Ungewohnt früh überraschen die Verantwortlichen des VfL Bochum mit den ersten Personalien für die Spielzeit 2004/05. Fakten wurden geschaffen, die auch manchmal weh tun.

VFL BOCHUM - Weichen für die Zukunft gestellt

gp
01. Dezember 2003, 09:20 Uhr

Ungewohnt früh überraschen die Verantwortlichen des VfL Bochum mit den ersten Personalien für die Spielzeit 2004/05. Fakten wurden geschaffen, die auch manchmal weh tun.

Ungewohnt früh überraschen die Verantwortlichen des VfL Bochum mit den ersten Personalien für die Spielzeit 2004/05. Fakten wurden geschaffen, die auch manchmal weh tun. So schmerzt der Wechsel von Frank Fahrenhorst, der im Sommer zum SV Werder Bremen wechselt. Doch während in den vergangenen Jahren ein Aufschrei durch die Reihen der VfL-Anhänger ging, und man einen Ausverkauf befürchtete, geht es inzwischen an der Castroper Straße wesentlich ruhiger und sachlicher zu.

Vielleicht auch, weil der VfL erst im Sommer bewiesen hat, dass der Verlust von Leistungsträgern wie Thomas Christiansen und Sebastian Schindzielorz nicht nur kompensiert werden kann, sondern sogar noch ein qualitativer Zuwachs registriert werden muss. Warum soll das nach dem Verlust von Fahnenhorst anders sein, zumal Routinier Sören Colding schon jemanden ausgeguckt hat, dem er durchaus zutraut, die Lücke zu schließen: "Im Sommer hat der VfL mit Edu einen jungen Brasilianer geholt, der sich von Tag zu Tag im Training steigert. Ich traue ihm zu, dass er in einem halben Jahr den Sprung in die erste Liga vollzogen hat." Und auch die Verpflichtung von Tommy Bechmann, der für eine Ablöse von 1,2 Millionen Euro zum VfL wechselt, führt keinesfalls zu einer "Stürmerschwemme", sondern ist ein Vorgriff auf einen weiteren schmerzlichen Verlust.

Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass Bayer Leverkusen längst gute Kontakte zu den Beratern von Slavo Freier hat. Und weil der VfL sein größtes Talent der letzten Jahrzehnte nicht wieder zum Nulltarif aus dem Stall laufen lassen möchte, gibt es nur eins: Den Nationalspieler zum Höchstpreis zu verscherbeln. Das ist bitter, das tut weh, aber es ist unverzichtbar, wenn man den Verein halbwegs seriös durch das unruhige Erstligafahrwasser führen will. Lässt man Freier im Sommer bei einem Topangebot aus Leverkusen ziehen, hat man die Lücke, die der Nationalspieler zweifelsfrei hinterlässt, schon geschlossen.

Wenn Bechmann zu Recht auf den Wunschlisten europäischer Spitzenteams steht, und der VfL vielleicht mal wieder einen Tick schneller war als die Konkurrenz, dann hat Peter Neururer wieder einen Coup gelandet. Colding: "Was der Verein derzeit personell macht, ist einfach prima. Auch bei Fahne haben sie alles versucht, wenn es dann nicht klappt, muss man halt etwas anderes tun." Ins gleiche Horn bläst auch Rein van Duijnhoven: "Der VfL macht seine Sache sehr gut. Wir haben einige recht gute Augen. Ich hätte es für unmöglich gehalten, dass ein Spieler wie Bechmann an die Castroper Straße wechselt."

Mit Weitblick darf man auch die Verpflichtung des Youngsters Misimovic (Bayern-Amateure) bezeichnen, der derzeit bei den Profis nur deshalb keinen Fuß gefasst hat, weil mit Makaay, Santa Cruz und Pizarro millionenschwere Felsbrocken den Weg blockieren. Vorstandsmitglied Dieter Meinhold: "Solange wir agieren, statt zu reagieren, sind wir auf jeden Fall in der besseren Position." Offensive Personalpolitik - vielleicht nicht das schlechteste Mittel für einen Klub wie den VfL Bochum.

Autor: gp

Kommentieren