Der abstiegsbedrohte Oberligist VfB Hüls wird vorerst am zuletzt stark in die Kritik geratenen Trainer Ingo Anderbrügge fest halten. Das ergab eine Krisensitzung im Vereinsheim am Hülser Badeweiher am heutigen Freitagmorgen, an dem der Vorstand und Ex-Profi Anderbrügge teilnahmen. Ganz schadlos kam der ehemalige Schalker „Eurofighter“ aber nicht aus der Sache heraus. In einer schriftlichen Erklärung teilte die Vereinsführung mit, dass die Aussagen, die Anderbrügge nach dem 0:5-Debakel gegen den FC Schalke 04 II in der Pressekonferenz geäußert hatte, vom Vorstand ausdrücklich missbilligt würden.

VfB Hüls: Wackelt der Stuhl von Ingo Anderbrügge?

Ex-Profi darf (vorerst) weitermachen

Thomas Ziehn
17. November 2006, 17:57 Uhr

Der abstiegsbedrohte Oberligist VfB Hüls wird vorerst am zuletzt stark in die Kritik geratenen Trainer Ingo Anderbrügge fest halten. Das ergab eine Krisensitzung im Vereinsheim am Hülser Badeweiher am heutigen Freitagmorgen, an dem der Vorstand und Ex-Profi Anderbrügge teilnahmen. Ganz schadlos kam der ehemalige Schalker „Eurofighter“ aber nicht aus der Sache heraus. In einer schriftlichen Erklärung teilte die Vereinsführung mit, dass die Aussagen, die Anderbrügge nach dem 0:5-Debakel gegen den FC Schalke 04 II in der Pressekonferenz geäußert hatte, vom Vorstand ausdrücklich missbilligt würden.

Desweiteren erwarte man eine Reaktion der Mannschaft im Meisterschaftsspiel am Sonntag (14.15 Uhr) bei der ebenfalls in Abstiegsnot geratenen SG Wattenscheid 09. Ungeachtet des Spielausgangs werde es in der kommenden Woche abermals eine Sitzung geben. Dann will der Vorstand mit dem Mannschaftsrat sprechen. Der VfB Hüls steht nach zwölf Spielen ohne Sieg in Folge abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz.

Auslöser für das heutige Gespräch waren die Vorkommnisse nach der Niederlage gegen die Oberliga-Reserve des FC Schalke 04. In der Pressekonferenz hatte Ingo Anderbrügge die VfB-Spieler Ercan Kacar, Kadir Mutluer und Andreas Beckmann öffentlich kritisiert und aus dem Kader geworfen. „Die Spieler schaden in der jetzigen Form der Mannschaft und nehmen ihre Führungsrolle nicht wahr. Außerdem kommen sie nicht regelmäßig zum Training“, begründetet der Ex-Schalker seine Maßnahme. Später fügte er noch an: „Ich gehe meinen Weg hier weiter, wenn man mich lässt.“ Horst Darmstädter, Fußball-Boss beim VfB, reagierte prompt. „Das ist nicht die Art des Vereins. Er kann nicht einfach so vorgehen, noch dazu ohne unser Wissen“, zürnte der 69-Jährige.

Eigentlich sollte es bereits am Donnerstag Abend zur Aussprache kommen, doch Anderbrügge musste kurzfristig absagen. Heute wurde die Suspendierung von Beckmann, Kacar und Mutluer dann aufgehoben. Bis zur endgültigen Klärung gehören die drei Amateure wieder zum Aufgebot der Marler. „Es ist doch klar, dass die Drei nicht regelmäßig trainieren können. Sie sind berufsmäßig stark eingebunden. Das ist nun einmal bei Amateur-Vereinen so, dass Spieler auch andere Verpflichtungen haben. Genau das muss Ingo noch verstehen lernen“, nimmt Darmstädter die Spieler in Schutz.

Die Gründe für die Talfahrt des „Oberliga-Dinos“, der seit Einführung der Oberliga Westfalen in der Saison 1994/1995 dabei ist, sind vielschichtig. Besonders der Abgang von Top-Torjäger Seyfullah Kalayci, der vor der Saison zum Verbandsligisten Germania Gladbeck wechselte, konnte nie kompensiert werden. Allein Kalayci zeichnete sich in der letzten Saison für 27 Hülser Treffer verantwortlich. Trotz eines kurzen Gastspiels beim Gelsenkirchener Bezirksligisten YEG Hassel holte sich Kalayci die Torjägerkrone. Nach 13 Spieltagen bringt es die gesamte VfB-Mannschaft auf gerade einmal acht Tore. Dem 3:0-Erfolg bei Aufsteiger Oestrich-Iserlohn am ersten Spieltag folgten zwölf Spiele ohne dreifachen Punktgewinn. Vom vierten bis zum zehnten Spieltag kassierte die Anderbrügge-Elf sieben Pleiten in Folge. „Unsere Neuzugänge waren fast allesamt Spieler aus unteren Ligen oder aus der Jugend. Von den sogenannten Führungsspielern stehen mir meist nur zwei oder drei zur Verfügung. Die Truppe braucht aber mehr Leader-Typen“, sucht Anderbrügge nach Gründen für die andauernde Misere.

Der Verein versuchte, mit weiteren Neuverpflichtungen dagegen zu halten. So wurde kürzlich der bundesligaerfahrene Dame Diouf geholt, um der wackeligen Badeweiher-Abwehr (26 Gegentore) mehr Stabilität zu verleihen. Für die Offensive kamen Pascal Seitz, der unter anderem für den MSV Duisburg II aktiv war, und der Ex-Schalker Miguel Pereira. Der Angolaner war zuletzt vertragslos und kickte bereits von 2003 bis 2005 für die Marler.

Am Sonntag kommt es im Wattenscheider Lohrheidestadion zum absoluten Krisengipfel zwischen der SG 09 und dem VfB. Die Voraussetzungen scheinen klar: Bei einer Niederlage wird es für die Badeweiher-Elf ganz schwer, die Liga zu halten. Der Abstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz beträgt aktuell vier Punkte. Mit einem „Dreier“ könnte auch die SGW (acht Punkte) den Hülsern enteilen. Und nach dem Duell in Wattenscheid warten mit dem FC Gütersloh und dem SV Lippstadt ungleich schwerere Aufgaben auf Ingo Anderbrügge und seine Mannschaft.

Autor: Thomas Ziehn

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren