Der 40-Tore-Marke haftet im deutschen Fußball etwas Mystisches an. Stets wird sie mit Gerd Müller im Zusammenhang gebracht, dem Bomber der Nation.

Heisinger SV

Der Bomber der Kreisliga A

Andreas Neuhaus
11. Juni 2016, 08:39 Uhr

Der 40-Tore-Marke haftet im deutschen Fußball etwas Mystisches an. Stets wird sie mit Gerd Müller im Zusammenhang gebracht, dem Bomber der Nation.

Im Kleinen hat sich Niklas Nadolny einen ähnlichen Ruf erarbeitet. Der 20-Jährige knackte in der abgelaufenen Saison die Marke für den Heisinger SV in der Kreisliga A. Genau 40 Tore waren es am Ende.

Niklas Nadolny ist ein bescheidener junger Mann. Die Ausbeute, so sagt er, sei ein Verdienst der Mannschaft. Dann gesteht er aber: „Als es auf die 40er-Marke zuging, hab’ ich mir schon ein paar Gedanken gemacht.“ Gehemmt haben ihn diese offensichtlich nicht. Neun Tore erzielte er in den letzten fünf Spielen, die meisten davon aus dem Strafraum heraus. Wie so oft in der Saison. Es war ein gängiges Schema: Flankenlauf von Linksverteidiger Dennis Mackowski, in der Mitte vollstreckt Nadolny – gerne am ersten Pfosten per Kopf. Bietet sich ja an, bei einer Körpergröße von 1,93 Metern, wobei er kein reiner Knipser ist. Heisingens Nummer neun kämpft und rackert, verlängert Einwürfe, sichert Bälle in der Spitze oder legt diese nach außen ab.

Dass Nadolny in Heisingen nach Belieben trifft, kommt nicht überraschend. „Niklas ist nicht der Edeltechniker. Aber seine Torquote hat bisher in jeder Mannschaft gestimmt“, sagt Peter Schäfer. Der ehemalige ETB-Jugendleiter war es, der den Angreifer in der Jugend an den Uhlenkrug lotste. Im Januar 2014 wechselte Nadolny als Altjahrgang in der A-Jugend aber zurück zu seinem Heimatverein nach Heisingen. „Das hatte verschiedene Gründe. Es passte eben mit der Schule und dem Abi besser“, berichtet er.

Den Heisinger Abstieg aus der Bezirksliga konnte Nadolny nicht mehr abwenden, er erzielte aber immerhin noch acht Treffer. Seine Treffsicherheit hat der Hüne also auch außerhalb der Kreisliga nachgewiesen. Das weckt Begehrlichkeiten. Einige Bezirksligisten fragten für die kommende Saison an, andere Vereine sollen zumindest einen Blick riskiert haben.

Doch Nadolny bleibt zunächst in Heisingen. Er steht schon seit Jahresbeginn beim HSV im Wort und schaut darüber hinaus auf das Gesamtbild. Zurzeit absolviert er bei Evonik eine Ausbildung und genießt Fußball als Hobby: „Für mich ist es einfach wichtig, dass der Teamgeist stimmt. Dazu gehört auch, dass man nach dem Training noch zusammensitzt.“

Allerdings fällt auch folgender Satz: „Als Fußballer will man immer so hoch wie möglich spielen.“ Und wer weiß, sollte Heisingen im nächsten Jahr nicht den Aufstieg in die Bezirksliga packen, vielleicht wagt dann Nadolny alleine den Sprung – auch über die Bezirksliga hinaus.

Dass Auf-Asche-Spiel gegen RWE könnte ein guter Indikator sein, wie hoch genau es für Nadolny noch gehen könnte. Er ist für die Abstimmung zur Auswahl der besten Essener Amateurkicker nominiert und hofft jetzt auf genügend Stimmen: „Ich hätte auf jeden Fall richtig Lust, das Spiel ist so ziemlich das Beste, was man im Essener Amateurfußball erreichen kann.“ Neben dem Knacken der 40-Tore-Marke natürlich.

Autor: Andreas Neuhaus

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