MSV-Präsident Ingo Wald spricht im Interview über Enttäuschungen, Fehler, Sportdirektor Ivica Grlic und sein Verhältnis zu Bernard Dietz. Der Abstieg wirft Duisburg um mindestens ein Jahr zurück

MSV Duisburg

Duisburg wird "oben angreifen"

Dirk Retzlaff
03. Juni 2016, 07:27 Uhr
Foto: firo

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MSV-Präsident Ingo Wald spricht im Interview über Enttäuschungen, Fehler, Sportdirektor Ivica Grlic und sein Verhältnis zu Bernard Dietz. Der Abstieg wirft Duisburg um mindestens ein Jahr zurück

Ingo Wald bevorzugt die Haribo-Kollektion. Beim Gespräch mit der Sportredaktion stellt der Präsident des Fußball-Drittligisten MSV Duisburg ein großes Glas mit Fruchtgummi auf den Tisch. Nervennahrung. Eines wird deutlich: Auch neun Tage nach der Niederlage gegen Würzburg geht der Abstieg dem Klubchef immer noch nahe.

Herr Wald, überwiegt noch die Enttäuschung? Oder können Sie bereits wieder nach vorne blicken?
Als der Abstieg Realität war, war ich am Boden, tief enttäuscht. Es war eine unendliche Leere da. Hinzu kommt das Wissen, dass wir auf unserem Weg mindestens ein Jahr verloren haben. Aber man muss sich irgendwann aus dem Loch bewegen und nach vorne blicken.

Dachten Sie nach dem Abstieg über einen Rücktritt nach?
Nein. Ein Rücktritt wäre Feigheit. Wenn ich etwas anfange, will ich es auch zu Ende bringen.

[infobox-right]Im Juli läuft der Schuldenschnitt aus: Als die Gläubiger dem MSV Duisburg im Frühjahr 2014 im Rahmen des Schuldenschnitts 80 Prozent der Verbindlichkeiten erließen, war die Gefahr der Insolvenz gebannt. 20 Prozent der Schulden blieben indes noch stehen – und diese rund zwei Millionen Euro werden im Juli 2017 fällig. Ingo Wald stellt klar: „Dieser Schuldenschnitt war ein Geschenk. Wir dürfen uns dafür aber nicht nur feiern, sondern müssen weiter an der Konsolidierung arbeiten.“ [/infobox]

Vor allem Ihr Sportdirektor Ivica Grlic steht nach dem Abstieg in der öffentlichen Kritik.
Wir dürfen nicht vergessen, dass vor einem Jahr viele Menschen Ivo gefeiert haben. Jetzt soll alles schlecht sein? Ivo Grlic hat auch in der abgelaufenen Saison vieles richtig gemacht. Aber natürlich waren wir alle gemeinsam auch nicht fehlerfrei. Doch es wäre der falsche Weg, nach diesen fünf gemeinsamen Jahren jetzt nach einem Abstieg alles in Frage zu stellen.

Waren Sie dennoch nicht zu optimistisch, Ivo Grlic einen Fünf-Jahres-Vertrag zu geben?
Ich würde es wieder tun, zumal er ohnehin bis 2018 unter Vertrag stand. Wir haben im letzten Sommer noch einmal zwei Jahre draufgepackt, denn wir sind von der Konzeption und Philosophie überzeugt und vertrauen Ivo.

Nicht nur Sie empfanden nach dem Abstieg Leere, auch die Fans befinden sich im Tal der Tränen. Haben Sie Sorge, viele Fans verloren zu haben?
Wir haben in der letzten Saison viele Menschen enttäuscht. Das steht außer Frage. Aber ich hoffe, dass wir unsere Fans, die uns fantastisch unterstützt haben, wieder ins Boot bekommen, wenn wir einen Kader zusammenstellen, der erkennbar macht, dass wir in der nächsten Saison angreifen werden.

Ein Rücktritt wäre Feigheit. Wenn ich etwas anfange, will ich es auch zu Ende bringen
MSV-Präsident Ingo Wald

In den beiden Drittliga-Jahren hat der MSV große Verluste eingefahren. Sind Sie nun zum Aufstieg verdammt?
Die beiden Spielzeiten in der 3. Liga kosteten jeweils rund drei Millionen Euro. Verdammt zum Aufstieg sind wir nicht, aber wir werden oben angreifen müssen. Wir können nicht dauerhaft in der 3. Liga bleiben. Das wäre der Tod auf Raten.

Am Wochenende meldete sich Vorstandsmitglied Bernard Dietz zu Wort. Er sei bei der U-23-Abmeldung übergangen worden.
Wir haben den Arbeitskreis Sport, dem natürlich auch Bernard Dietz angehört. Ja, er war dort gegen die Abmeldung der U 23. Anschließend haben wir diese strategische Entscheidung auch noch den Gremien vorgelegt. Ich weiß, dass es seine Zeit dauern kann, bis wir sehen werden, ob es die richtige Entscheidung war.

Ist Ihr Verhältnis zu Bernard Dietz belastet?
Nein. Wir haben ein sehr gutes persönliches Verhältnis zueinander. Wir tauschen uns regelmäßig aus. Ich schätze ihn sehr. Fragen Sie ihn. Ich glaube nicht, dass er es anders sieht.

Autor: Dirk Retzlaff

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