meinen Mund nicht mehr schließen kann", erklärt er weiter.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/011/427-11853_preview.jpeg Krümmt sich vor Schmerzen: Torhüter Robin S.[/imgbox]Mit dem Krankenwagen ging es sofort ins nächstgelegene Krankenhaus. Vom "Glück im Unglück" konnte Robin S. später sprechen, die Röntgenaufnahmen ergaben keine Brüche, dafür aber mehrere schwere Prellungen und Blutergüsse, sowie eine Kieferstarre, die dazu führte, dass der Student seinen Mund stundenlang nicht richtig schließen konnte und erhebliche Schmerzen im gesamten Kiefer hatte.

Was sich derweil auf dem Spielfeld abgespielt hatte, war für den heute 23-Jährigen ohnehin nebensächlich geworden. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits eine Entscheidung für sich getroffen. "Das hat mir wirklich gereicht! Ich habe danach beschlossen mit dem Fußballspielen aufzuhören, auch wenn es eine meiner großen Leidenschaften war und ist."

Keine einfache Entscheidung, denn der Rot-Weiss-Essen- Anhänger hatte insbesondere in seiner Jugendzeit große Ambitionen. So kickte er unter anderem in den Junioren-Mannschaften von Schalke 04, RW Essen und in der B-Jugend sogar in der Regionalliga bei RW Oberhausen. Der erste ernsthafte Rückschlag ereignete sich im September 2006, als er sich bei einem Zweikampf eine zweifache Innenknöchelfraktur zuzog. Der damalige Stürmer musste elf Monate lang pausieren und einige Operationen über sich ergehen lassen. Die Heilung verlief alles andere als erwünscht, so dass er beschloss, nicht mehr als Feldspieler, sondern als Torhüter die Schuhe zu schnüren. Doch dieses Vorhaben war nach nur 30 Minuten wieder beendet. "Der Schiedsrichter hat weder eine Karte gegeben, noch auf Foulspiel entschieden. Die Verletzung beeinflusst mich zwar heute nicht mehr, aber es war ausschlaggebend für meine Entscheidung", sagt der 23-Jährige heute.

Autor: Patrick Ryg

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