Dass der Stadt seit Ende der Woche ein Schreiben vorlag, in dem vom DFB aus Frankfurt der endgültige Beschluss mitgeteilt wurde, dass Essen nicht als Austragungsort für die WM der Frauen in Frage kommt, vermeldete RS bereits am Sonntag.

Frauen: Für die Kulturhauptstadt 2010 ist die Blamage perfekt

Essen schaut in die „WM-Röhre“

Oliver Gerulat
10. Juli 2008, 09:37 Uhr

Dass der Stadt seit Ende der Woche ein Schreiben vorlag, in dem vom DFB aus Frankfurt der endgültige Beschluss mitgeteilt wurde, dass Essen nicht als Austragungsort für die WM der Frauen in Frage kommt, vermeldete RS bereits am Sonntag.

Der Versuch, dazu eine Meinung der Verantwortlichen zu bekommen, scheiterte an der Aussage, dass alle zitierfähigen Menschen im Urlaub weilen würden – von Stadtdirektor Christian Hülsmann hoch bis zum Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger. Bereits im Mai kamen vom Organisations-Komitee Signale, dass Essen sich wohl von den eigenen Ambitionen verabschiedet hätte, selbst Gesprächstermine wurden offenbar von der Stadt abgesagt. Über was sollten die Verantwortlichen auch referieren – über leere Hände?

Auch wenn die Stadt-„Macher“ – namentlich Hülsmann – damals mit Überraschung reagierten. Die war sicherlich taktisch!
Nun hatte man ein Wochenende Zeit, sich kräftig Gedanken zu machen, was man dazu sagen könnte, dass die Kulturhauptstadt 2010 ein Jahr später nicht im Fokus der Weltöffentlichkeit stehen wird. Wie schreibt das Rathaus doch treffend: „Hintergrund sind die nach wie vor nicht realisierten Stadionpläne.“

Die endgültige Entscheidung des Verbandes aus Frankfurt fällt im Herbst, kurzfristige Detailangaben, erklärt die Stadt, zur Unterbringung der Medien und der Ehrengäste sowie zum Ticketverkauf, würden benötigt. Hülsmann: „Die Absage ist zwar bedauerlich, auf der anderen Seite aber auch verständlich. Im derzeitigen Stand der Planungen können wir diese Detailangaben nicht liefern.“

Die Konkurrenz um die deutschen Gastgeberrollen schlief nicht, dort stehen Stadien. Die Initiative, eine Arena zu verwirklichen, ging von Rot-Weiss Essen und dem Frauenbundesligisten SG Schönebeck aus. Das war Anfang 2007. Ein neues Stadion sahen die Verantwortlichen damals nicht in weiter Ferne. Hülsmann: „Aus bekannten Gründen ist es nicht dazu gekommen.“

So dass man sich nicht auf Augenhöhe mit Bochum, Bielefeld, Mönchengladbach und Leverkusen befindet. Hülsmann spricht von im Vorfeld ohnehin „deutlich gesunkenen Chancen“, weil der Weltverband FIFA einer Aufstockung des Teilnehmerfeldes von 16 auf 24 Nationen eine Absage erteilte. Der Pool an möglichen Standorten basierte damals auf der 24er-Annahme des DFB. Wichtig für Hülsmann: „Die Entscheidung des DFB ändert nichts an der zeitlichen Abfolge der mittlerweile von der Stadt übernommenen Stadionplanung.“

Die Absage hätte sogar den Vorteil, dass keine WM-spezifischen Mehrinvestitionen geleistet werden müssten. Wobei gerade mit dem Titel der Kulturhauptstadt 2010 die WM 2011 sicherlich gut harmoniert hätte. Hülsmann: „Dieses weltweit immer interessanter werdende Ereignis wäre eine tolle Sache für unsere Stadt gewesen.“

Und nun muss man sich bemühen, dass über diese Blamage schnell Gras wächst. Dass dies genau eine solche ist, dahingehend legte sich Hülsmann bereits im Oktober 2007 fest. Eine städtische Entscheidung über den Stadionbau wird es wohl erst im September geben: Für die WM-Planung viel zu spät.

Autor: Oliver Gerulat

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