In Gedanken hat Lars Stindl (28) bei seiner Arbeit als Fußballprofi stets seine im vergangenen Mai geborene Tochter mit dabei.

Gladbach

Stindl sieht genug Anführer zur Krisen-Bewältigung

Michael Ryberg
24. Januar 2017, 23:07 Uhr
Foto: firo

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In Gedanken hat Lars Stindl (28) bei seiner Arbeit als Fußballprofi stets seine im vergangenen Mai geborene Tochter mit dabei.

Der Kapitän von Borussia Mönchengladbach, in der Hinrunde das laufstärkste Fohlen vom Niederrhein, hat sich den Namen seiner Tochter auf die Fußballschuhe sticken lassen. Die trägt er auch am Samstag (18.30 Uhr/Sky), wenn die Borussia bei Bayer Leverkusen anzutreten hat.

Herr Stindl, haben Ihnen persönliche Fußballschuhe Glück gebracht? Lars Stindl: Ich denke schon, auch wenn es in der Hinrunde sicher mehr als drei Tore und vier Vorlagen hätten sein dürfen. Dazu habe ich aber beim Champions-League-Sieg in Glasgow getroffen. Der hat uns letztlich auch in die Europa League gebracht.

Das 2:0 bei Celtic war bisher der Höhepunkt der Saison, scheint aber eine Ewigkeit her zu sein. Es war sogar ein Höhepunkt in der Karriere eines jeden Borussia-Spielers, der dabei war. Wir haben in einer Ausnahmeatmosphäre die vielleicht lautesten Fußballfans der Welt ruhig gestellt. Vielleicht wird es gegen Florenz wieder einen solch besonderen Abend geben.

Der 23. Februar ist noch weit weg… Das ist richtig. Für uns zählt in erster Linie die Bundesliga, Leverkusen am Samstag. Es wird noch ein schwerer Weg für uns, um aus dieser Situation wieder herauszukommen.

Warum ist Borussia so abgerutscht nach den Plätzen drei und vier in den beiden vergangenen Jahren? Es war ein schleichender Prozess. Wir haben plötzlich die Heimspiele nicht mehr gewonnen, auch wenn oft fehlendes Glück im Spiel war. Die Negativergebnisse haben Druck produziert. Die Mannschaft war verunsichert am Ende. Die Be­r­­­­eitschaft zur Leistung war immer da, der Glaube und die Überzeugung haben aber vielleicht gefehlt.

War’s auch eine Frage des Spielsystems, was zu häufig gewechselt worden ist? Im ersten Jahr unter André Schubert hat man uns dafür gefeiert, danach kritisiert. Mit André hatten wir intensive Wochen, geile Auftritte und Erlebnisse. Das bleibt. Ich sage: Wir haben vor Weihnachten auf dem Platz schlicht die Leistung nicht gebracht.

In einer solchen Situation wird oft nach Typen gefahndet, die vorangehen. Auch ein Problem der Borussia? Natürlich hat uns Granit Xhakas Abgang zu Arsenal weh getan. Er ist ein Typ, der jeder Mannschaft der Welt gut tut. Dennoch: Wir haben genug Typen. Oscar Wendt, Tony Jantschke, Fabian Johnson, Raffael – oder Christofer Heimeroth.

Und Sie als Kapitän. Sind Sie eher demokratisch oder autoritär? Klar Demokrat. Ich entscheide immer mit dem Mannschaftsrat, wenn es etwas zu entscheiden gibt. Ich schreie nicht groß herum, sondern will durch Leistung auf dem Platz mitreißen. Das ist mein Anspruch.

Der neue Trainer Dieter Hecking hat als seine erste Amtshandlung Sie angerufen. Was haben Sie ihm gesagt? Dass die Borussia eine intakte Mannschaft hat und der Verein einfach großartig ist. Dass wir viel besser sind als Platz 14. Und dass das Team mehr Sicherheit braucht.

Beim 2:1 im Hinspiel gegen Leverkusen haben Sie getroffen. Mit Video-Schiedsrichter hätte Ihr Treffer aber nicht gezählt. Stimmt. Ich finde die Torlinientechnik gut, bin aber sonst bei Eingriffen ins Spiel eher altbacken.

Sie wären gegen den Video-Assistenten? Ja, man sollte das Spiel so wenig wie möglich unterbrechen. Und wenn, müssen schnelle, klare Entscheidungen her. Ich glaube fest daran, dass sich Fehlentscheidungen im Laufe der Saison ausgleichen.

Apropos Fehlentscheidung: Sie als Fan des Karlsruher SC haben Thomas Häßler als Vorbild. Tut es Ihnen weh, wenn sie den einstigen Weltmeister als Dschungelcamper im Fernsehen sehen müssen? Das muss er wirklich selber wissen, dazu will ich nichts weiter sagen. Er war ein genialer Fußballer und Freistoßschütze, und ich habe ihm als kleiner Junge nachgeeifert.

Autor: Michael Ryberg

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