SCHALKE 04 - Rolf Rojek ist Medaillenträger

sb
19. August 2004, 11:09 Uhr

Rolf Rojek ist Träger der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Dem Schalker Fanbeauftragten wurde die zweithöchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland am Dienstag durch den Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen, Oliver Wittke, im Rahmen einer Zeremonie im Schloß Horst übergeben.

Rolf Rojek ist Träger der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Dem Schalker Fanbeauftragten wurde die zweithöchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland am Dienstag durch den Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen, Oliver Wittke, im Rahmen einer Zeremonie im Schloß Horst übergeben.

Am Abend feierte der Vorsitzende des Schalker Fan-Club Verbandes mit circa 100 Freunden in der Kultkneipe „AufSchalke“. In einer Laudatio lobte S04-Geschäftsführer Peter Peters den 50-Jährigen: „Alle auf Schalke sind froh, dass sie dich haben. Du hast es geschafft, die Fans, die nicht immer 1000 Freunde sind, zu vereinen.“ Um Rolf Rojek und seine ihm eigenen Art zu charakterisieren, hätte es eigentlich nur eines Blickes in das Nebenzimmer der Fanpinte bedurft. Denn dort stand später am Abend hinter verschlossenen Türen die turnusmäßige Fanordner-Besprechung an. Selbst am Ehrentag wie selbstverständlich dabei: Rolf Rojek.

Rolf Rojek, herzlichen Glückwunsch vom gesamten Reviersport-Team zur Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens des Bundesrepublik Deutschland. Wie bekommt man so eine Auszeichnung?
Der Orden wurde mir für 22 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit als Fanbeauftragter des FC Schalke 04 verliehen. Besonders für die Jugendarbeit, das Eintreten gegen Ausländerfeindlichkeit und für Zivilcourage. Eigentlich wegen all dem, was ich in den ganzen Jahren immer versucht habe zu predigen.

Haben Sie sich dafür selbst beworben, oder wer entscheidet über die Vergabe solcher Orden?
Ich glaube da hatte unser Vereinsvorsitzender Gerd Rehberg seine Finger im Spiel. Vor zweieinhalb Jahren habe ich u.a. als Nachfolger von Otto Schily und Edmund Stoiber von der Polizei den Bullenorden verliehen bekommen. Damals hat er zu mir gesagt: Rolf, für deine Arbeit hast du eigentlich noch mehr verdient und dann wurde das wohl beim Ministerpräsidenten des Landes NRW beantragt.

Und der Ministerpräsident hat dann ganz schnell den Daumen für Rolf Rojek gehoben?
Nein, so einfach war das nicht. Der Ministerpräsident schlägt einen Kandidaten beim Bundespräsidenten vor, der dann entscheidet. Aber bevor du so einen Orden bekommst, wirst du total durchleuchtet, man hinterfragt deine Arbeit, schaut, ob du irgendwelche Leichen im Keller hast. Bei mir kam hinzu, dass niemand im Ministerium überhaupt so genau wusste, was ein Fanbeauftragter eigentlich so macht.

Alles ‚Fußball-Banausen’?
Die dachten, ich wäre eine bezahlte Kraft vom Verein. Und wenn du bezahlt wirst, dann kriegst du dafür natürlich auch keinen Orden. Die Stadt und der Verein mussten dann erst einmal erklären, welchen Inhalt meine Arbeit hat und dass ich das ohne Entlohnung mache. Das war für die unverständlich. Der Gerd Rehberg hat am Dienstag noch zu mir gesagt, du ahnst ja gar nicht, was für Fragen da kamen. Die leben zum Teil in einer ganz anderen Welt.

Jetzt haben sie ja Ihr Prachtstück. Dazu gehört aber auch ein schöner dunkler Anzug, damit das Ganze richtig zur Geltung kommt. Sieht man Sie jetzt künftig nur noch in ‚edlem Tuch’ auf der SFCV-Geschäftsstelle?
Bei der Verleihung morgens hatte ich natürlich so einen feinen Zwirn an. Aber ich habe ich den Orden ja nicht bekommen, weil ich immer in Frack und Zylinder rumlaufe, sondern weil ich die Fankappe aufhabe und meine Schalke-Klamotten. Und so fühle ich mich auch weiterhin am wohlsten. Deswegen habe ich das Ding sofort nach der Ehrung ausgezogen. Am Abend war dann bereits wieder der alte Rolf. Dachte ich zumindest. Aber ich war wohl doch ein bisschen aufgeregt, so dass ich auf dem Weg zum Empfang in der Fankneipe noch einmal nach Hause musste, weil ich immer noch die Anzughose an hatte.

Mit welchen Gefühlen haben Sie die Verleihung erlebt?
Mit gemischten. Das war schon sehr stark auf meine Person abgestellt. Oberbürgermeister Oliver Wittke, der den Orden verliehen hat, hat betont, die Auszeichnung sei für mich. Ich persönlich hätte mir den verdient. Dafür, dass ich immer die Kraft und die Möglichkeiten finde beim SFCV Menschen zu begeistern für andere zu arbeiten.

