Für Werder Bremen geht es heute um alles.

Werders Stunde der Wahrheit im Nou Camp

"Ein Ausrufezeichen in Europa setzen"

cleu
05. Dezember 2006, 08:51 Uhr

Für Werder Bremen geht es heute um alles.

Für Werder Bremen steigt heute ohne Zweifel das Spiel des Jahres. Für den größten Coup in der 107-jährigen Vereinsgeschichte braucht der Bundesliga-Tabellenführer am letzten Spieltag der Champions-League-Gruppenphase (20.45 Uhr/live bei Premiere) das Wunder von Barcelona. Ein Unentschieden beim Pokalverteidiger FC Barcelona würde dem deutschen Vize-Meister reichen, um zum dritten Mal hintereinander das Achtelfinale zu erreichen.

Trotz aller Brisanz war viel Gelassenheit an Bord des Lauda-Air-Fluges OS 9781, als die Sondermaschine am Mittag in der katalanischen Metropole landete. "Barcelona ist Favorit, weil sie der Titelverteidiger sind. Aber wir haben die Qualität, dort zu bestehen", sagte Bremens Mittelfeldregisseur Diego vor dem Aufeinandertreffen mit seinem brasilianischen Landsmann Ronaldinho.

Barcelonas missglückte Generalprobe

Doch während der Superstar von Barca in der Primera Division geschont wurde, musste Diego in der Bundesliga über 90 Minuten ran. Die richtige Entscheidung von Werder-Trainer Thomas Schaaf, denn während sein Team gegen Hertha BSC Berlin mit 3:1 die Oberhand behielt, reichte es für die Katalanen bei UD Levante, alles andere als eine Spitzenmannschaft, nur zu einem 1:1. "Jeder Trainer hat seine Art. Wir denken, dass es gut ist, wenn unsere Spieler im Rhythmus bleiben", meinte Werder-Sportdirektor Klaus Allofs.

Für den Ex-Nationalspieler wäre das Weiterkommen ein tolles Geschenk zum 50. Geburtstag am Dienstag und eine Sensation zugleich, andererseits aber auch keine Überraschung: "Wenn wir uns durchsetzen sollten, hat das nichts mit Zufall zu tun. Es sind in der Vorrunde keine glücklichen Dinge passiert, die uns begünstigt haben. Wir hätten es uns richtig verdient."

Nach zwei Pflichtsiegen gegen das Tabellenschlusslicht Lewski Sofia sorgte insbesondere der 1:0-Erfolg gegen Englands Meister FC Chelsea aus London für Aufsehen in Europa. Und wäre Barcelona nicht im Hinspiel zwei Minuten vor dem Abpfiff noch der 1:1-Ausgleichstreffer gelungen, die Norddeutschen hätten auf dem Rasen von Nou Camp ihre Weihnachtsfeier ausrichten können, Barca wäre bereits ausgeschieden gewesen.

So aber brauchen die Grün-Weißen ein Remis, "um ein Ausrufezeichen in Europa zu setzen", wie Schaaf erklärte. Doch von diesem einen Spiel wolle er seine persönliche Bilanz der Vorrunde nicht abhängig machen: "Wir haben schon jetzt erneut bewiesen, dass wir zu Recht in der Champions League mitspielen. Mit zehn Punkten sind Teams in anderen Gruppen schon längst in der nächsten Runde."

Fast 100.000 Fans im Stadion

Wie die Gastgeber mit der für sie ungewohnt kniffligen Situation umgehen können, ist für Allofs die Schlüsselfrage: "Da werde fast 100.000 Menschen sitzen, die nichts anderes erwarten, als dass der Titelverteidiger auf keinen Fall ausscheidet." Ein solches Malheur ist in der Königsklasse im Übrigen noch nie einem Klub passiert.

Barca-Coach Frank Rijkaard dürfte hingegen der Spaß vergehen, wenn sein Team wirklich vorzeitig scheitern sollte. Um seinen Job in der Olympiastadt von 1992 hingegen muss er sich auch dann nicht sorgen, wenn man den Worten von Präsident Juan Laporta Glauben schenken darf: "Wir haben den besten Trainer der Welt. Er kann bei uns bleiben, so lange er will und so lange er sich wohl fühlt."

Autor: cleu

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