Die Südtribüne bleibt am Samstag beim Bundesliga-Spiel des BVB gegen den VfL Wolfsburg dicht.

BVB-Strafe

Thilo Danielsmeyer vom Fanprojekt ist entsetzt

14. Februar 2017, 12:35 Uhr
Foto: firo

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Die Südtribüne bleibt am Samstag beim Bundesliga-Spiel des BVB gegen den VfL Wolfsburg dicht.

Wir sprachen mit Thilo Danielsmeyer, dem Leiter des Dortmunder Fanprojektes, über die Strafe. Er ist entsetzt.

Thilo Danielsmeyer, sie arbeiten seit vielen Jahren für das Fanprojekt Dortmund und kennen sich in der Dortmunder Fanszene bestens aus. Halten Sie die Strafe des DFB-Sportgerichtes für gerecht? DFB-Präsident Reinhard Grindel hat nach den Vorfällen gegen RB Leipzig, die unentschuldbar sind, von einem Aufstand der Anständigen gesprochen, der nun geschehen müsse. Diesen Aufstand der Anständigen hat der DFB gestoppt.

Wie meinen Sie das? In den vergangenen Tagen haben sich Fanorganisationen getroffen, auch mit dem Verein, diskutiert und darüber beraten, wie es weitergehen kann. Es herrschte Konsens und eine riesige Solidarität, dass sich so etwas nicht wiederholen darf. Jetzt redet hier keiner mehr über Leipzig, sondern nur noch darüber, dass die Südtribüne gesperrt ist.

Was haben Sie an der Strafe auszusetzen? Kollektivstrafen sind immer richtig, richtig schlecht. Ich bin deshalb ob der Strafe sehr skeptisch. Der DFB hätte meiner Meinung nach niemals so viele Fans aussperren dürfen.

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Was hätten Sie vorgeschlagen? Mir ist klar, dass der gesellschaftliche und politische Druck hoch war. Deshalb hätte ich es vielleicht gerade noch verstanden, wenn die zwei Blöcke der Ultras auf der Südtribüne gesperrt worden wären. Eigentlich auch nicht. Aber jetzt trifft es Fans, die seit 25 Jahren zu jedem Heimspiel kommen und denen auf einmal genau diese eine Eintrittskarte an der Wohnzimmerwand fehlt. Man darf ja nicht vergessen, dass die Südtribüne gegen Leipzig bereits beinahe voll war, als die Dinge passiert sind. Ich hätte mir zudem ein Signal gewünscht, dass der DFB sein langfristiges Konzept überdenkt. Wir decken beispielsweise beim BVB mit drei Personen 80 Spiele im Jahr ab.

Welche Erfahrungen haben sie nach dem Urteil gemacht? Unser Telefon steht den ganzen Tag nicht mehr still. Wir haben Menschen, die am Samstag ihr Wohnzimmer für die Liveübertragung anderen Fans zur Verfügung stellen wollen. Aber es rufen auch viele Anhänger an, die einfach nur wissen wollen, wo sie das Spiel in Dortmund sehen können.

Was befürchten Sie für Samstag? Ich mag mir noch gar nicht ausdenken, was dann in der Stadt los sein wird. Ich kann mir vorstellen, dass die aktive Fanszene zur U23 nach Oberhausen fährt. Aber auch von den anderen betroffenen Anhängern wollen viele nach Dortmund kommen. Die Kneipen sind aber auch bei normalen Spielen schon immer voll. Ich weiß gar nicht, wo die Menschen alle hinsollen. Wenn schon Sperre, dann wäre es aus meiner Sicht klüger gewesen, ein späteres Spiel zu nehmen. So hätten sich alle besser vorbereiten können. Auch diese Chance wurde leider verpasst.

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