Ist es nicht so?
Mag sein, aber es tut mir ein bisschen weh, wenn so ein Orden ausgegeben wird und der ist für mich selbst. Das ist mir unangenehm. Ich bin der festen Meinung ein Mensch alleine ist nicht berechtigt, einen Orden zu tragen, da gehören viele zu. Deshalb werde ich, immer wenn ich den Orden anschaue oder trage, an alle denken, die mir dabei geholfen haben, diese Auszeichnung zu bekommen. Was aber nicht heißt, dass ich nicht auch ein wenig stolz auf mich und die ganze Sache bin.

Peter Peters sprach in seiner Laudatio die Schwierigkeiten an, mit denen Sie vor allem in den Anfangsjahren zu kämpfen hatten, als viele Kritiker alles besser wussten. Haben Sie nie daran gedacht, aufzugeben?
Ich gehe jetzt in das 22.Amtsjahr. Ich habe viele Kollegen kommen und gehen sehen, Fan-Clubs und deren Vorsitzende, die voller Tatendrang waren und später aufgegeben haben. Es ist wirklich nicht einfach, so ein Ehrenamt über all die Jahre auszuüben. Das können nur ganz Harte oder halt jemand, der viele Freunde bei sich hat. Wobei ich mich nicht zu den ganz Harten zähle. Aber ich konnte das eben nur leisten, weil ich einen starken Verein und mittlerweile 1250 Fan-Clubs und 52.000 Fans hinter mir habe und weil ich genau weiß, dass die Leute mir blind vertrauen. Ich habe meinen Verein aber auch noch nie belogen. Ehrlichkeit ist eine Grundvoraussetzung.

Was war die verrückteste Anekdote in ihrer Amtszeit?
Das war im Jahr 1997. Eine Woche vor dem ersten UEFA-Cup-Finale gegen Inter Mailand musste ich erfahren, dass ich an Hodenkrebs erkrankt war. Der Doktor wollte mich damals sofort ins Krankenhaus einweisen, da dringend operiert werden musste. Ich habe ihm gesagt, da lege ich mich nicht hin, das Finale steht vor der Tür. Nach einem Riesenstreit hat er mir mit Hängen und Würgen einen Termin für den Eingriff gegeben. Aber meine Frau sollte mich anschließend überreden doch im Krankenhaus zu bleiben. Vier Stunden nach der Operation bin ich abgehauen und habe für den SFCV bei unserem Zulieferer Fahnen abgeholt.

Haben Sie eigentlich manchmal ein schlechtes Gewissen Ihrer Familie gegenüber?
Die tut mir schon leid. Eigentlich haben meine Frau und meine Kinder den Orden verdient, weil die sehr leiden müssen. Wir wohnen jetzt seit sieben Jahren wieder in Gelsenkirchen. In der Zeit war ich nur einmal mit meiner Frau für 25 Minuten im Stadtpark spazieren. Aber Schalke ist mein Leben. Und die kennen mich ja gar nicht anders. Gut, dass sie mittlerweile auch angesteckt sind und das gar nicht mehr so merken. Aber jetzt wo man 50 ist, denkt man schon ein wenig mehr nach als früher. Manchmal wäre ein bisschen Ruhe mit den Kindern und vielleicht mal Enkelkindern bestimmt nicht schlecht. Mal einfach wie andere gemütlich auf der Coach oder auf dem Balkon sitzen, ich weiß gar nicht mehr, wie das geht.

Bevor es soweit ist. Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten Jahre noch gesetzt?
Eine Stufe gibt höher gibt es ja noch. Das wäre dann für mich das Bundesverdienstkreuz. Und ich bin ja noch jung. Nein, Scherz beiseite. Ziel ist es, das was wir jetzt erreicht haben, zu halten. Wir sind der bestorganisierte Fanclubverband in ganz Deutschland mit einer Infrastruktur, die ihres Gleichen sucht. Das wird schon schwer genug, das zu festigen. Denn es wird nicht leichter ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden. Die Meisten fragen erst einmal, was bekomme ich dafür. Das ist eine Mentalitätsfrage geworden.

Zum Schluss eine hypothetische Frage. Würden Sie die Verdienstmedaille gegen die achte deutsche Meisterschaft von Schalke 04 eintauschen?
Sofort, wenn mir einer die Garantie gibt, gebe ich das Ding sofort ab. Aber noch lieber gegen einen zusätzlichen Ausbildungsplatz. Wir haben es hier in Gelsenkirchen so schwer. Die Jugendlichen tun mir leid. Wir haben bereits sechs Auszubildende auf der Geschäftsstelle, aber mehr geht nicht. Wenn mir einer das Geld gibt, einen zusätzlichen Auszubildenden drei Jahre zu finanzieren, tausche ich die Medaille ein.

Interview: Stefan Bunse

Autor: sb

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