Vorher stand er im Mittelpunkt, doch als die Lederkugel endlich rollte, war Sunday Oliseh ganz ruhig.

BVB - Olisehs Rückkehr

raka
13. September 2004, 12:12 Uhr

Vorher stand er im Mittelpunkt, doch als die Lederkugel endlich rollte, war Sunday Oliseh ganz ruhig. "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen und gebetet", verriet der Nigerianer, dass er eisern versuchte, seine Nerven im Zaum zu halten.

Vorher stand er im Mittelpunkt, doch als die Lederkugel endlich rollte, war Sunday Oliseh ganz ruhig. "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen und gebetet", verriet der Nigerianer, dass er eisern versuchte, seine Nerven im Zaum zu halten.

Das gelang ihm auch: "Ab der ersten Minute war alles einfach, vorher war es wesentlich schwieriger. Gottseidank bin ich konzentriert zur Sache gegangen, denn ich wollte meine Mannschaft auf keinen Fall schädigen." Die VfL-Fans hatten ein großes Plakat vor ihrer Tribüne ausgebreitet: "Verräter, Lügner, Oliseh - charakterloser BVB". Da schaute der BVB-Rückkehrer dezent zur Seite: "Mein Deutsch ist nicht so gut, dass ich das lesen konnte."

Auch hinterher wollte sich der einstige Olympiasieger nicht mehr dazu äußern, wer nun dieses überflüssige Spektakel in der letzten Woche angezettelt hatte, doch still und heimlich wollte er sich auch nicht aus dem Ruhrstadion verabschieden. So ging er zur Überraschung aller auf den Bochumer Fan-Block zu und klatschte in die Hände. Eine nicht zu übersehende Provokation, die von Sunday Oliseh etwas eigentümlich aufgeklärt wurde: "Ich hatte hier eine sehr schöne Zeit und wollte mich bei den Zuschauern bedanken. Als ich für den VfL gespielt habe, lag mir der Verein sehr am Herzen. Für den Vorfall habe ich mich entschuldigt. Alles andere sollte jetzt vergessen sein."

Aber auch der Gegner bohrte noch etwas in der Wunde. Dariusz Wosz, der pikanterweise sein direkter Gegenspieler war: "Ich weiß gar nicht, ob er für den VfL je Fußball gespielt hat." Peter Neururer ergänzte: "Für die Tat an sich hat er sich entschuldigt, aber nicht für die Bemerkungen über den Rassismus hinterher. Bevor er das nicht tut, werde ich ihm nicht wieder die Hand reichen." Für Bert van Marwijk war das Ganze ohnehin ein überflüssiges Theater, das für ihn exakt 120 Sekunden dauerte: "Ich habe vor der Begegnung mich eine Minute alleine mit ihm und anschließend noch Mal eine Minute mit der Mannschaft darüber unterhalten. Damit war die Angelegenheit erledigt." Hinterher meinte der Holländer noch kurz: "Er hat im Spiel die Ruhe bewahrt."

Irgendwie ist Fußball ein Show-Geschäft, aber nicht jeder Kracher, den die eine oder andere Seite zündet, entpuppt sich als Feuerwerk. Schweigen ist manchmal wirklich besser als reden.

Autor: raka

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