Es ist nicht zwingend davon auszugehen, dass Fußball-Profis Kassenpatienten sind.

BVB

Neue Dortmunder Sorgen in der Abwehr

Daniel Berg
19. Januar 2017, 08:04 Uhr
Foto: firo

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Es ist nicht zwingend davon auszugehen, dass Fußball-Profis Kassenpatienten sind.

Sven Bender, Profi von Borussia Dortmund, aber hatte am Mittwoch lange zu warten, ehe sich in seinem Krankenfall etwas bewegte, das sich offiziell benennen lassen wollte. So lang, dass die Spontan-Diagnose seines Trainers bis in den späten Abend hinein die einzige medizinische Einlassung blieb.

Sie gründet nicht auf einem mehrjährigen Studium, sondern auf mehrjähriger Berufserfahrung im Bundesliga-Betrieb. „Sein Sprunggelenk ist sofort dick geworden“, sagte Thomas Tuchel über den beim Testspiel in Paderborn (6:1) verletzten Verteidiger. Dessen Fuß sei „klassisch umgeknickt. Ich rate jetzt, aber das sieht mindestens nach einer Kapsel- und Außenbandverletzung aus“. Bewahrheitet sich das, droht Bender bis zu sechs Wochen auszufallen. Drei Tage vor dem Start in die zweite Hälfte der Saison mit der Partie am Samstag (15.30 Uhr) bei Werder Bremen ist das eine schwerwiegende Botschaft für Tuchel. Denn die Defensive bleibt ein Problemfeld. Und auf Bender lagen viele Hoffnungen auf Besserung.

Hoffnung auf Sokratis

Bender, den alle nur Manni nennen, war im Sommer mit einem Knochenmarködem vom Olympischen Turnier in Rio zurückgekehrt und kam nur in zwei Bundesligaspielen zum Einsatz. Er musste zusehen, wie die Kollegen auf dem Platz um defensive Stabilität rangen. Ein Thema, das die Borussia wertvolle Punkte kostete. Selbst dem Drittligisten Paderborn gestattete Schwarz-Gelb nach Benders Verletzung klarste Chancen. „Das waren auf jeden Fall zu viele“, sagt Tuchel anschließend, „das ist unser Thema und wird unser Thema bleiben. Umso bitterer, dass Manni nun nicht da ist.“

Stand jetzt ist Tuchels Wunsch-Innenverteidigung sogar komplett gesprengt. Der bislang im Saisonverlauf höchst überzeugende Abwehrchef Sokratis setzt wegen einer Knöchelverletzung noch mit dem Mannschaftstraining aus. Am Mittwoch aber absolvierte er – ebenso wie Mittelfeldmann Ousmane Dembélé (Hüftverletzung) – Sprints und leichte Übungen mit dem Ball. „Hoffnung habe ich schon, dass sie spielen können, aber für die Anfangsformation wird es extrem eng“, sagt der Trainer im Hinblick auf das Bremen-Spiel. Plan B in der Innenverteidigung wäre das Duo aus Matthias Ginter und Marc Bartra, die in dieser Saison nun nicht gerade große Sicherheit ausstrahlten.

Dass Benders Verletzung aus einem etwas allzu beherzten Einsatz des Paderborners Sven Michel resultierte, der an der Mittellinie zur Grätsche ansetzte, versetzte die Dortmunder Reisegruppe nicht gerade in Verzückung. „Sehr giftig und sehr körperlich“ habe der Gegner verteidigt, hielt Tuchel scheinbar unaufgeregt fest: „Es ist gut für uns, solche Tests zu haben und uns da zu wehren.“ Kapitän Marcel Schmelzer empfand die Gangart bisweilen als etwas zu engagiert für ein Testspiel, hatte aber auch Verständnis: „Es ist klar, dass es etwas ruppiger wird, wenn man gegen einen abstiegsgefährdeten Drittligisten spielt, der sich auch auf die weitere Saison vorbereitet. Trotzdem ist es schade, dass sich dann einer verletzt.“

Möglicherweise aber wird der BVB zukünftig den Standort Paderborn lieber meiden. Fast auf den Meter genau an der selben Stelle verletzte sich Marco Reus im Jahr 2014 nach einer Paderborner Grätsche. Diagnose damals: Außenbandriss.

Autor: Daniel Berg

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