Die unruhigen letzten Wochen seit dem Putschversuch in der Türkei erlebte Ilyas Basol während des Urlaubs in seinem Heimatland hautnah.

Genc Osman

Basols Baustellen vor dem Auftakt

Sven Kowalski
09. August 2016, 06:37 Uhr
Foto: Ketzer

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Die unruhigen letzten Wochen seit dem Putschversuch in der Türkei erlebte Ilyas Basol während des Urlaubs in seinem Heimatland hautnah.

„Der erste Tag nach dem Putschversuch war schlimm, aber ansonsten habe ich die Lage dort lange nicht so dramatisch wahrgenommen, wie sie hier in den Medien dargestellt wird. Es wird noch einige Monate dauern, bis genau herauskommt, was wirklich dahinter steckt“, sagt Basol und schiebt nach – „aber das ist auch nicht meine Baustelle.“
Seine Baustelle ist der Fußball-Bezirksligist SV Genc Osman, der in den letzten drei Jahren kontinuierlich seinem eigenen Aufstiegsanspruch hinterher gerannt ist. Und auf dieser Baustelle sieht der Trainer beim vierten Anlauf auf den Meistertitel noch eine Menge Arbeit.
Einige Defizite

„Wir werden alles daran setzen, um den Meistertitel mitzuspielen, und alles unter Platz drei kommt nicht in Frage“, sagt Basol, „aber klarer Favorit sind wir sicher nicht. Diese Rolle, die uns von außen aber auch von uns selbst oft zugesteckt wird, nehme ich spätestens seit dem 0:6 im Test gegen den VfB Homberg nicht mehr an.“ Das Spiel gegen den zwei Klassen höheren Oberligisten war für den Trainer eine herbe Enttäuschung und Warnung zugleich. „Keine Spielanlage, keine Ordnung, keine Idee, kein System, und die körperliche Verfassung stimmt bei den meisten auch nicht.“ Vor allem vom Großteil der 13 Neuzugänge, zu denen sich jüngst noch Stürmer Oguzhan Maminoglu (Rheinland Hamborn) gesellte, hatte der Coach deutlich mehr erwartet. Bislang brächten nur die neue Sturmwaffe Ertugrul Yirtik von Glückauf Möllen, die von Blau-Weiß Oberhausen gekommenen Mittelfeldspieler Anil Yildirim und Muhammed Demiral, die neue Nummer Eins Hikmet Öztürk (YEG Hassel) sowie Talent Serkan Karaüzüm (Rheinland Hamborn), „der den beiden nominellen Innenverteidigern Semih Zorlu und Baris Atas noch Beine machen wird“, die Form mit, die Basol erwartet hatte. „Bis die Neuzugänge unsere vielen Abgänge kompensieren können, wird es noch dauern“, sagt der Coach.

Dass es erneut zu zehn Abgängen gekommen ist, von denen der ehemalige „Sechser“ Kevin Kirchner (Hamborn 07) am meisten schmerzt, macht Basol vor allem an mangelnder Vereinsidentifikation aus. „Ich würde mir wünschen, mal über zwei, drei Jahre das gleiche Team zu trainieren und nicht immer wieder von vorne anfangen zu müssen.“ Kapitän Bünyamin Aksoy, Stellvertreter Samed Basol, Verteidiger Mustafa Cukur und Ersatzkeeper Kai Hanysek stellen für Basol die wenigen Ausnahmen dar. „Bei ihnen haben wir es geschafft, sie fühlen sich dem Verein verbunden. Aber die meisten Spieler, wie jetzt Kirchner, sind weg, sobald sie bei uns aufgeblüht sind.“

Herausforderung: Integration
Eine große Hürde sei dabei „die Integration ausländischer, also nicht türkischer Spieler“, wie es Basol ganz bewusst ausdrückt. „Im Training und bei Ansprachen läuft bei uns alles auf Deutsch. Aber sobald die Jungs allein in der Kabine sind, läuft türkische Musik, wird auf Türkisch gewitzelt und die anderen Spieler wissen nicht, was los ist. Das kennen sie von anderen Vereinen nicht, auch, dass nach dem Spiel nicht mal ein Bier getrunken wird.“ Basol führt aus. „Versuche mal, bei uns einen Mannschaftsabend zu machen. Das ist eine Katastrophe. Wir gehen Pizza essen, und nach einer Stunde haut der Erste ab. Bei Viktoria Buchholz wissen die Jungs jetzt schon, dass sie am Ende der Saison geschlossen nach Mallorca fliegen“, zieht Basol einen Vergleich. „Bei uns aber ist es enorm schwierig, zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen zu wachsen. Das fehlt uns.“

Trotz all der individuellen Klasse, die Genc fraglos aufweisen kann, ist das Manko in Teamgeist und Zusammenhalt – Eigenschaften die Gruppengegner wie Meiderich 06/95 oder Hamborn 07 in seinen Augen stark machen – Basols Hauptgrund dafür, sich von der Favoritenrolle zu distanzieren.

„Um aufzusteigen, müssen wir in dieser Saison dreimal besser sein als mein absoluter Favorit Hamborn 07“, sagt Ilyas Basol mit Blick auf seine Baustelle. „Denn der Erfolg entsteht nicht nur auf dem Platz. Bei uns aber kommt alles nur über den Fußball.“

Autor: Sven Kowalski

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