Uwe Ransmans ist Schiedsrichter aus Passion, auch am letzten Sonntag war der Unparteiische des SV Herbede wieder einmal im Dienst - dies wurde ihm zum Verhängnis.

Schiedsrichter-Unfall

"Das grenzt an Körperverletzung"

02. September 2008, 12:26 Uhr

Uwe Ransmans ist Schiedsrichter aus Passion, auch am letzten Sonntag war der Unparteiische des SV Herbede wieder einmal im Dienst - dies wurde ihm zum Verhängnis.

Der 48-Jährige pfiff das Spiel der SpVg Linderhausen gegen das Reserveteam des TuS Ennepetal. Doch was nach 15 Minuten auf dem Sportplatz "An den Tannen" passierte, hatte vor allem für den "Mann in Schwarz" verhängnisvolle Folgen.

Die A-Liga-Partie zwischen den Kickern aus Schwelm und der Ennepetaler U23 wurde pünktlich um 15 Uhr angepfiffen. Die favorisierten Gäste gingen früh in Führung, aber noch bevor ein Drittel der ersten Halbzeit absolviert war, folgte die Schrecksekunde für den Spielleiter. Uwe Ransmann trat in ein Loch, knickte um und blieb mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Linderhausener Asche liegen.

Michael Grüner, seit Saisonbeginn Trainer im Schwelmer Ortsteil, hat die Situation unmittelbar mitbekommen: "Der Schiedsrichter ist zusammengesackt und der Knöchel sofort richtig dick geworden, da habe ich mir schon gedacht, dass die Bänder durch sind". Ransmann wurde vom Platz getragen und mit der Ausrüstung der Gastmannschaft behandelt, doch eine Fahrt ins Krankenhaus war für den Leidtragenden unausweichlich.

Schiri droht lange Arbeitsunfähigkeit

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/006/947-7246_preview.jpeg Marode Aschenplätze - ein Risiko für Aktive und Schiedsrichter. RS-Foto: Knopp[/imgbox]
"Ich hatte Glück, dass mein Neffe mit mir da war, der hat mich dann mit dem Auto nach Blankenstein ins Krankenhaus gefahren", berichtet der Verletzte. Wenig später erfuhr er dort die ernüchternde Diagnose. Die Bänder des Sprunggelenks sind durchgerissen, die nächsten Wochen muss Ransmann eine Erkerschiene tragen und an Krücken gehen. Fatal: Der Unparteiische arbeitet "im wahren Leben" im Garten- und Landschaftsbau. Da kann eine solche Verletzung mit einer bis zu achtwöchigen Schonfrist nicht am Schreibtisch auskuriert werden.

Dementsprechend verständlich ist der Groll des Geschädigten: "Der Zustand des Platzes grenzt an Körperverletzung. Eigentlich müsste man rechtliche Schritte gegen die Stadt Schwelm unternehmen. So etwas habe ich meiner 16-jährigen Laufbahn als Schiedsrichter und auch davor in 20 Jahren als Fussballer nicht erlebt. Nach dem Unfall bin ich nun erstmal bis 11. September krankgeschrieben, dann muss man weiter sehen."

"Wir haben kein Geld, geht doch woanders hin."

Dass Ransmann eigentlich dem Kreis Bochum angehört, aber im Austausch mit dem Hagener Kreis auch auf die dortigen Plätze geschickt wird, macht die Sache fast noch tragischer.

"Dass der Platz nicht der beste ist, wissen wir selber", kommentiert Helmut Seifert, Fußball-Abteilungsleiter in Linderhausen, den Vorwurf des Unparteiischen. "Aber bevor die Stadt Schwelm was macht oder unserem Antrag auf einen Kunstrasenplatz nachkommt, sagen die: 'Wir haben kein Geld, geht doch woanders hin.' "

Michael Grüner, der das Geläuf von den wöchentlichen Übungseinheiten kennt, stößt ins gleiche Horn: "Ich kenne den Platz nicht anders, die Qualität ist gleichbleibend schlecht. Das ist fast ein Wunder, dass dort nicht noch mehr passiert."

Sicherheitsrisiko: Nachholspiel am Abend

Nun wird das Spiel vom Sonntag nachgeholt werden müssen, wie die Vorsitzenden der Schiedsrichter-Ausschüsse in Hagen und Bochum unisono bestätigen. "In der A-Liga muss ein neutraler Schiedsrichter, der mindestens für die B-Liga zugelassen ist, vor Ort sein, damit das Spiel fortgesetzt werden kann", erklärt Theo Menneke, Chef der Bochumer Unparteiischen. Hauptproblem neben der geforderten Neutralität: Der Ersatzmann muss das Spiel von der ersten Sekunde an gesehen haben, sonst bleibt nur der Abbruch und die spätere Wiederholung.

Und die wird wohl unter der Woche, also abends, über die buckelige Linderhausener Bühne gehen. SpVg-Übungsleiter Grüner schwant nichts Gutes: "Unser Platz liegt zwar idyllisch, aber die Lichtverhältnisse sind katastrophal." Der Schiedsrichter des Nachholspiels ist also schon gewarnt, damit ihm nicht das gleiche wie Uwe Ransmann widerfährt. "So eine Kacke wünsche ich keinem, egal ob Schiedsrichter oder Aktiver", schüttelt der wütend den Kopf.

Autor:

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Rubriken

Kommentieren