Eindhoven träumt vom großen Coup gegen Milan

as
26. April 2005, 09:10 Uhr

Mit dem Rückenwind des niederländischen Meistertitels tritt der PSV Eindhoven heute beim AC Mailand im Halbfinal-Hinspiel der Champions League an. Das selbsternannte "hässliche Entlein" hat deswegen kaum gefeiert.

Training statt Meisterfeier - aber die Profis des PSV Eindhoven haben wohl gerne auf ausschweifende Partys verzichtet. Seit Samstag vorzeitig und zum 18. Mal ist der PSV niederländischer Meister, doch völlig unerwartet stehen noch höhere Aufgaben an. Die Mannschaft von Trainer Guus Hiddink gastiert schließlich heute (20.45 Uhr/live bei Premiere) beim AC Mailand zum Halbfinal-Hinspiel der Champions League. "Darauf soll sich jeder konzentrieren", sagte der Coach und bat schon am Sonntagmorgen wieder zum Dienst.

Hiddink verneigt sich vor seiner Mannschaft

Der PSV Eindhoven gilt als krasser Außenseiter und sieht sich im Schatten der europäischen Glitzer-Klubs auch selbst so. "Wir sind die hässlichen Entlein dieser Champions-League-Saison", sagt Hiddink schmunzelnd. Aber auch hässliche Entlein können schwimmen - und wie: Vorrunde locker überstanden, im Achtelfinale den Vorjahresfinalisten AS Monaco ausgeschaltet, im Viertelfinale Werder Bremens Albtraum Olympique Lyon. "Diese Mannschaft hat bisher einen unglaublichen Job gemacht, es ist schon eine großartige Leistung, dass wir unter den letzten Vier sind", betont der Coach in aller Bescheidenheit.

Zum zehnten Mal steht Milan im Halbfinale des Landesmeister-Wettbewerbs oder der Champions League und zog bis auf das erste Mal (1955/56) auch stets ins Finale ein. Seine letzten sieben Heimspiele in der Champions League hat der Klub gewonnen. Und gegen keine ausländische Mannschaft haben die "Rossoneri" je ein europäisches Halbfinal-Heimspiel verloren. Hiddink ficht diese vermeintliche Chancenlosigkeit überhaupt nicht an: "Wir haben keine Angst, weil ohnehin jeder davon ausgeht, dass Milan gewinnt. Wir schauen mal, ob wir sie überraschen können."

"Im August bei Null angefangen"

Wie 1988, als in den Niederlanden Meisterschaft und der Pokal und dazu im Endspiel von Stuttgart auch der Europapokal der Landesmeister (6:5. n.E. gegen Benfica Lissabon) gewonnen wurde, musste Guus Hiddink vor der Saison erst einmal eine neue Mannschaft zusammenstellen. "Wir haben im vergangenen August bei Null angefangen. Das war eine schwierige Herausforderung, aber sie hat mich gereizt", berichtet Hiddink. Seine Spürnase ließ ihn nicht im Stich. Weltweit fahndete er nach Spielern, um gestandene Akteure wie den zwischenzeitlich von Borussia Dortmund umworbenen Mark von Bommel und Philip Cocu herum baute er ein harmonisches Ensemble der Namenlosen auf - wie zur WM 2002 auch den Gastgeber und späteren Halbfinalisten Südkorea. "Wir haben weise eingekauft", sagt Hiddink.

Der Unterschied zum AC Mailand könnte größer nicht sein. "Wir bewegen uns auf zwei komplett unterschiedlichen Ebenen. Mit unserem Budget können wir vielleicht zwei hochklassige Spieler kaufen, aber nicht eine ganze Mannschaft wie Milan", betont Hiddink. Doch der PSV-Coach bleibt gelassen, "manchmal kann ja ein kleines Team ein großes schocken."

Ancelotti ist vorgewarnt

Tatsächlich graut es dem AC Mailand auch ein wenig vor den "hässlichen Entlein". Innenverteidiger Alessandro Nesta ist gesperrt, Trainer Carlo Ancelotti sorgt sich zudem um die Einsatzbereitschaft von Jaap Stam und Spielmacher Andrea Pirlo. Nicht ins Konzept passt ihm auch, dass Milan weiter Kopf an Kopf mit Juventus Turin (je 73 Punkte) der italienischen Meisterschaft hinterherrennt und Eindhoven bereits am Ziel ist. "Ich würde gerne tauschen", sagte Ancelotti. Dass der PSV mit dem Rückenwind von "frischem Lorbeer" in Mailand anreise, "macht unsere Mission nicht einfacher". Zumal den Niederländern auch keine Meisterfeier in den Knochen steckt.

Autor: as

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