Null Punkte, null Tore, zwei Niederlagen - der Schalker Fehlstart ist perfekt. Die Leistung beim 0:2 gegen den FC Bayern München macht aber Mut.

Schalke 04

Warum die Fans trotz Niederlage applaudierten

Thomas Tartemann
10. September 2016, 14:02 Uhr
Foto: dpa

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Null Punkte, null Tore, zwei Niederlagen - der Schalker Fehlstart ist perfekt. Die Leistung beim 0:2 gegen den FC Bayern München macht aber Mut.

Viel Lob und Anerkennung, aber keine Punkte. Der FC Schalke 04 wartet in der Fußball-Bundesliga weiter auf sein erstes Erfolgserlebnis. Das 0:2 (0:0) gegen den FC Bayern München bedeutete nach dem 0:1-Dämpfer zum Start bei Eintracht Frankfurt die zweite Niederlage für die komplett umgekrempelten Schalker. „Wir waren nicht schlechter“, fasste Trainer Markus Weinzierl zusammen, „wir haben unter dem Strich 80 Minuten gut ausgesehen.“

Fünf Schalke-Zugänge feierten ihre Punktspiel-Debüt in der Arena
Das honorierten auch die Schalker Anhänger, die ihre Stars mit viel Beifall und aufmunternden Sprechchören in den Kabinentrakt verabschiedeten. Gerade die zahlreichen Neuzugänge rieben sich das eine oder andere Mal verwundert ihre Augen. Weder Benjamin Stambouli noch Nabil Bentaleb, Yevhen Konoplyanka, Naldo oder Abdul Rahman Baba, die allesamt ihr Punktspiel-Debüt in der Arena feierten, dürften solche positiven Emotionen nach einer Niederlage bei ihren Ex-Klubs erlebt haben. „Wenn wir kämpfen, wenn wir leidenschaftlich spielen, wenn wir alles geben, dann springt der Funke auch auf die Tribüne über“, meinte Naldo sichtlich ergriffen. Der ehemalige Wolfsburger gab zu bedenken: „Wir haben nur drei Tage mit dem kompletten Kader trainiert.“ Je mehr sich die Abläufe einspielen, je besser die Abstimmung untereinander wird, umso mehr Punkte werden künftig auf das Schalker Konto fließen. „Ich bin davon überzeugt, dass es von Woche zu Woche besser wird“, ballt Offensivkraft Eric Maxim Choupo-Moting kämpferisch die Faust.

Der neue Bayern-Trainer Carlo Ancelotti hatte schon im Vorfeld geahnt, was auf sein Team und ihn zukommen würde. „Es war das erwartet schwere Spiel gegen einen erwartet starken Gegner“, schickte der Guardiola-Nachfolger ein dickes Kompliment an die Adresse der Königsblauen. Ancelotti räumte ein: „Schalke hat uns viele Schwierigkeiten bereitet.“ Allerdings fehlte den Hausherren das nötige Glück. Leon Goretzkas Kopfball war schon auf dem Weg ins Tor, aber Bayern-Verteidiger David Alaba kratzte den Ball gerade noch von der Linie (19.). Nach dem Seitenwechsel kochte die Arena. Schalke-Stürmer Klaas-Jan Huntelaar nagelte die Kugel nach einem Schnitzer von Xabi Alonso aus 20 Metern an die Bayern-Torlatte (56.). Es schien, als hätte Schalke den Gegner allmählich weichgeklopft, aber dann spielte der Rekordmeister seine Trumpfkarten aus. Eiskalt, schonungslos, brutal. Auf Pass von Javi Martinez zog Torjäger Robert Lewandowski, der den einzigen schwachen Moment des ansonsten sehr präsenten S04-Verteidigers Naldo ausnutzte, in den Strafraum und knallte die Kugel unhaltbar in den Winkel – 0:1 (81.).

Schalke-Trainer Weinzierl: "So müssen wir in den kommenden Partien agieren"
Schalke konnte keine entscheidende Gegenreaktion mehr einleiten. Kapitän Benedikt Höwedes & Co. hatten alles rausgehauen, einige Wirkungstreffer erzielt, waren dann aber selbst knallhart erwischt worden. Trainer Markus Weinzierl löste im Schlussspurt die taktischen Fesseln, um zumindest einen Teilerfolg zu retten. Bayern packte in der Nachspielzeit durch den eingewechselten Joshua Kimmich (90.+2) den Deckel drauf. „Es war ein schönes, intensives Spiel von beiden“, resümierte Carlo Ancelotti. Auf Schalke können sie sich dafür nichts kaufen.„Zehn Minuten haben uns gefehlt, um wenigstens einen Punkt zu holen“, trauerte Markus Weinzierl einem möglichen Teilerfolg nach, „gegen die Bayern musst du eiskalt und effektiv sein, darfst dazu hinten nichts zulassen.“ Diese drei Kriterien erfüllte Schalke bei aller Leidenschaft und der deutlichen Steigerung gegenüber dem 0:1 in Frankfurt nicht. Ziel muss es jetzt sein, die im Bayern-Duell abgerufene Leistung zu konservieren. „Genau so müssen wir in den kommenden Partien agieren“, fordert Weinzierl. Der Schalker Kaderchef ist fest davon überzeugt, dass sich dann auch gute Ergebnisse bei Hertha BSC Berlin, gegen Köln und in Hoffenheim einstellen.

Autor: Thomas Tartemann

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