Auf die Tribüne am Lüttinghof setzen sich selten Zuschauer, die meisten stehen auf der gegenüberliegenden Seite.

YEG Hassel

Spiel gewonnen, Trainer verloren

Tim Lievertz
26. März 2017, 21:45 Uhr
Foto: Funke Foto Services

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Auf die Tribüne am Lüttinghof setzen sich selten Zuschauer, die meisten stehen auf der gegenüberliegenden Seite.

Nach dem Abpfiff der Fußball-Westfalenliga-Partie zwischen YEG Hassel und Victoria Clarholz (4:2) nahmen auf dieser Tribüne auf einmal die Spieler von YEG Hassel Platz. Trainer Oktay Güney stellte sich vor sein Team und teilte ihm mit, dass er am Saisonende seinen Hut nimmt. Es wurde kurz still auf der Tribüne, Güney erläuterte seine Gründe, dann gab es Applaus. „Es waren sechs geile Jahre, aber irgendwann ist auch mal Schluss“, sagte er.

„Ich habe mir in den letzten Wochen viele Gedanken gemacht. Das alles hier ist sehr zeitaufwendig. Und ich möchte mehr Zeit für meine Familie haben“, erklärte Oktay Güney. „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es zu hundert Prozent. Und da hat die Familie am Ende gewonnen. Ich konnte nie mit ihnen in den Urlaub fliegen.“

Apropos Urlaub: Den hätte Oktay Güney auch während der ersten 30 Minuten gegen Victoria Clarholz machen können. Bei strahlendem Sonnenschein „hätte ich mir in der ersten halben Stunde eigentlich eine Sonnenliege holen und das Spiel genießen müssen“, sagte er grinsend.
YEG Hassel ließ den Ball geschickt laufen und spielte im richtigen Moment nach vorne. Die Gastgeber waren in dieser Phase sogar mehr als nur eine Klasse besser. Und zur Freude von Oktay Güney spiegelte sich die Überlegenheit auch im Ergebnis wieder. Enes Demircan (3.) und Arthur Fell (16.) stellten die Weichen früh auf Sieg. Da wussten die Spieler übrigens noch nicht, dass ihr Trainer zum Saisonende aufhört.

Das kann also nicht der Grund gewesen sein, warum YEG nach bärenstarken 30 Minuten den Faden verlor. „Da sind wir ins Hintertreffen geraten“, kritisierte Oktay Güney. Seine Spieler verfielen in alte Muster, ließen wie bei den drei Niederlagen in Serie vor ein paar Wochen deutlich nach. Für Güney auch ein Grund, nach der Saison einen Schlussstrich zu ziehen. „In solchen Phasen verstärken sich die Abschiedsgedanken. Aber der Grund war meine Familie.“

YEG gelang es derweil auch in der Schwächephase, die Führung zu verteidigen. Nach dem Anschlusstreffer (34.) stellte Daniel Bertram den alten Abstand wieder her (39.). Kurz vor Schluss musste YEG noch einmal zittern, Victorias Edgar Siebert verwandelte einen Elfmeter (78.). Doch Serdar Yigit machte alles klar (84.).

Ein wenig gedrückt war die Stimmung trotzdem, nachdem Oktay Güney seinen Abschied verkündet hatte. „Aber ich werde YEG weiterhin verfolgen.“ Er werde eine beratende Tätigkeit einnehmen, „und mir auch die Spiele anschauen.“ Vielleicht sogar auf der Tribüne, auf der den Abschied verkündete

Autor: Tim Lievertz

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