Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, äußerte sich in einem Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) zur aktuellen Situation der DFL und zum Grundlagenvertrag mit dem DFB.

Rummenigge: "Wir sind bereit mitzumachen"

14. Januar 2004, 12:46 Uhr

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, äußerte sich in einem Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) zur aktuellen Situation der DFL und zum Grundlagenvertrag mit dem DFB.

In einem Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) bezog Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge Stellung zur Lage der DFL, dem Grundlagenvertrag mit dem DFB und den Diskussionen mit der FIFA.

sid: "Herr Rummenigge, Liga-Präsident Werner Hackmann steht in der Kritik. Wie beurteilen Sie seine von einigen zuletzt als ungeschickt bezeichneten Äußerungen in Hinblick auf eine Wiederwahl?"

Rummenigge: "Ich glaube, er hatte nach seiner Wahl einen etwas zähen Start. Aber im letzten Jahr ist er gut in seine Rolle hineingewachsen. Die Sitzungen, die wir jetzt haben, haben eine andere Qualität als noch vor zwei oder drei Jahren. Man darf Herrn Hackmann jetzt nicht zu sehr Vorwürfe machen. Das Einzige ist: Es muss abgestimmter werden - vor allem in der Öffentlichkeit. Die Qualität von Hackmann möchte ich aber nicht kritisieren. Das wäre nicht fair."

sid: "Schließen Sie eine Wiederwahl von Hackmann im Sommer aus?"

Rummenigge: "Ich weiß nicht, ob er kandidieren wird. Das muss man mal abwarten. Wenn er kandidieren will, dann werden wir uns damit befassen."

sid: "Der FC Bayern will ja künftig auch wieder eine wichtige Rolle in der DFL spielen..."

Rummenigge: "Ich würde es so ausdrücken: Mehrere Mitglieder der Bundesliga haben uns gefragt, ob wir bereit wären, im Ligavorstand mitzuarbeiten. Und unsere Meinung ist ziemlich klar. Unter der Voraussetzung, dass bestimmte Änderungen stattfinden und dass nicht politisch, sondern qualitativ gedacht wird, sind wir bereit dort mitzumachen."

sid: "Heißt das auch für Sie persönlich, dass Sie dann den FC Bayern im Ligavorstand vertreten würden."

Rummenigge: "Zwangsläufig, weil das beim FC Bayern auf mich hinauslaufen würde."

sid: "Für die Liga ist die Revision des Grundlagenvertrags mit dem DFB eine der wichtigsten Angelegenheiten der nächsten Zeit. Was möchten Sie ändern?"

Rummenigge: "Die Rechtslage. Wenn ein Spiel Bayern München gegen Borussia Dortmund stattfindet, dann gibt´s normalerweise zwei Rechteinhaber: Bayern München und Borussia Dortmund, und der DFB hat überhaupt keine Aktien in der Veranstaltung. Im Moment müssen wir aber die Rechte zurückmieten und zwar für sehr stolzes Geld von immerhin 25 Millionen D-Mark pro Jahr. Das sind alles Dinge, die man vor Jahren gemacht hat, als die Bundesliga in die Freiheit entlassen werden sollte. Aber das ist heute nicht mehr aktuell."

sid: "Aber die Bundesliga profitiert ja auch von den Länderspiel-Einnahmen des DFB?"

Rummenigge: "Das ist doch das Prinzip: rechte Tasche, linke Tasche. Wir kriegen Geld - das ist lobenswert, aber auch dort sind die Dinge diskussionswürdig. Man muss sprechen, man wird hier neue Verhandlungen haben - und dann hoffentlich eine Lösung finden mit dem DFB."

sid: "DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hat ein Spitzengespräch mit der DFL angekündigt, um in der Bundesliga schon bald zu einer Ausländerreduzierung zu kommen. Sehen Sie eine Lösung in naher Zukunft?"

Rummenigge: "Wir könnten uns einfach tun bei Bayern München. Wir haben nur den Ze Roberto und den Kuffour als Nicht-EU-Ausländer. Es kann aber keine deutsche Lösung geben, es kann nur eine europäische Lösung geben. Und wenn die auf dem Tisch liegt, dann kann man sich dazu äußern."

sid: "Und bis die europäische Lösung zustande kommt, gibt es keine deutschen Talente mehr für die Nationalmannschaft."

Rummenigge: "Ich habe das auch schon mal Mayer-Vorfelder selbst gesagt: Seine Idee ist sehr auf Schnellschuss ausgelegt. Wir haben doch jetzt überall die Talente, die auch zum Einsatz kommen. Das war doch immer der Punkt, den er kritisiert hat. Bei allen Klubs kommen sie zum Spielen - schon auf Grund der Finanzlage. Man muss da auch mal Geduld haben. Der DFB hat schließlich in der Nachwuchsarbeit zehn Jahre keinen guten Job gemacht."

sid: "Eine Ihrer weiteren Baustellen ist die G14. Die Mitglieder der Vereinigung der europäischen Topklubs haben ihren Nationalverbänden mitgeteilt, dass sie mit den neuen FIFA-Statuten nicht einverstanden sind. Warum?"

Rummenigge: "Es ist so: Seit dem 1.Januar sind neue FIFA-Statuten eingeführt worden. Und in diesen FIFA-Stuaten wird den Klubs vorgeschrieben, das Schiedsgericht des Sports in Lausanne (CAS) anzurufen. Mit dieser Klausel haben wir uns nicht einverstanden erklärt. Wir sehen das als Option, aber nicht als Obligation. Sie wissen, wir haben das leidige Thema Kompensationszahlungen für WM-Turniere auf dem Tisch: Wir hoffen alle, dass wir eine Lösung hinkriegen, aber wir sind nicht überzeugt. Deswegen ist der FIFA provisorisch mitgeteilt worden, dass wir die Anrufung des Gerichtshofs in Lausanne als Möglichkeit, aber nicht als verpflichtend sehen. Und das ist deshalb über den DFB und die anderen Nationalverbände gelaufen, weil das ein Wunsch der FIFA war."

sid: "Sie machen das also, weil sie sich den Gang vor ein ordentliches Gericht offen halten wollen?"

Rummenigge: "Ja. Wir sind nicht daran interssiert zu klagen. Wenn eine Klage zu vermeiden ist innerhalb der Fußball-Familie, dann sind wir dazu bereit. Aber wir fordern hier eine Lösung ein."

sid: "Die scheint aber nicht so aussichtsreich zu sein, nachdem FIFA-Präsident Sepp Blatter bisher das Gespräch mit der G14 kategorisch ablehnte?"

Rummenigge: "Dass er da so hart drauf reagiert, das hat mich nicht überrascht. Es ist doch völlig klar, dass man sich dagegen wehrt, wenn man Gelder zahlen muss, die man vorher nicht gezahlt hat. Aber mal abwarten."

sid: "Worauf gründet der Optimismus?"

Rummenigge: "Auf das Fair Play. Die FIFA hat ja eine eigene Fair-Play-Kampagne ins Leben gerufen. Und ich halte es einfach für fair, dass alle Beteiligten an diesem Kuchen verdienen. Bis jetzt sind die Klubs die großen Verlierer einer Weltmeisterschaft. Und es ist meine Hoffnung, dass das in Zürich bald genauso gesehen wird und entsprechend gehandelt wird."

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