So schnell kommt man zu einer Zusatzmotivation, im Fußball noch einmal richtig Gas zu geben. Wattenscheids Jennifer Bucru-Düner ist jetzt zweifache türkische Nationalspielerin.

SGW: Auch Inan könnte bald zur türkischen Auswahl "nachziehen"

Aus dem Käfig in die "Natio" - Düners internationale Berufung

Oliver Gerulat
17. November 2007, 10:44 Uhr

So schnell kommt man zu einer Zusatzmotivation, im Fußball noch einmal richtig Gas zu geben. Wattenscheids Jennifer Bucru-Düner ist jetzt zweifache türkische Nationalspielerin. "Damit habe ich ehrlich auch nicht mehr gerechnet", grinst die 28-Jährige, "das war schon fast Zufall." Alles im Rahmen des Aufbaus einer Auswahlmannschaft des Staates. "Von dem Bemühen wusste ich schon seit zwei Jahren", erklärt die offensive Allrounderin, "allerdings war mir nicht klar, wie ich den Kontakt herstellen sollte."

[box_rsprint]Alles ging dann im Türkei-Sommer Urlaub im beliebten Ferienort Yalova, 24 Seemeilen von Istanbul entfernt, seinen Gang, wo Düner Sonnentage mit SGW-Teamkollegin Nadija Inan verbrachte. "Wir spielten mit ein paar Jungs in einem Käfig Fußball." Wobei der Grund der Reise auch der regelmäßige Besuch bei ihrem Vater Rahmi war, den Düner eigentlich erst mit 18 richtig kennenlernte, da er sich früh von Mutter Agnes scheiden ließ und in die Türkei zurückkehrte. "Mein Papa ist natürlich jetzt so richtig stolz", schmunzelt die kaufmännische Angestellte. Kein Wunder, stellte er doch selbst den Kontakt zum Verband und Nationalcoach Hamdi Aslan und Co-Trainerin Nihan Su her, die er einlud, sich das "Gebolze" im Käfig doch einmal anzuschauen. Was auch geschah. Klar, an einem Talent, auch wenn es schon 28 Lenze aufweist, geht man nicht vorbei.

Die Einladung zum Lehrgang erfolgte prompt, alles natürlich mit einer klaren Ansage. "Nadija und ich sollten vorbei kommen, wenn wir nicht überzeugen würden, wäre das aber auch alles sehr schnell vorbei", erinnert sich Düner. Für Inan, die auch einen türkischen Vater hat, sowieso, da sie krank wurde (Mandel-OP). Düner überzeugte, durfte bei einem offiziellen UEFA-Turnier mitspielen, einmal gegen Bulgarien (2:2) und einmal gegen Aserbaidschan (4:2). Erfolgreich, beim Remis gegen Bulgarien gelang sogar ein Treffer. "Das waren ganz offizielle Spiele, ich musste auch vorab brieflich gegenüber der UEFA erklären, dass ich mich für die türkische Nationalmannschaft entschieden habe."

Weil Düner die doppelte Staatsbürgerschaft hat. "Ich bin schon seit jeher in der Nüfüs eingetragen." So was wie das türkische Einwohnermeldeamt. Alles auf Bestreben des Vaters, den sie lange nur von Fotos kannte. "Als ich ihn mit 18 wiedersah, war sofort die Vater-Tochter-Beziehung da, das war ganz toll", erinnert sich die Ex-Flaesheimerin, die immerhin schon einmal mit dem damaligen Club aus dem Vest, der dann pleite ging, im DFB-Pokalfinale stand (1:2 gegen den 1.FFC Frankfurt).
Dem Lehrgangs-Camp in Izmir wird bald die nächste Einladung folgen, dann wird der Gegner in einem Länderspiel Estland heißen. "Alles wohl erst 2008", vermutet Düner. Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2009 in Finnland bestreiten die Türkinnen nicht, die WM 2011 in Deutschland könnte man vielleicht ins Auge fassen. "Ich wäre dann 32", überlegt Düner, "das wäre doch was." Vor allen Dingen, wenn Bochum Austragungsort werden würde, dann wäre sie auch als Fremdenführerin gefragt. "Ich weiß gar nicht, was Bermuda Dreieck auf Türkisch heißt." Das ist bekanntlich das Kneipen-Viertel der Stadt. Überhaupt ist die Sprache ihres Vaters eher dürftig entwickelt, so dass während des Lehrgangs das Englische bemüht wurde. "Ich kenne nur ein paar Brocken Türkisch, allerdings habe ich gemerkt, dass ich kurzer Zeit schon einiges neu lernte."

Autor: Oliver Gerulat

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