Man sieht ihm an, dass er jede Minute auf dem Platz genießt. Patrick Fabian jongliert mit dem Ball, er sprintet, er passt die Kugel umher.

VfL

So kämpfte sich Kapitän Patrick Fabian wieder zurück

Björn Goldmann
04. Januar 2017, 07:07 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Man sieht ihm an, dass er jede Minute auf dem Platz genießt. Patrick Fabian jongliert mit dem Ball, er sprintet, er passt die Kugel umher.

Manchmal muss er auf die Zähne beißen und nach Luft schnappen. Doch kurz darauf lächelt Patrick Fabian wieder. Er weiß auch die anstrengenden Momente eines Trainings zu schätzen. Das gehört dazu, wenn man endlich wieder Fußball spielen kann.

Wenig später sitzt Fabian in einem Café in der Bochumer Innenstadt. Hin und wieder werfen Tischnachbarn einen neugierigen Blick auf den großgewachsenen 29-Jährigen, der da im dunklen Pullover an seinem Kaffee nippt. Man kennt ihn in Bochum. Weil Patrick Fabian seit über 16 Jahren beim VfL spielt. Weil er der Kapitän des Tabellenelften ist. Und weil er nach monatelanger Schufterei in der Reha wieder zurück im Team ist. Eine Erfolgsgeschichte, die nicht viele andere Fußballer schreiben konnten. Der frühere Leverkusener Jens Nowotny fällt einem ein. Bei den Fußballfrauen Weltmeisterin Nia Künzer. Und nun Patrick Fabian.

Vater weinte auf der Tribüne

Beim letzten Auswärtsspiel kurz vor Weihnachten waren selbst die gegnerischen Spieler zu ihm gekommen, um ihn zu begrüßen. Denn hier war es geschehen, am Millerntor in Hamburgs Kiezstadtteil St. Pauli, fast genau acht Monate zuvor. Patrick Fabian erinnert sich noch gut an den fatalen Zweikampf. Es war der 16. April, Nachspielzeit, der VfL Bochum lag 0:2 zurück. „Ich kam eigentlich viel zu spät, wollte die Aktion abbrechen, tat es aber nicht. Ein komischer Schritt, und dann war es geschehen“, sagt Fabian. Er erzählt es nüchtern, es ist ja auch eine kleine Ewigkeit her. Damals war natürlich alles anders. Er wurde vom Platz getragen, sein Vater auf der Tribüne hatte Tränen in den Augen, Patrick Fabian selbst auch. Denn er kannte diesen Schmerz im rechten Bein nur zu gut. Dieses Gefühl, als „hätte dir jemand mit einer Schrotflinte ins Knie geschossen“.

Dreimal hatte er es schon im anderen Knie gespürt. Am 31. März 2011 im Freundschaftsspiel gegen Rot-Weiss Essen. Am 25. Januar 2012 im Trainingslager in der Türkei. Am 22. Juli 2012 im Trainingslager in Barsinghausen – ausgerechnet in der ersten Eeinheit nach der überstandenen Reha Nummer zwei. „Eigentlich war ich nie der Typ, der mit Verletzungen kämpfte. Komisch, dass es nun ausgerechnet immer das Kreuzband trifft. Und immer auswärts.“ Fabian lacht, denn er hätte eine Lösung. „34 Heimspieltage – das wär’s doch!“

Vier Kreuzbandrisse. Viermal Schuften in der Physiotherapie. Lange Monate, in denen der Rasen so fern ist. Stattdessen: Stabilisations- und Kraftübungen in nüchternen Praxisräumen. Gepaart mit dem Gefühl, mehr zu können als erlaubt ist. Das Schlimmste: Die Phasen, in denen die Entwicklung stockt und der Frust wächst. „Es gibt Tage, da ist man ungenießbar für das Umfeld. Aber die muss man sich eingestehen“, sagt Fabian.

Keine Trauer, kein Selbstmitleid

Was ihm trotzdem Kraft gab? Dass er die Rückkehr schon dreimal geschafft hatte. Die Reaktionen von seinen Mannschaftskollegen und der Fans. Die Ablenkung durch Freundin Anja. Beide setzen sich für misshandelte Hunde aus Rumänien ein, arbeiten an der Gründung eines Tierschutzvereins. Und am Ende war auch Fabians nüchterne Sichtweise auf das Geschehen entscheidend. Keine Trauer, kein Selbstmitleid. „Du musst die Situation akzeptieren. Am Ende ist es ,nur’ das Knie. Es ist keine schwere Krankheit“, sagt der Abwehrspieler.

Extraschichten wird er trotzdem schieben müssen. Kraft- und Stabilisationsübungen, immer und immer wieder. In der Rückrunde will er schließlich nicht mehr nur im Kader des VfL stehen wie kurz vor Weihnachten gegen St. Pauli. Sondern wieder auf dem Rasen.

Autor: Björn Goldmann

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren