SCHALKE: Djordjevic‘ langes Leiden

hb
06. Januar 2004, 10:54 Uhr

Beim Trainingsauftakt der "Königsblauen" fehlte Kristijan Djordevic. Es war am 4. Februar 2003, als der Jugoslawe im Training mit Gustavo Varela zusammenstieß und unsanft auf den Boden knallte. Auch jetzt weiß er noch nicht, wann und ob er wieder Fußball spielen kann.

Wenn S04-Coach Jupp Heynckes seine Mannschaft am heutigen Sonntag nach zweieinhalbwöchiger Winterpause wieder auf den Trainingsplatz bittet, wird ein Spieler nicht dabei sein. Während Jörg Böhme (Kreuzband-Riss) und Marco van Hoogdalem (Hüft-OP) nach ihren langwierigen Verletzungen voller Ehrgeiz ihre Stammplätze angreifen, kann Kristijan Djordjevic davon nur träumen.

Es war vor genau elf Monaten, am 4. Februar 2003, als der Jugoslawe im Training mit Gustavo Varela zusammenstieß und unsanft auf den Boden knallte. Die erste Diagnose im Marienhospital Buer lautet Bandscheiben-Vorfall zwischen dem fünften und sechsten Halswirbel, Dr. Uwe Wildförster, Chefarzt der Neurochirurgie, empfahl eine Operation. Um dies abzusichern, holte sich die medizinische Abteilung der Knappen nach einer eingehenden Untersuchung von Dr. Lesniak am Evangelischen Krankenhaus in Herne die Meinung des Würzburger Wirbelsäulen-Spezialisten Professor Klaus Roosen ein. Dieser bestätigte sowohl die Diagnose als auch die Operations-Empfehlung. Diese nahm Professor Werner Lanksch in der Virchow-Klinik in Berlin vor, Djordjevic wurde hierbei eine Platte zwischen dem fünften und sechsten Halswirbel eingesetzt. „Das war eine schlimme Zeit„, erinnert sich der 27-Jährige mit Schaudern an die ersten Tage, die voller Ungewissheit über seine sportliche Zukunft steckten, zurück.

Leider weiß Djodjevic heute, fast ein Jahr nach dem tragischen Unfall, nicht viel mehr, was mit ihm passieren wird. Im November wollte der ehemalige Stuttgarter eigentlich zurück auf den Trainingsplatz kehren. Doch erneute Kernspin-Aufnahmen zeigten, dass die Verletzung noch nicht richtig verheilt, ein Comeback war viel zu riskant. „Natürlich bin ich heiß, wieder auf dem Platz zu stehen. Aber hier geht es für mich nun einmal um mehr als das nächste Spiel„, weiß Djordjevic, dass er Geduld haben muss. Auch wenn sein Dreijahres-Vertrag auf Schalke am 30. Juni diesen Jahres ausläuft und eine Verlängerung dessen unwahrscheinlich ist. „Lieber warte ich noch ein Jahr, statt zu früh anzufangen und dann im Rollstuhl zu sitzen„, geht für den Außenstürmer, der bisher erst auf zehn Bundesliga-Einsätze bei den Blauen kam, Vernunft vor Ehrgeiz.

Varela übrigens macht Djordjevic überhaupt keinen Vorwurf. „Das war ein unglücklicher Zusammenprall, Gustavo konnte da nichts für. Als er im September selbst verletzt war, haben wir zusammen in der Reha gearbeitet und uns gut verstanden„, erzählt der einmalige Nationalspieler. Ein Schicksal, wie er es am eigenen Körper erfahren hat, will Djordjevic schließlich noch nicht einmal seinem ärgsten Feind wünschen. „Bei so einer Geschichte merkst du erst einmal, welch hohes Gut die Gesundheit ist. Das ist wichtiger als alles andere„, hat der gelernte Werkzeug-Mechaniker die schöne Welt des Fußballs von seiner anderen Seite kennen gelernt.

Autor: hb

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